43  

Karlsruhe Vor dem Krieg geflohen: Ibrahim Aboud fand in Karlsruhe seine neue Heimat

Ibrahim Aboud kam als Flüchtling nach Karlsruhe, vor fünf Jahren begann seine beschwerliche Flucht, mittlerweile lebt er seit knapp anderthalb Jahren in der Fächerstadt. ka-news.de hat den Syrer zum Interview getroffen - ein Gespräch über die Familie, seine Reise und die neue Heimat im Badischen.

Es war 2014, in seiner Heimat herrscht Bürgerkrieg, da packt der 28-Jährige sein Hab und Gut und flieht. Eine lange, beschwerliche Reise hat der Syrer nun hinter sich. Der gelernte Maurer war über zweieinhalb Jahre unterwegs, bis er von Aleppo, einer Stadt im Norden Syriens, nach Deutschland kam. Dafür hat er viel zurückgelassen, vor allem seine Familie. Die lebt nun in einem Dorf in der Grenzregion zwischen Syrien und der Türkei, gesehen hat er sie das letzte mal vor fünf Jahren. 

Eine lange Reise von Aleppo nach Karlsruhe

Aus dem vom Krieg gezeichneten Aleppo ging es zunächst per Auto in das Nachbarland Libanon, in dem sich die Friedenssituation nicht sehr viel besser gestaltet als in Abouds Heimatland. "Dort blieb ich acht Monate, bevor die Reise mit dem Flugzeug weiter nach Algerien ging", sagt der junge Mann im ka-news.de-Interview. Dort lebte er rund ein halbes Jahr, bevor er in die nächste Maschine in Richtung Marokko stieg, wo er einen weiteren Monat verbrachte. Anschließend wechselte er den Kontinent und reiste per Schiff weiter nach Spanien, blieb knapp drei Wochen dort und reiste weiter in den Norden über die spanisch-französische Grenze.

Sein großes Ziel hatte er immer im Hinterkopf: Deutschland. Und diesem kam er näher und näher, denn über die Niederlande ging es dann in die Landeserstaufnahmestelle (Lea) in Ellwangen. "Geschafft", lacht er heute. Einige Zeit hielt er sich dann in der Lea auf, bevor seine Flucht in der Fächerstadt ein Ende fand.

Flüchtlingshilfe, Ibrahim Aboud
Bild: Thomas Riedel

Mittlerweile fühlt er sich in Karlsruhe gut aufgehoben, fühlt sich angekommen. Trotzdem vermisst er etwas: seine Familie. Fünf lange Jahre hat er sie nicht mehr gesehen - nur am Handy: "Ich habe zwar regelmäßig Kontakt, auch per Videochat - aber sie endlich wieder in die Arme schließen zu können, wäre wunderschön", sagt der Syrer gegenüber ka-news.de.

Von Aleppo bis in die badische Metropole hat Aboud rund 7.500 Kilometer Luftlinie zurückgelegt und hier in Karlsruhe fühlt sich der 28-Jährige wohl - Lieblingsplätze hat er auch schon: "Ich bin gerne am Schloss oder auch am Rhein", sagt er im Gespräch mit ka-news.de. 

Flüchtlingshilfe, Ibrahim Aboud
Bild: Thomas Riedel

Schlechte Erfahrungen hat der gelernte Maurer bisher keine gemacht, die Menschen im Badischen seien sehr freundlich zu ihm. "Anfeindungen habe ich hier bisher keine erlebt", sagt Aboud.

Regelmäßiger Besuch bei der Flüchtlingshilfe Karlsruhe

Das liegt auch daran, dass Aboud mit der deutschen Sprache nur noch wenig Probleme hat. Er hat einen Deutschkurs auf dem Niveau A2 und B1 absolviert, heißt: Badisch versteht er nicht so gut, aber er kann die meisten Situationen fehlerfrei bewältigen und sich einfach über Themen unterhalten. So macht ihm der Einkauf im Supermarkt auch keine Probleme. 

Anders sieht es bei Behördengängen aus. Dabei benötigen Ibrahim Aboud und andere Flüchtlinge Unterstützung. Diese erhalten sie unter anderem bei der Flüchtlingshilfe in Karlsruhe. So hat Ibrahim Aboud dort mit Hilfe eines Sprachprogramms am Computer Deutsch gelernt. 

Flüchtlingshilfe, Ibrahim Aboud
Gertrud Weber von der Karlsruher Flüchtlingshilfe im Gespräch mit Ibrahim Aboud. | Bild: Thomas Riedel

Dass er die deutsche Sprache beherrscht hat ihm sozusagen einen Job verschafft. Was jetzt noch fehlt wäre eine eigene Wohnung. Aktuell wohnt er mit einem Gambier und einem Tunesier in einer WG in Knielingen. Doch die Wohnsituation soll kein Dauerzustand bleiben. "Ich möchte gerne eine eigene Wohnung haben", sagt Aboud. Und vielleicht kann er ja irgendwann mit seiner Familie in der Fächerstadt sesshaft werden. 

ka-news.de-Hintergrund: Flüchtlingshilfe Karlsruhe


Am Alten Schlachthof in der Oststadt befinden sich zwei Container, in denen die Flüchtlingshilfe Karlsruhe zu Hause ist. Die Hilfe ist 2014 entstanden, als zahlreiche Flüchtlinge nach Karlsruhe kamen und mangels Platz auf dem Festplatz und in Notunterkünften übernachten mussten. "Sie ist als loses Bündnis in einer Notsituation eingesprungen, die es zu beenden galt", sagt Gertrud Weber von der Flüchtlingshilfe.

