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Karlsruhe Alterstest für Flüchtlinge: So geht Karlsruhe vor

Nach dem tragischen Tod einer Schülerin in Kandel ist der Alterstest für Flüchtlinge in aller Munde. Doch wann müssen unbegleitete, minderjährige Ausländer (UMA) überhaupt zum medizinischen Atlerstest? Wie stellt der soziale Dienst der Stadt Karlsruhe das Alter eigentlich fest?

Der tragische Tod einer 15-jährigen Schülerin im rheinland-pfälzischen Kandel hat die Diskussion um die Altersfeststellung bei UMAs neu angeheizt. Noch gibt es nur einen empfohlenen Fragenkatalog für die sogenannte qualifizierte Inaugenscheinnahme. Das bedeutet, jedes Bundesland, ja sogar jedes Jugendamt, kann ein eigenes Verfahren ausarbeiten und anwenden. Aber zumindest: "In Baden-Württemberg nutzen wir alle den gleichen Standard bei der Altersfeststellung", erklärt Reinhard Niederbühl, Leiter des Sozialen Dienstes der Stadt Karlsruhe. 

"Täglich sind meine Mitarbeiter in der LEA, immer in Zweier-Teams, und stellen das Alter der jungen Menschen fest", so Niederbühl im Gespräch mit ka-news. "Schon seit 30 Jahren machen wir erst die Altersschätzung und dann, wenn sie unter 18 sind, kommen sie in Obhut. Das geht dann auch ganz schnell!" Doch einen standardisierten Test gab es vor drei Jahren nicht, als zu Hochzeiten der Flüchtlingskrise jeden Tag hunderte Menschen in der Landeserstaufnahmeeinrichtung (LEA) ankamen und erfasst wurden.

Bundeseinheitlicher Fragenkatalog und hohe Erfolgsquote

Mithilfe verschiedener Fragen ermitteln die Mitarbeiter von Reinhard Niederbühl das Alter. "Neben den Fragen zum Alter und Angaben zur Lebens- und Fluchtgeschichte stellen wir auch Fragen zur Schulbildung. Wir testen so aber auch die geistig-emotionale Entwicklung", sagt Reinhard Niederbühl. "Und die qualifizierte Inaugenscheinnahme operiert dann mit verdeckten Schlüssigkeitsfragen."

Heißt: Es geht erst um das Thema Schule, dann geht es um die Eltern und Geschwister, dann wieder zurück zur Schule. "Nach 15 Minuten wissen sie nicht mehr, was ich davor gefragt habe und dann passieren Schlüssigkeitsfehler!" Mehr dürfen wir hier nicht verraten, damit keine Informationen an Schlepperbanden gelangen.

Nur drei medizinische Test in Karlsruhe

Immer zwei Personen sind in einem Schätzerteam. Jeder macht sich seine Notizen, hinterher beraten sich die beiden. "Wenn sich meine Mitarbeiter gar nicht einig werden, dann erst geht es in die nächste Ebene", sagt der Leiter des Sozialen Dienstes.

Doch den medizinischer Alterstest gab es im vergangenen Jahr gerade drei Mal in der Fächerstadt. Dabei werden die Handknochen oder Zähne geröntgt. Die seltene Anwendung spart der Stadt bares Geld. Denn eine Inaugenscheinnahme kostet gerade mal 200 Euro, ein medizinisches Gutachten liegt bei etwa 1.500 Euro. "Und hinterher sind wir genauso schlau wie vorher", so Niederbühl.

(Symbolbild)
(Symbolbild) | Bild: Paul Needham

Medizinische Tests sind teuer

Das wären über 1,1 Millionen Euro bei 740 Altersfeststellungen im Jahr 2017, die Ermittlung des Alters mithilfe des Fragebogens kostete gerade mal 148.000 Euro. Durch den landesweit einheitlichen Fragebogen wurden in Karlsruhe 379 Flüchtlinge und Asylsuchende als über 18-Jährige eingestuft. Mehr als die Hälfte der UMAs war demnach älter, als sie selbst angegeben haben. Für den Leiter des Sozialen Dienstes eine beachtliche Erfolgsquote. "Das zeigt die Qualität unseres Verfahrens!" 

Für Reinhard Niederbühl ist klar, die Politik sollte sich auf ein Verfahren einigen. "Ich würde es richtig finden, wenn die Alterstests bewertet werden. Wenn dabei herauskommt, dass die teuren, medizinischen Verfahren besser sind, dann machen wir das", so Niederbühl. "Ich denke aber, dass das, was wir hier in Karlsruhe machen, den höchsten Standard hat."

