Zurück nach Burundi (I)

Zerrissene burundische Flagge: ein symbolhaftes Bild
(Foto: Philipp Ziser)
Ein Bericht von Philipp Ziser

Es gibt immer ein erstes Mal. Neue Erfahrungen, beinahe täglich. Nicht nur in Burundi und in den Projekten vor Ort. Sondern auch während der Vorbereitungsphase für den erneuten, zweijährigen Einsatz in der ostafrikanischen Republik und während der Arbeit für die Hilfsprojekte. Eine sehr nervenaufreibende und zeitaufwändige neue Erfahrung ist das Beladen eines Hilfsgütercontainers, der nach Burundi geschickt werden soll. Unter Zeitdruck. Sammeln von Sachspenden unterschiedlichster Art, Koordination, Verpacken und Logistik - ein Ganztagsjob.

Die Anteilnahme und das Interesse am Projekt sind überwältigend, die Hilfsbereitschaft groß. Anstoß für das Projekt "Container für Burundi" gab die Spende einer Logistikfirma aus Linkenheim, die den Stahlkoloss dem Verein Burundikids kostenlos zur Verfügung stellt. Während der bürokratischen Abwicklung im Hintergrund - "Certificate Of Donation", Erstellung von Inhaltslisten, Zollabwicklung -, werden fleißig Kisten gepackt, wird Wäsche gewaschen, werden Werkzeuge, Möbel, Medikamente, Computer und alle möglichen Gebrauchsgegenstände gesammelt, gesichtet und verstaut. Sammeln und Lagern an mehreren unterschiedlichen Stellen und Transport zum Container zu einem sinnvollen Zeitpunkt - eine logistische Herausforderung. Und ohne Menschen, die mit anpacken und ihre Zeit und Nerven opfern, schlicht unmöglich.

Unruhen in Kenia: Hilfslieferung zum richtigen Zeitpunkt

Nächster Schritt: Das sinnvolle Verstauen im Container. Kein Millimeter Platz soll vergeudet werden, Hohlräume, die durch große, sperrige Dinge entstehen, werden mit Kleidung, Stoffen, Bettlaken gefüllt. Unter stetiger Beachtung der gleichmäßigen Gewichtsverteilung und "Standfestigkeit" des Inhalts. Begleitet stets von der Abwägung: "Was ergibt Sinn, was nicht?!"

Das Beladen des Containers mit Hilfsgütern für Burundi... (Foto: Philipp Ziser)

Die Versorgung im ärmsten Land der Welt steht auf der Kippe. Die Unruhen in Kenia, dessen Hafen in Mombasa für die Versorgung fast ganz Ostafrikas beansprucht wird, versperren die Transportwege nach Uganda, Ruanda - und Burundi. Ausgebrannte Lkw-Wracks und Auseinandersetzungen zwischen den Volksgruppen in Kenia machen die Handelswege durch das Landesinnere derzeit unpassierbar. Die Handels- und Hilfsgüter, die über See nach Kenia geliefert werden, müssen den Umweg über den Hafen in Dar Es Salaam in Tansania in Kauf nehmen. Der ist dementsprechend überlastet, da er logistisch nicht darauf ausgelegt ist, das Frachtaufkommen eines weiteren großen Hafens mit abzuwickeln. Doch trotz zeitlicher Verzögerungen stemmen die Tansanier derzeit die Versorgung mehrerer ostafrikanischer Länder.

Kurze Momente der Frustration

... ist eine logistische Herausforderung
(Foto: Philipp Ziser)
Der Container mit Hilfsgütern für das Binnenland Burundi kommt aufgrund der zunehmenden Versorgungsknappheit mehr als zum richtigen Zeitpunkt. Noch sei die Lage "in Ordnung", wie es aus Burundi heißt. Dennoch sind manche Güter schon nicht mehr erhältlich oder aufgrund der Preissteigerungen der vergangenen Wochen für die meisten unerschwinglich. Die kommende Zeit: unsicher.

Überfluss auf der einen, Mangel auf der anderen Seite. Die Beladung des Containers ist eine Zeit und Beschäftigung, die einmal mehr zum Nachdenken anregt. Kurze Augenblicke, in denen die Versuchung aufgrund der Anstrengung groß ist, das Handtuch zu werfen, werden blitzschnell wieder verworfen. Sie werden ersetzt durch Bilder im Kopf von denen, die die Hilfe am Dringendsten benötigen: die Waisen, Straßenkinder und jungen Mütter in den Heimen in Burundi.

Der weite Weg von den Ohren zu den Händen

Das Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun, ist mehr als erfüllend. Am letzten Tag des Februars werde ich wieder nach Burundi aufbrechen, für die kommenden zwei Jahre. Bei der Entladung des Containers werde ich vor Ort sein. Ebenfalls wenn es darum geht, die Hilfsgüter zu verteilen und einzusetzen. Neue Pullis für Kinder im Landesinnern Burundis, die in ihren zerlumpten T-Shirts frieren mussten, Babykleidung für Kleinkinder, die nur eine Hose besitzen. Computer für unsere Schüler an der Ecole Polyvalente Carolus Magnus, dem Schul- und Ausbildungszentrum in der Hauptstadt Bujumbura, die ihnen das Tor zur Zukunft wieder ein Stück weiter öffnen, sie an der Informationsgesellschaft teilhaben lassen. Gehhilfen, die die bisherigen einfachen Holzstangen, wie sie verwundete Soldaten im Ersten Weltkrieg benutzten, ersetzen und behinderten Kindern das Leben ein kleines Stück erträglicher, einfacher machen.

Motivation: erleben, was machbar ist (Foto: Philipp Ziser)

Die Bilder, die sich mir bald erneut bieten werden, stimmen mich schon jetzt traurig - und motivieren mich zugleich. Trauer: über die Missstände, wie sie beinahe unüberschaubar und zuhauf existieren. Motivation: deshalb, weil ich mit eigenen Augen sehen kann, was erreichbar ist, wenn man nur anpackt. Ein Sprichwort, das ich in den vergangenen Wochen aufgeschnappt habe, trifft es am Besten: "Der Weg von den Ohren zum Herzen ist weit. Aber zu den Händen ist er noch viel weiter."

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