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Zwischen Knöllchen und Pöbeleien: Unterwegs mit einer Politesse

Beliebt sind sie nicht. Im Gegenteil. Politessen dürften auf der Popularitätsskala etwa auf einer Höhe mit Fahrkartenprüfern und GEZ-Kontrolleuren rangieren. Doch sind die Damen in Uniform wirklich so schlimm wie ihr Ruf? ka-news-Mitarbeiterin Ramona Deeg hat eine gemeindliche Vollzugsbedienstete auf ihrer Tour begleitet.

Politesse - was ist das eigentlich?

Tobias Müllers Handy klingelt - nicht ungewöhnlich für einen Geschäftsmann. Am anderen Ende der Leitung meldet sich die Leitstelle der Verkehrsüberwachung. Müllers Nummer wurde über sein Autokennzeichen ermittelt, denn das Auto steht auf einem Behindertenparkplatz. Wenn er nicht zu seinem Fahrzeug kommen kann, muss die Politesse einen Abschleppvorgang einleiten.

Müller eilt zu seinem Wagen und kommt völlig außer Atem an. In einem kurzem Gespräch erklärt Franka Heiler ihm die Sachlage. Das Schild scheint er übersehen zu haben, aber "Unwissenheit schützt vor Strafe nicht". 35 Euro werden für den Verstoß fällig und dazu kommen noch einmal 30 Euro Verwaltungsgebühr. Mit der Verwaltungsgebühr wird der Anruf aus der Leitstelle und der Verdienstausfall der Politesse, sie muss schließlich vor Ort auf Müller warten, abgedeckt.

Für Müller ist das völlig in Ordnung, er ist nur froh, seinen nächsten Termin wahrnehmen zu können. Doch so verständnisvoll reagieren nicht alle Betroffenen. "Die Beschimpfung der Frauen geht oft unter die Gürtellinie", erklärt Jürgen Jäger vom Bürgerservice und Sicherheit (BuS). Daher ist der Austausch unter Kollegen oder mit dem Chef sehr wichtig für die Politessen. "Wenn wir abends die Uniform in den Spind hängen, sollte die Sache gegessen sein", erläutert Heiler.

"Es kann nicht sein, dass jemand in Uniform beschimpft wird", ärgert sich Jäger dennoch und diagnostiziert einen immer stärkeren "negativen Umgang". Männer, ist er sich sicher, haben es in dem Beruf einfacher. Doch männliche Politessen sind eher Mangelware. In Karlsruhe gehen lediglich drei dieser Tätigkeit nach.

"Können Sie nicht mal ein Auge zudrücken?"

Tagsüber sind die Politessen alleine unterwegs, nach Einbruch der Dunkelheit wird nur noch zu zweit "Schicht gegangen" - aus Sicherheitsgründen versteht sich. Ihre zehnjährige Erfahrung lehrt Heiler, dass der Ton gegen Abend immer rauer wird. Nach Feierabend wollen viele "nur noch ganz schnell was erledigen". Zu den gängigen Ausreden gehören Sätze wie "Ich war nur drei Minuten unterwegs" oder die Bitte "Können Sie nicht mal ein Auge zudrücken?"

Die Vorwürfe wiegen um einiges schwerer: "Sie haben nur darauf gewartet bis ich ausgestiegen bin" oder "Das machen Sie jetzt nur, weil ich ein auswärtiges Nummernschild habe". Oft mischen sich auch Passanten ein und beleidigen die gemeindlichen Vollzugsbediensteten zusätzlich. Heiler weiß, wie wichtig ein sachlicher Umgangston ist: "Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus."

"Wir sind nicht kleinlich - aber es gibt Regeln"

Dass man in ihrem Beruf viel Fingerspitzengefühl braucht, sieht auch ihr Chef. "Wir sind nicht kleinlich - aber es gibt Regeln", erklärt Jäger. Manchmal reiche schon die bloße Anwesenheit von Politessen um einem Parkvergehen vorzubeugen: "Die Leute sehen uns und bekommen ein schlechtes Gewissen." Da könne es auch schon einmal vorkommen, dass jemand plötzlich umdreht und doch noch zum Parkautomaten geht.

Ob es eine Straße gibt, in der sie immer fündig werden? "Die Lammstraße am ECE-Center", antwortet sie und prüft den Parkschein in einer Windschutzscheibe - alles in Ordnung. Was sie von "Knöllchen" und Co. halten, können sie uns übrigens auch in unserer Umfragesagen.

