Karlsruhe Zwangsräumung droht

Freiräumen droht das Zwangsräumen (Foto: ka-news)
Totgesagte leben länger: Drei Wochen nach dem "letzten Termin" ist die Ex-Steffi immer noch nicht geräumt. Auf einer Pressekonferenz haben deren Vertreter zur aktuellen Lage Stellung genommen und sich "überrascht" über die ablehnende Haltung der Stadt gezeigt.

In dem Gebäude hinterm Hauptbahnhof herrscht Ausnahmezustand, seitdem Ende Januar die letzte Frist zur freiwilligen Räumung verstrichen ist und man seitdem stündlich damit rechnen muss, dass sie unvermittelt und zwangsweise durchgeführt wird (ka-news berichtete). Als besonders "tragisch" bezeichnete es ein Ex-Steffi-Sprecher, dass die Stadt auf einer Räumung des Areals bestehe, dessen anderweitige Nutzung jedoch fraglich sei, weil es an einem interessierten Investor fehle. Außerdem hätten auch die Petitionen, die Künstler, Politiker und weitere Sympathisanten an die Stadt gerichtet haben, nicht gefruchtet. Der "politische Druck", welcher auf sie ausgeübt werde, belaste natürlich die Stimmung und auch die Arbeit in der Ex-Steffi.

Ein Damoklesschwert über der Schwarzwaldstraße

Die Geschichte der Ex-Steffi begann im Jahre 1990 in einem besetzten Gebäude in der Stephanienstraße. Nachdem dieses Domizil 1997 zwangsgeräumt wurde, zogen die Bewohner in das Gebäude Schwarzwaldstraße 79 um. Der mit der Stadt auf drei Jahre geschlossene Mietvertrag wurde 2000 um weitere drei Jahre verlängert. Als eine weitere Verlängerung nicht erfolgte und die Ex-Steffi sich nach erfolglosen Verhandlungen weigerte auszuziehen, wurde seitens der Stadt eine Räumungsklage eingereicht. Im Rahmen eines gerichtlichen Vergleichs wurde die Räumung jedoch bis zum 31. Januar 2006 aufgeschoben.

Schlägt den Ex-Steffis endgültig das letzte Stündchen? (Foto: ka-news)

Jetzt, Mitte Februar, sitzt die Ex-Steffi immer noch in dem Gebäude, und die Luft wird allmählich dünn für die ausharrenden Hausbesetzer: Sie gehen davon aus, dass es der Stadt diesmal ernst ist mit der Zwangsräumung - obwohl keine echten Alternativen in Sicht sind. Ein Umzug ins Nichts kommt für die etwa 25 Bewohner aber nicht in Frage: "Wir lassen uns nicht in die Obdachlosigkeit abdrängen", so die Parole.

Pläne für die Zeit "danach"

Nach eigenen Angaben hat sich die Ex-Steffi aktiv um Alternativen zum derzeitigen Standort bemüht und in den vergangenen 18 Monaten der Stadt etwa zehn entsprechende Vorschläge unterbreitet. Sie seien aber alle mit dem Hinweis auf gegenlaufende Bebauungspläne oder rechtliche Bestimmungen abgelehnt worden. Auch jetzt noch bemühe man sich weiterhin um Ersatzlösungen; insbesondere habe man ein Objekt in der Weststadt im Auge. Konkreter wollte man jedoch nicht werden, da man befürchte, die Stadt werde dann sofort wieder entsprechende Hindernisse errichten.

Für die Zukunft der Ex-Steffi - wo auch immer sie stattfindet - gibt es bereits Pläne: So soll das linksalternative Gesellschaftsmodell fortan Wohngemeinschaften ebenso wie Künstlerateliers, Werkstätten, Sportgruppen und sozialen Initiativen eine Heimstatt bieten und die Ex-Steffi nurmehr "integrierter Bestandteil" eines solchen Konzeptes sein. Interessenten gebe es bereits, auch wenn sie sich einstweilen noch bedeckt hielten. Ob ein solches Konzept in Karlsruhe noch eine Chance bekommt, wird indes nicht zuletzt von der Haltung der Stadt in der Frage der Zwangsräumung abhängen.

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