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Karlsruhe Zeitreise in den Todesstreifen: Karlsruher entwickelt 3D-Online-Game

Geschichtsaufarbeitung einmal anders: Mit dem neuen Multiplayer-Online-Game "1378 km" können Computerspiel-Begeisterte ab kommenden Sonntag, dem 20. Jahrestag der deutschen Einheit, in das Grenzgebiet von DDR und BRD reisen und in die Rolle von Republikflüchtlingen und Soldaten schlüpfen. Entwickelt hat das Spiel Jens Stober, Student an der Hochschule für Gestaltung (HfG) in Karlsruhe.

Das Spiel, das der 24-Jährige Student der digitalen Medienkunst im Alleingang auf die Beine gestellt hat, entstand zunächst aus freien Stücken heraus. Stober hat keine Mühen gescheut und in den letzten elf Monaten eine detailgenaue Wiedergabe vom DDR-BRD-Grenzgebiet wiedergegeben. Am zeitintensivsten sei die aufwändige Recherche gewesen, berichtet Stober und freut sich, dass ihm das Spiel nun als Vordiplom angerechnet wird. Dabei ist der Spiele-Programmierer kein Anfänger, was "Serious Games" angeht. Der 24-Jährige hat das mit bislang 20.000 Downloads erfolgreiche Online-Spiel "Frontiers - An der Grenze Euopas"mitentwickelt.

In "1378 km" ist der Radius, in dem sich die Spieler bewegen zwar etwas kleiner, der Plot aber nicht minder originell gestrickt. Der Spieler agiert, entweder in der Rolle des Republikflüchtlings oder der des DDR-Grenzsoldaten auf einem zwei Quadratkilometer großen Areal  - immer auf der Hut vor dem Gegner versteht sich. Stober plant schon jetzt, das "Spielfeld" um weitere sechs Grenzposten - entlang des ehemaligen, 1378 km langen Grenzwalls - zu erweitern.

Eine Gradwanderung zwischen Entertainment und Ernst

Stober ist sich bewusst, dass sein Spiel Diskussionspotential birgt. Schließlich erinnert der Handlungsverlauf bei allen guten Absichten eben doch an die typischen Rollen- und Verhaltensmuster der so genannten "Killerspiele". "1378 km" diene jedoch nicht der Gewaltbereitschaft, betont Stober, bevor ihm noch vor dem offiziellen Startschuss ein schlechter Ruf anhaften kann. Das Spiel sei so konzipiert, dass mit stupidem Abknallen kein Weiterkommen erreicht werde. Vielmehr werde der Spieler durch die genau recherchierten Bilder und Abläufe für die deutsch-deutsche Geschichte sensibilisiert und mittels Sanktionen zu einer taktischen Spielweise angeleitet.

"Bei einer zu hohen Tötungsbilanz wird der Spieler mit einem virtuellen Gerichtsverfahren bestraft", erklärt der 24-Jährige das Prinzip seiner Entwicklung und ergänzt: "Bei allem darf aber auch der Spaß am Spiel nicht fehlen. PC-Spiele sind das Medium der Jugendlichen. Mit "1378 km" möchte ich die Geschichte des Geteilten Deutschlands für Jugendliche erlebbar machen." Dass diese Geschichte keine ohne Blutvergießen, Flucht und Verfolgung ist, ist auch im Spielverlauf von "1378 km" bestimmend.

"Kunst darf alles"

Also doch ein rauer Ego-Shooter - geschichtlicher Tiefgang und pädagogischer Zeigefinger hin oder her? Ansprechen möchte Stober,  nach eigenen Aussagen in erster Linie eben diese Zielgruppe. Und auch der zeitliche Aufhänger - eine "Reise ins Jahr 1976", dem Jahr mit den meisten Tötungen im Grenzgebiet, kommt nicht von Ungefähr.

Vielleicht wird man Jens Stober mit der ewig gleichen Debatte um das fragliche Gewaltpotential in PC-Spielen aber nicht gerecht, schließlich "darf Kunst alles", so der Student und betont: "Kunst geht ja bekanntlich viele Wege, gerade in den Medien."

Das Spiel steht ab dem, 3. Oktober, dem Tag der Deutschen Einheit, auf der Internetseitewww.1378km.de zum Download kostenlos zur Verfügung. Installiert werden muss lediglich eine Grundsoftware für 5 Euro. Genauere Infos zur Installation und ein Teaser können schon jetzt abgerufen werden.


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Kommentare (65)
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  • unbekannt
    (173 Beiträge)

    30.09.2010 07:39 Uhr
    Dieses Spiel ist gar nicht neu!
    Mein Mann erzählte mir gestern Abend das es in den Achziger Jahren ein solches Computerspiel, in dem DDR-Flüchtlinge abgeballert werden sollten, schon einmal gab!

    Außerdem möchte ich anmerken, dass ich über diese "Brot und Spiele" und "Laß sie doch machen, ist doch egal"-Haltung über dieses Spiel, hier im Kommentarbereich entsetzt bin!!

    Es ist eine Verhöhnung der Opfer der DDR!