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Kommentare (24)
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  • unbekannt
    (429 Beiträge)

    27.04.2010 20:39 Uhr
    kreativer Vorschlag
    Wie wäre es mit Knöllchen für hässliches Parken? zwinkern (schräg, krumm, nicht platzsparend, 2 for 1-parking --> Zwei Parkplätze für ein Auto)

    ;-)
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  •   Smartraver
    (7572 Beiträge)

    27.04.2010 16:24 Uhr
    Und wie das Ordnungsamt...
    ja unlängst mitteilte, werden nun auch diejenigen beanstandet, die entgegen der Fahrtrichtung parken. Wenn das Parken frei ist, kostet es nun wenn man es nicht richtig macht. zwinkern
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  •   Amiria
    (176 Beiträge)

    27.04.2010 11:52 Uhr
    Vogelfreies Parken in Karlsruhe
    Es gibt sie noch, die vogelfreien Parkplätze in Karlsruhe. Jedenfalls in der Spohienstraße / Ecke Scheffelstraße. Dort wurden vor ein paar Monaten die Parkbuchten geändert und ein absolutes Halteverbot erlassen. Bisher habe ich jedoch bei keinem der Dauerparker (!) jemals einen Strafzettel gesehen. Geschweige denn eine Politesse...
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  •   coyotecarl
    (1496 Beiträge)

    27.04.2010 09:27 Uhr
    Die Politessen
    müssen doch auf Druck "von oben" im Akkord Knöllchen schreiben. Die haben scharfe Vorgaben - können also gar nicht anders. Klar kriegen die als ausführendes Organ die Wut dann ab - aber die Bürgerfeinde sitzen woanders.
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  •   Smartraver
    (7572 Beiträge)

    27.04.2010 09:57 Uhr
    Bürgerfeinde?
    Die einen beachten die StVO und/oder zahlen ihre Parkgebühr oder gehen ins Parkhaus. Der andere macht was er will und straft damit die anderen ab, wie doof sie doch sind sich an die Regeln zu halten. Und betrachtet dann ein Knöllchen noch als feindliche Handlung und motzt die Politessen an. Toller Hecht. Wenn ich in die Stadt gehe habe ich auch Kleingeld für die Parkuhr oder Chipkarte. Und wenn ich halt erwischt werde, dann hab ich halt Pech gehabt und mach net rum.
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  • unbekannt
    (29986 Beiträge)

    27.04.2010 11:33 Uhr
    Ich fahr in der Stadt
    immer sofort ins Parkhaus und fertig. Hier in Mühlburg ist es anders, wenn ich noch kurz in einen Laden reinspringen will. Und wenns mich dann tatsächlich erwischt und sie mit dem Tippen schon angefangen hat nehm ichs sportlich. Falls sie noch nicht tippt kann man es in freundlichem Ton mal probieren. Und das hat auch schon geklappt. Wenn nicht, dann nicht, die Verhandlungsposition ist da eher schlecht.
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  • unbekannt
    (1018 Beiträge)

    27.04.2010 11:59 Uhr
    Sehe ich ähnlich
    in der Stadt ist es am stressfreiesten einfach gleich ins Parkhaus zu fahren. Dieses Rumgegurke um einen freien Parkplatz zu finden, und möglichst kostenfrei ist mir zu doof. Des Weiteren bin ich überzeugt, dass man bei einer solchen Parkplatzsuche weit mehr Sprit verheizt, als man am Ende Parkgebühren spart.

    Was ich aber heftig finde, da können allerdings die Zettelhexen selbst nichts dafür, ist die Tatsache, dass es in Karlsruhe Straßen gibt, die sogar Sonntags noch Geld kosten..
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  • unbekannt
    (1018 Beiträge)

    27.04.2010 12:01 Uhr
    Ups.. Fehler
    "[...]ist die Tatsache, dass es in Karlsruhe Straßen gibt, in denen die Parkplätze sogar Sonntags noch Geld kosten.."

    So war der Satz gedacht.. grinsen
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  •   Smartraver
    (7572 Beiträge)

    27.04.2010 15:25 Uhr
    Das ist selbst...
    in einem Kaff wie Schwetzingen so. Dort kosten die Parkplätze auch jeden Tag Geld.
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  •   superian
    (195 Beiträge)

    27.04.2010 09:12 Uhr
    Betrifft mich immer weniger
    Es gibt ja Amazon und andere Versender, da muss man nicht mehr in die Innenstadt.
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