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Kommentare (54)
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  •   Kruppstahl
    (1371 Beiträge)

    20.02.2018 17:29 Uhr
    Jetzt wird mir schlecht
    Der Mörder aus Kandel ist laut Gutachten unter 21.
    Seit wann ist man unter 21 automatisch nach Jugendstrafrecht zu bestrafen? Ob der über 18 ist, wird man ja wohl sagen können.
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  •   Ein_Wanderer
    (555 Beiträge)

    17.01.2018 03:01 Uhr
    Ausgrabungen
    Hier werden alte BGH-Urteile ausgegraben um zu beweisen dass man keine Röntgenuntersuchung machen darf. Das ist typische Malscher Logik!

    Dabei ist es ganz einfach: man muss nur ein Gesetz erlassen, das solche Untersuchungen in festgelegten Fällen erlaubt. Und mir gefällt da sehr der Ansatz von Boris Palmer. Keine Papiere und den Sonderstatus als Minderjähriger beanspruchen wollen - Beweis für Minderjährigkeit ist vom "Jugendlichen" zu erbringen. Dann kann ja derjenige auch gerne aufs Röntgen verzichten, wer was zu verbergen hat...
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (960 Beiträge)

    16.01.2018 21:42 Uhr
    Da schau, eben gelesen:
    Generell werden neu ankommende Flüchtlinge bei der Eingangsuntersuchung nach Paragraf 62 des Asylgesetzes (AsylG) auf übertragbare Krankheiten untersucht. Dabei werden auch die Atmungsorgane geröntgt......

    Geröntgt! Und kein Aufschrei?

    Quelle:
    Unbekannter Erreger: Multiresistente Tuberkulose-Keime bei Flüchtlingen entdeckt - WELT
    https://www.welt.de/regionales/hamburg/article172531660/Unbekannter-Erreger-Multiresistente-Tuberkulose-Keime-bei-Fluechtlingen-entdeckt.html
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  •   Mammut
    (766 Beiträge)

    17.01.2018 10:43 Uhr
    Wenn schon das Röntgen so gesundheitsschädlich sein soll....
    ....dann ist das Röntgen der Atemwege in jedem Fall eine deutlich höhere Belastung als das Röntgen des Handgelenks.
    Und wie sieht es mit den Gesundheitsrisiken aus, wenn ein Erwachsener eine medizinische Behandlung als Jugendlicher erhält?
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  •   ProKA
    (708 Beiträge)

    16.01.2018 21:10 Uhr
    Ist es nicht so,
    das Bewerber für den Polizeidienst ihre Lunge Röntgen lassen müssen (Thorax Röntgen)?
    Und legt die Röntgenverordnung nicht fest, dass die Anwendung von Röntgenstrahlung am Menschen nur im Rahmen der Heilkunde und in zugelassenen (gesetzlich oder ähnlich gelagerten) Fällen erfolgen darf. Gesetzlich oder ähnlich gelagerten Fällen schließt meiner Ansicht nach das bestimmen des Alters bei Asylbewerbern ein, auch wenn es nicht im Rahmen der Heilkunde ist.
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  •   Ein_Wanderer
    (555 Beiträge)

    16.01.2018 16:18 Uhr
    Was werden da
    für lächerliche Argumente bemüht um jede korrekte Altersfeststellung schlechtzureden. Hier ebenso wie in der hohen Politik.

    Mein Tipp: Diese maximal 15% der Wähler (grosszügig gerechnet) einfach mal ignorieren!
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  •   DerSpinner
    (2070 Beiträge)

    16.01.2018 16:08 Uhr
    Lächerlich
    "Mehr dürfen wir hier nicht verraten, damit keine Informationen an Schlepperbanden gelangen."
    Verfahren und Fragen sind einschlägigen "Beratern" schon lange bekannt. Die Kerle werden wohl im Vorfeld von so Leuten wie dem mit dem auf ewig gesperrten Twitteraccount gebrieft. Wenn nicht sogar schon im Heimatland.
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  •   Ludwigsstammtischbruddler
    (765 Beiträge)

    16.01.2018 13:33 Uhr
    Der Twitter Account im südlichen Landkreis
    +++ Das Posting ist themenfremd und wurde daher von der Redaktion gesperrt +++
  •   Timmy78
    (197 Beiträge)

    16.01.2018 14:53 Uhr
    Ironie des Schicksals
    anders kann man das nicht mehr bezeichnen......... :-D
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  •   auchmalsenfdazu
    (3225 Beiträge)

    16.01.2018 11:41 Uhr
    PS
    was ist eigentlich mit ka-news los, dass bei so einem Thema, die Kommentarfunktion geöffnet ist ? Obwohl es doch mit hoher Wahrscheinlichkeit viele Kommentare gibt/geben wird, die nicht der eigenen ka-news Redaktionsmeinung entsprechen...

    Mehr Offenheit gegenüber anderen Meinungen im Jahr 2018 ?

    Schön wäre es.
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