Heute sorgt die Hilfe für die Weiterführung, Koordination und Weiterentwicklung der Flüchtlingsarbeit in Karlsruhe. "Wir beraten, betreuen, bieten Freizeitangebote an und vieles mehr. Alles was Karlsruher Flüchtlinge unterstützt und ihnen eine Teilhabe an unserer Gesellschaft ermöglicht", so Weber gegenüber ka-news.de.  
Mehr zum Thema
Asylsituation in Karlsruhe: Schulprojekte, Jobangebote, Integration, Unterkunft - Informationen rund um die Asylsituation in Karlsruhe gibt es immer aktuell auf ka-news.de
Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Das könnte Sie auch interessieren
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (43)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Der Kommentarbereich wird 7 Tage nach Publikationsdatum geschlossen.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  •   Maverick
    (123 Beiträge)

    25.11.2019 09:59 Uhr
    Illegale Einreise
    ist eine Straftat. Hier wird sie noch gefeiert, und eine Anleitung bereitgestellt. Wahnsinn.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Avatar
    (301 Beiträge)

    25.11.2019 13:29 Uhr
    Gehts heute weiter
    mit der Flüchtlingshetze?
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   fahrbahnteiler
    (295 Beiträge)

    24.11.2019 19:50 Uhr
    Es gibt doch
    Familienzusammenführung. Der deutsche Staat machts möglich. Ein Hoch auf unsere hochverehrte Frau Kanzlerin.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   schmidmi
    (2160 Beiträge)

    25.11.2019 19:43 Uhr
    Wenigstens eine
    die die Moral noch nicht im Keller vergraben hat!
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Svantovit
    (98 Beiträge)

    24.11.2019 19:18 Uhr
    Merwürdiger Reiseverlauf
    Spanien, Frankreich, Belgien und die Niederlande hinter sich gelassen, um dann letztendlich in Deutschland zu landen. Hab ich was verpasst oder herscht in den oben genannten Ländern ebnefalls krieg? Soviel zur "gerechten" Verteilung in Europa!
    Was nützt es wenn wir die Asylanten nach einem Schlüssel verteilen, am Ende sich aber jeder dort niederlässt wo es ihm gerade passt. Wenn nicht einmal die Niederlande gut genug sind um Asyl zu beantragen, wen bitte soll man dann in den osteuropäischen Staaten unterbringen, welche ja immer gerne als die Buhmännerangeprangert werden. Keine Grenzen, keine gerechte Verteilung.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   malerdoerfler
    (5951 Beiträge)

    24.11.2019 18:05 Uhr
    So gut dieser Artikel ist und so positiv er berichtet
    Er zeigt das eindeutige Scheitern der Europäischen Union und des Dublin Abkommens.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   ALFPFIN
    (6959 Beiträge)

    24.11.2019 16:13 Uhr
    @Nachteule
    Es ist doch allgemein bekannt, wenn man die Sprache eines Landes nicht beherrscht, hat man Schwierigkeiten sich zu integrieren und eine Arbeitsstelle zu bekommen.
    Also nachdem der junge Mann sozusagen die Sprache gut gelernt hat und sich damit sozusagen auch hier gut verständigen kann, hatte er die Chance eine Arbeitsstelle zu bekommen.
    Kapiert?
    Würde jedem von uns im Ausland auch so gehen, ohne die jeweilige Landessprache zu beherrschen, geht nix, sozusagen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   malerdoerfler
    (5951 Beiträge)

    24.11.2019 18:00 Uhr
    Na also.....geht doch
    Sprache lernen........Beruf ausüben...........Zukunftsperspektive haben

    Wobei die Frage ist..........muss ein Familiennachzug sein? Das Interview lässt offen, ob es sich hier um Frau und Kinder oder um Eltern und Geschwister handelt. Wäre letzteres der Fall, dann wäre ein "Familiennachzug" nicht gerechtfertigt und es wäre ihm zu wünschen, dass er hier bald eine Familie gründen kann und sich weiterhin in Deutschland wohlfühlen wird.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Maverick
    (123 Beiträge)

    24.11.2019 15:26 Uhr
    Ich hoffe der junge Mann
    (mit 28 schon ergraut) konnte hier Berufserfahrungen sammeln, denn er und seinesgleichen werden in Syrien dringend für den Wiederaufbau benötigt.

    Wir wollen doch diese geschundenen Länder nicht noch mehr ausbeuten, in dem wir ihnen die kräftigen jungen Männer rauben. Das wäre egoistisches Imperialistengehabe. Die Alten, Kranken und Schwachen werden Syrien nicht aufbauen können!
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   oststaedtler
    (267 Beiträge)

    25.11.2019 14:14 Uhr
    Naja...
    Hetze hin oder her. So ganz unrecht hat er nicht. Wenn diesen Ländern die ganzen Gutausgebildeten wegrennen, haben die, auch nach dem Krieg ein echtes Problem. Das gibt es jetzt schon in einigen afrikanischen Ländern und nennt sich Brain Drain.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten

Seite : 1 2 3 4 5 (5 Seiten)

Schreiben Sie Ihre Meinung
Fett Kursiv Link Zitat Sie dürfen noch Zeichen schreiben
Informiert bleiben: