Karlsruhe Zügiges Handeln gefragt

Projekte wie die Neue Messe treiben die Flächennutzung in die Höhe
(Archivfoto: ka-news)
Der Nachhaltigkeitsbeirat des Landes hat im März diesen Jahres sein Sondergutachten zum Flächenmanagement in Baden-Württemberg vorgestellt. Die in dem Papier ausgesprochenen Empfehlungen sind für die Fraktion von Bündnis90/Die Grünen im Karlsruher Gemeinderat Anlass, das Thema auch wieder in der Fächerstadt zur Sprache zu bringen. Mit einem Antrag an den Oberbürgermeister bringen Gisela Splett und Klaus Stapf von der Fraktion nun die Angelegenheit der Flächeninanspruchnahme in der Kommune auf die Tagesordnung der nächsten Gemeinderatssitzung. Denn, so Stapf: "Es besteht Handlungsbedarf".

Nach der Flächenbilanz aus dem Jahr 2002 waren in Karlsruhe zu jenem Zeitpunkt bereits 39,9 Prozent der Gesamtfläche bebaut. "Aus städteplanerischer Sicht liegt die Grenze bei 40 Prozent", so Stapf. "Wir liegen mittlerweile sicherlich über dieser Grenze". Tendenzen, diesem Trend entgegen zu steuern seien nicht zu erkennen. Ganz im Gegenteil: Der Urbanisierungsprozess in den Randgebieten der Fächerstadt schreite voran. Jüngstes Beispiel sei das Gebiet "Untere Hub", wo im Sinne des Flächenmanagements eine schwere Sünde begangen würde.

"Zukünftige Generationen sind in ihrer Entwicklung eingeschränkt"

Kernpunkt des nun gestellten Antrags bildet die Erarbeitung eines Konzepts durch die Stadtverwaltung, das inhaltlich auf den Empfehlungen des Nachhaltigkeitsbeirats fußt. Dieser sieht unter anderem vor, eine Obergrenze für den zukünftigen Flächenverbrauch in Karlsruhe festzulegen. "Wenn wir in diesem Tempo weitermachen, dann werden in 20 Jahren 50 Prozent der Gesamtfläche Karlsruhes zugebaut sein", prognostiziert Stapf. Des Weiteren soll das Konzept attraktive Wohnmöglichkeiten im verdichteten Bauen für Familien aufzeigen. Schließlich gäbe es nach großen Baugrundstücken, wie sie derzeit von der Stadt mehrheitlich geplant sind, gar keinen Bedarf, meint Splett: "Das passt einfach nicht zusammen."

Der Nachhaltigkeitsbeirat kommt in seinem Sondergutachten zu dem Ergebnis, dass allein in Baden-Württemberg pro Tag elf Hektar mehr an Land durch neu angelegte Siedlungs- und Verkehrsfläche in Anspruch genommen werden. "Diese Entwicklung ist nicht nachhaltig, da Fläche knapp ist und zukünftige Generationen in ihren Entwicklungsmöglichkeiten eingeschränkt werden", so die Einschätzung des Beirats. Nach dem Willen des Beirats muss dieser Verbrauch bis zum Jahr 2020 auf drei Hektar pro Jahr heruntergefahren werden. Des Weiteren stellt die Kommission fest, dass mit den bestehenden Instrumenten des Planungsrechts eine "deutliche Reduzierung der Flächeninanspruchnahme durch Siedlung und Verkehr" nicht erreicht werden könne.

Bekommt der Papiertiger Zähne?

Die Vorschläge des Beirats sind nicht bindend, wie Stapf zu Bedenken gibt. Der Umweltausschuss der Stadt ordnet dem Gutachten jedoch "erhebliche kommunalpolitische Bedeutung" bei. Ob das dem Papiertiger zu scharfen Zähnen verhelfen kann, ist eine ganz andere Frage Immerhin, so merkt Stapf an: "Es handelt sich um ein seriöses Gremium. Die Kritik, es würde sich hier um 'pseudoalternatives' Gerede halten, gilt dieses Mal nicht." Vielleicht könne man das Urteil verwässern, aber "vom Tisch reden" könne es bei der Landesregierung in Stuttgart niemand.

Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Unsere Sonderthemen
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (0)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Der Kommentarbereich wird 7 Tage nach Publikationsdatum geschlossen.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.