Eigentlich wollte der Kreisverband Karlsruhe-Land der Alternative für Deutschland (AfD) an diesem Freitag über aktuelle politische Themen sprechen. Ab 19.30 Uhr hatte die umstrittene Partei zu einer Diskussionsveranstaltung mit dem Landtagskandidaten und Sprecher des Kreisverbands Rainer Balzer und dem AfD-Landessprecher Jörg Meuthen geladen.

Doch es kam anders: Zwei Tage vor der Veranstaltung, erhielt die Partei die kurzfristige Absage vom Restaurant Sängerheim-Waldblick, welches der AfD-Kreisverband als Veranstaltungsort gewählt hatte. Auf seiner Facebookseite teilte das Restaurant am 2. Dezember mit, die Veranstaltung "umgehend abgesagt" zu haben. Der Grund: Man habe gar nicht gewusst, dass es sich um eine Veranstaltung der AfD handle, so die Verantwortlichen auf Facebook.

!!! Berichtigung !!!Wie wir heute erfahren mussten, sollte am Freitag in unserem Hause eine Versammlung der AfD...

Posted by Restaurant Pizzeria "Waldblick" on Mittwoch, 2. Dezember 2015

"Bei uns wurde lediglich eine Versammlung eines Anglervereins reserviert, die sich dann, auf Nachfrage, als politische Veranstaltung der oben genannten Partei (Anm. d. Red.: gemeint ist die AfD) herausstellte", heißt es bei Facebook. Ein persönliches Statement des Pächters liegt ka-news bislang noch nicht vor.

Immer wieder Absagen nach Protesten

Es ist im Raum Karlsruhe nicht die erste Absage, die die AfD von Wirten kassiert. Ende Oktober fiel die AfD-Veranstaltung "Mut zur Wahrheit" ins Wasser, da sowohl das KSC-Clubhaus, der Kühle Krug als auch das Siedlerheim einen Rückzieher machten.

Und auch in Berghausen traf eine geplante AfD-Veranstaltung Ende November mit dem Landtagskandidaten Alexander Arpaschi auf wenig Gegenliebe. Harald Gförer, Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Pfinztal, forderte einen Wirt in einem Schreiben auf, die Veranstaltung abzusagen. Sowohl der SPD-Stammtisch als auch eine Veranstaltung mit Polizeivertretern werde nicht mehr in diesem Lokal stattfinden, sollte die AfD-Veranstaltung wie geplant stattfinden, schreibt der SPD-Mann.

Wurde in Linkenheim-Hochstetten der eigentliche Zweck der Veranstaltung aus Angst vor einer weiteren Absage verschwiegen? Von einer bewussten Täuschung will Landtagskandidat Balzer nichts wissen "Ja, wir wollten die Räumlichkeiten des Waldblicks anmieten", meint er im Gespräch mit ka-news. Die AfD habe aber nicht versucht, den Wirt zu täuschen. "Das ist kompletter Quatsch! Was hätten wir von so einer Aktion?" Warum der Wirt dann von der Reservierung eines Anglervereins ausging, dafür hat Balzer keine Erklärung. "Ich kann es mir nur so erklären, dass es ein Missverständnis war."

AfD besorgt über "zunehmend unangenehmes Klima"

Man befinde sich derzeit noch im Gespräch mit dem Wirt, gleichzeitig schaue man sich aber auch nach Alternativen um. "Wenn wir keinen Raum finden oder die Lokalität zu weit entfernt ist, werden wir die Veranstaltung absagen müssen", so Palzer. Das wäre ein Novum, bisher habe man bei der AfD Karlsruhe-Land noch keine Probleme gehabt, ein Lokal zu finden- "wir gehen in Lokale, in denen uns die Wirte gewogen sind." Mit Blick auf Reiberei bei anderen Veranstaltungen zeigt sich Balzer dennoch besorgt: "Ich finde, dass sich das Klima in ein unangenehmes verwandelt."

Bei der Karlsruher Polizei gibt man allerdings auf Nachfrage von ka-news Entwarnung. Martin Plate, Leiter der Pressestelle des Polizeipräsidiums Karlsruhe, erkennt bei Veranstaltungen der AfD und den damit verbundenen Gegenveranstaltungen kein erhöhtes Konfliktpotential. Auseinandersetzungen wie etwa Anfang des Jahres beim sechsten Landesparteitag in der Badnerlandhalle in Neureut seien die Ausnahme. "Zu Reibereien kommt es nur in Einzelfällen", betont Plate. Für Linkenheim-Hochstetten liegen der Karlsruher Polizei bislang keine Informationen über eine Gegendemonstration vor. "Wir werden die Veranstaltung im Auge behalten."

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