Wie viele Mahlzeiten kann ein Journalist pro Tag essen? Erst kürzlich habe ich mir diese Frage gestellt. Der Grund: die Einladung zu einem Pressefrühstück. Das sollte zwar zu einer Zeit stattfinden, zu der in mancher Kantine bereits das Mittagessen serviert wird. Allerdings gelten Journalisten ja gemeinhin ohnehin als Spätaufsteher, daher passte das schon.

Wer will noch eine Butterbrezel?

Schwieriger war, dass die Einladung nicht die einzige ihrer Art war. Insbesondere bei Firmen scheint es inzwischen üblich, statt Kaffee und Wasser ein ganzes Frühstück oder auch gleich ein kleines Buffet aufzufahren, wenn sie Pressevertreter einladen. "Für das leibliche Wohl ist natürlich gesorgt", heißt das dann in den Ankündigungen oder auch schlicht: "Einladung zum Pressefrühstück". Würde ein einzelner Journalist jede dieser Einladungen wörtlich nehmen, käme er an manchen Tagen auf fünf oder sechs volle Mahlzeiten.

Fairerweise muss man sagen, dass das Essen bei solchen Terminen natürlich eher eine Nebenrolle spielt. Nicht selten bleiben selbst Butterbrezeln sogar gänzlich unberührt. Zumindest die Journalisten, die ich kenne, kaufen Ihre Lebensmittel wie jeder andere Mensch auch selbst, in der Mittagspause geht es in ein Lokal in der Nähe, eine Kantine oder es wird etwas zuhause Vorgekochtes verzehrt. Zwar soll es Kollegen geben, die ihre Termine nach kulinarischen Gesichtspunkten auswählen, auf die breite Masse dürfte das aber eher die Ausnahme sein.

"Wenn sie morgens in der Redaktionskonferenz die Menüfolgen vergleichen, dann haben wir gewonnen!"

In den PR- und Presseabteilungen scheint man das freilich anders zu sehen. Manchmal stelle ich mir vor, welche Gespräche hier wohl geführt werden, bevor eine Presseeinladung rausgeht. "Hast Du reingeschrieben, dass es was zu Essen gibt? Du weißt, das sind Journalisten! Die kommen sonst nicht!" - "Ja, ich habe den Menüplan beigelegt." - "Sehr gut, damit kriegen wir sie! Spätestens wenn sie morgens in der Redaktionskonferenz die Menüfolgen vergleichen, dann haben wir gewonnen!"

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