    Hat hier irgendjemand, der sich für dieses sinnlose Spiel ausspricht, schon einmal Kontakt zu einem DDR-Flüchling oder einem ehemaligen Häftling der DDR gehabt?

    Wer etwas über die Geschichte des Unrechtstaates DDR erfahren möchte macht eine oder mehrere Reisen, und sucht den Kontakt mit den Menschen, die einem persönlich von den Greultaten dieser Regimetreuen Unmenschen erzählen, und setzt sich nicht vor den Computer und ballert sinnlos dumm rum.
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  • unbekannt
    (903 Beiträge)

    30.09.2010 01:47 Uhr
    Noch
    ein Gute Nacht Liedchen
    extra für alle die es brauchen können grinsen
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  • unbekannt
    (1 Beiträge)

    29.09.2010 22:58 Uhr
    Kunst: Ja oder nein?
    Natürlich ist ein Computerspiel ein Stück Kunst. Auch Film und Fotografie mussten um diesen Status kämpfen. Auch ein Blick ins Grundgesetz würde helfen:
    http://politur.wordpress.com/2010/09/29/die-kunst-ist-frei-auch-wenn-sie-digital-ist/
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  • unbekannt
    (29986 Beiträge)

    30.09.2010 00:49 Uhr
    Das lässt
    sich nicht bewerten.

    Wenn ich ein Glas an die Wand schmeisse ist es kaputt, wenn Beuys ein Glas an die Wand geschmissen hätte, hätten mindestens 1000 Leute aberwitzige Summen für die Scherben bezahlt.

    Kunst ist viel, aber manchmal auch gar nichts.

    Ein PC-Spiel zu programmieren ist schlichtes Handwerk, man muss es zwar können (ich kanns net), aber was soll daran Kunst sein? Es ist eine Routinearbeit und im vorliegenden Fall noch nichtmal eine einfallsreiche. Eher äusserst fragwürdig. Vor allem deshalb, weil die Spielzielgruppe von der Realität die dahintersteckt so gut wie nichts weiss.
    Wieviel 40+ spielen solche albernen Spiele oder überhaupt Computerspiele? Falls mir einer antwortet hoffe ich, dass die Antwort mein Weltbild nicht ins Wanken bringt. Wo doch alle nur schaffen, sich nichts mehr leisten können, mit ihren Hunden spazieren gehen und für die Intelligenz der Menschen kämpfen.
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  • unbekannt
    (903 Beiträge)

    30.09.2010 01:17 Uhr
    hetfield und Glas
    Wenn ein Mann einen anderen erschlägt ist das ein Unterschied zu einem Bild auf dem ein Mann zu sehen ist der einen Mann erschlägt. Das Bild könnte Kunst sein, aber um das zu sein gehört auch noch mehr dazu als etwas mit anderen Mitteln zu zeigen. Wenn ein Kind z.B. ein schlimmes Erlebnis malt, dann ist das nicht gleich Kunst, sondern das was mit Sprache (verbal) nicht geht.

    Wenn das Burschi das dies Spiel entwickelt hat Künstler werden will, dann hat es (das Burschi) die nachfolgenden Reaktionen eingeplant und auch schon eine Spielgrundlage dafür hergestellt.
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  • unbekannt
    (29986 Beiträge)

    30.09.2010 01:21 Uhr
    Was ist denn
    das jetzt wieder für ein Gelaber? Irgendso ein freudianischer Schwachsinn?

    Oh mann, ich geh ins Bett...
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  • unbekannt
    (903 Beiträge)

    30.09.2010 01:28 Uhr
    hauptsache
    andere Leute verstehen was ich sage. Von hetfield erwartet man sowieso nur blöde Anmache.
    Jo, geh ins Bett, träume süss --- und sach nich immer mann zu mir.
    "freudianisch" ist ein klasse Wort grinsen ich glaabs ah, dass freuen bei dir zu Schwachsinn zählt. grinsen
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  • unbekannt
    (903 Beiträge)

    30.09.2010 00:43 Uhr
    Wie
    immer wenn Artikel 5 GG angesprochen wird sollte man nicht vergessen, dass dort unter (2) steht: Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre.
    Mal sehen, was aus der Diskussion wird. Immerhin soll ein Spieler sich auch in die Rolle des Flüchtlings versetzen können.
    Wenn das reale Leben so brutal ist oder war, dann muss man zuerst einmal auf das reale Leben schauen und Möglichkeiten zur Verbesserung von Gegenwehr geben.
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  •   runsiter
    (11986 Beiträge)

    29.09.2010 21:28 Uhr
    Source
    Sowas ähnliches gab es schon mal. Da ging es um die Flüchtlinge aus Afrika, die in Gibraltar über die Grenze ins gelobte Land wollen.
    Es basierte auf der Source Engine. Ist das bei Spiel genauso?
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  • unbekannt
    (903 Beiträge)

    29.09.2010 19:58 Uhr
    jedenfalls
    gibt es jetzt erst mal Diskussionen darüber

    Wird das widerwärtige DDR-Ballerspiel verboten?
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