Kein Licht, kein Herd, keine Waschmaschine. Ein Stromausfall ist nicht nur nervig, er macht auch bewusst, wie abhängig die Menschheit inzwischen von dieser Energiequelle ist. Aktuell gewinnt das Thema zusehends mehr an Aufmerksamkeit. Der Grund: Ukraine Krieg, steigende Stromkosten und gehäufte Stromausfälle. 

Blackout unwahrscheinlich in Karlsruhe

Auch in Karlsruhe wurden zuletzt vermehrte Meldungen über Stromausfälle gemeldet. Darunter in Karlsruhe Mühlburg, der Waldstadt oder Baden-Baden. Sie alle tragen einen Teil dazu bei, dass Menschen sich vor einem großen Blackout fürchten.

In der Ukraine ist das bereits Alltag, was uns vielleicht noch bevorsteht.
In der Ukraine ist das bereits Alltag, was uns vielleicht noch bevorsteht. Immer wieder kommt es infolge der Raketenangriffe - wie hier im Zentrum Kiews - zu großen Stromausfällen. Die Kiewer Behörden planen die Evakuierung von drei Millionen Einwohnern, falls es in der ukrainischen Hauptstadt zu einem vollständigen Stromausfall kommen sollte. | Bild: Oleksii Chumachenko/SOPA Images via ZUMA Press Wire/dpa

Ursache für diese Stromausfälle waren zumeist defekte oder durchgeschmorte Kabel, welche zu einer Überlastung des Netzes führten. Dass es überhaupt zu solchen großflächigen Ausfällen kommt, ist in Karlsruhe aber eher selten, wie die Stadtwerke gegenüber ka-news.de betonen. 

Unterschied zwischen Lastunterdeckung und Blackout

Allerdings sieht die Prognose für den Winter nicht so rosig ist. Denn sowohl die Stadtwerke als der Übertragungsnetzbetreiber TransnetBW erwarten aus den oben genannten Gründen für die kalte Winterzeit eine "äußerst angespannte Versorgungssituation". Doch nicht etwa im Sinne eines "richtigen" Blackouts, welcher in der Regel als unkontrollierter, großflächiger und lange andauernder Stromausfall definiert wird. 

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Vielmehr sei eine "Lastunterdeckung" beziehungsweise ein Strommangel das Problem. Vereinzelte, kontrollierte und zeitliche begrenzte Abschaltungen wären dann die Folge, um den Engpass im Stromnetz zu beheben.

"Die Übertragungsnetzbetreiber setzen eine Reihe von Instrumenten ein, unter anderem mobilisieren sie Reserven auf dem europäischen Strommarkt. Das sind bewährte Maßnahmen, um das Netz zu stabilisieren. Wenn sie nicht greifen, kann es im schlimmsten Fall zu sogenannten kontrollierten Lastabschaltungen kommen", heißt es seitens der Stadtwerke.  Allerdings geschehen diese "diskriminierungsfrei". Es wird also kein Unterschied zwischen den Verbrauchern gemacht. 

"Darin liegt der große Unterschied zum Blackout. Die Übertragungsnetzbetreiber verhindern also einen Blackout, indem sie als Ultima Ratio entscheiden, dass Unternehmen und Privathaushalte für eine kurze Zeit kontrolliert abgeschaltet und dann wieder zugeschaltet werden", so die Stadtwerke weiter. Kurze Zeit bedeutet eine Zeitspanne von ein paar Stunden.

TransnetBW ist vorbereitet

Sollte es dann doch zu einem überregionalen Stromausfall kommen können die Stadtwerke jedoch sehr wenig tun. Der Grund: Die Karlsruher Stadtwerke Karlsruhe ist mit seinen daran angeschlossenen Erzeugungsanlagen nicht für einen Inselbetrieb ausgelegt. Bedeutet im Umkehrschluss: der Netzwiederaufbau erfolgt nach festgelegten Routinen des vorgelagerten Übertragungsnetzbetreibers TransnetBW.

Doch auch TransnetBW und die übrigen Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz, Amprion und TenneT halten einen Blackout für unwahrscheinlich. Das belegt eine Sonderanalyse der Übertragungsnetzbetreiber im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz. Falls kontrollierte Abschaltungen aber nötig werden, sind sie nach eigenen Angaben "selbstverständlich vorbereitet."

Netzausfall: Wie gut vorbereitet ist Karlsruhe?

Aber was passiert denn nun, wenn "der Fall der Fälle" tatsächlich eintritt? Die Branddirektion Karlsruhe hat dafür seit dem Jahr 2015 im Rahmen eines Projektes für den Ernstfall geprobt. (ka-news berichtete über die einzelnen Schritte bei einem Katastrophenfall).

"Im Zuge des Projektes wurden sämtliche Tätigkeiten der Stadtverwaltung auf ihre Relevanz bei Stromausfall hin überprüft und teilweise Maßnahmen umgesetzt, um einen Notbetrieb für aufrechtzuerhaltende Tätigkeiten sicherzustellen. Dabei handelt es sich um organisatorische oder technische Lösungen, wie beispielsweise die Beschaffung von Notstromaggregaten für die Feuerwehrhäuser", heißt es auf Nachfrage der Redaktion.

Bei einem Stromausfall muss man beim Kochen improvisieren.
Bei einem Stromausfall muss man beim Kochen improvisieren. Zur Not mit kalten Ravioli. (Symbolbild) | Bild: Christin Klose/dpa-tmn

Darüber hinaus werden übergreifende Maßnahmen aktiviert wie beispielsweise die Festlegung von Anlaufstellen für die Bevölkerung oder die Sicherstellung des stadtinternen Kraftstoffmanagements. Die Koordination würde dann der Krisenstab der Stadt Karlsruhe übernehmen, welcher im engen Austausch mit der kritischen Infrastruktur steht.

Für den Fall eines Blackouts beziehungsweise Brownouts sieht sich die Stadt aber gut vorbereitet: "Ende 2019 wurden im Zuge einer Stabsrahmenübung die Herausforderungen eines sich abzeichnenden Brownouts und einer damit verbundenen Kaskadenabschaltung im städtischen Krisenstab in Zusammenarbeit mit den Stadtwerken (Netzservice) durchgespielt." 

Wasserversorgung wäre trotz Blackout sichergestellt

Davon unabhängig ist wiederum die Wasserversorgung in Karlsruhe. Hier kommen im Fall der Fälle bestimmte Netzersatzaggregate bei den Wasserwerken zum Einsatz, die bei einem Netzausfall aktiviert werden.

Dazu schreiben die Stadtwerke an ka-news.de: "In den Werken wird Treibstoff für einen mehrtägigen Betrieb vorgehalten. Bei einem längeren Stromausfall wird eine ev. notwendige Nachlieferung des Treibstoffes über den dann agierenden Krisenstab organisiert."

Und wenn nicht mehr Treibstoff organisiert werden könnte? "Dann gibt es im Stadtgebiet verteilt immer noch sogenannte Notfallbrunnen", so die Stadtwerke abschließend.