Karlsruhe/Burundi "Yambu!" oder: Wie lebt es sich eigentlich in Burundi, Herr Ziser?

Vor sieben Jahren ging der Journalist Philipp Ziser das erste Mal als Freiwilliger nach Burundi, um dort ehrenamtlich für die Hilfsorganisation burundikids e.V. der Fondation Stamm zu arbeiten - seitdem hat ihn das ostafrikanische Land nicht mehr losgelassen. Heute leitet er die Kommunikation und ist Personalchef der Organisation. Außerdem hat er ein Buch über seine Zeit in Ostafrika geschrieben. Im Interview mit ka-news-Redakteur Felix Neubüser spricht er über den Alltag in Burundi und warum auch in Deutschland überall ein Stück Burundi zu finden ist.

Hallo Herr Ziser - oder sollte ich besser "Yambu!" sagen?

Unter Deutschen wohl eher unüblich (lacht). Aber in Burundi ist das die übliche Begrüßung, ja.

Ich gebe zu, ich habe erst nachschlagen müssen, dass "Yambu!" "Hallo" heißt. Sie haben Ihr Buch so genannt. Worum geht es in dem Buch?

"Yambu!" erschien mir einfach gut, kurz und knackig für einen Titel. Außerdem ist es eine Willkommens- und Grußformel, sie strahlt Offenheit aus - genauso wie die burundische Gastfreundschaft. Das Buch basiert auf meinen Tagebucheinträgen aus 2006 und Anfang 2007, als ich zum ersten Mal meinen Fuß auf burundischen Boden setzte. Es beschreibt detailliert die Eindrücke, Erlebnisse, die Fremdheit, teilweise Vorurteile und das Abenteuer eines jungen Freiwilligen, der das Wagnis Freiwilligendienst in Afrika eingeht.

Das Blog, das ich damals zu schreiben begann, war ursprünglich nur als Kontaktfenster für Familie und Freunde gedacht, die ich nicht mit Rundmails nerven wollte. Ich begann, dort meine Eindrücke und Erlebnisse detailliert festzuhalten. Es dauerte nicht lange, da stieß das Blog auf mehr und mehr Interesse, die Leserschaft vergrößerte sich enorm. Ich denke, dass sich viele Freiwillige und ehemalige Freiwillige darin wiedererkennen, ganz egal wo sie in der Welt unterwegs waren.

Damals, 2006, sind Sie zunächst für ein Jahr befristet und auf ehrenamtlicher Basis nach Burundi gegangen. Was hat Sie damals in das ostafrikanische Land gezogen?

Dass ich letztendlich in Burundi gelandet war, war schlichtweg Zufall. Ich hatte in Karlsruhe bereits als Journalist gearbeitet und währenddessen studiert. Nach meinem Abschluss wollte ich für ein Jahr in den Dienst einer Hilfsorganisation treten und mein Können einbringen - in Bezug auf Öffentlichkeitsarbeit, Fundraising und so weiter. Der beste Kontakt bestand zu dem Zeitpunkt zum ehrenamtlichen Verein burundikids e.V. Und der war und ist ausschließlich in Burundi aktiv, mit der "Fondation Stamm" als Partner vor Ort. Diese lokale Organisation wird von einer deutschen Krankenschwester, Verena Stamm, geleitet, die schon über 40 Jahre in Burundi lebt. Auch das war ein Grund, der die Entscheidung für Burundi positiv beeinflusste, ebenso wie die Entscheidung, nochmals zwei Jahre ehrenamtlich zu verlängern. Ihre Erlebnisse habe ich übrigens auch in das Buch einzufließen lassen versucht. Unglaublich, was diese Frau erlebt hat!

Danach sind Sie immer wieder nach Burundi zurückgekehrt und arbeiten inzwischen hauptamtlich als Leiter Kommunikation und Personalchef der Fondation Stamm in Burundi. Wie läuft ein typischer Tag in Ihrem Leben in Burundi ab?

Einen typischen Alltag habe ich nicht. Das macht es spannend. Natürlich gibt es bestimmte Dinge, die Routine werden und sich wiederholen. Die Vielzahl der Projekte, die wir täglich stemmen, macht die Arbeit für jeden von uns, das heißt Verena Stamm, die 170 burundischen Mitarbeiter und mich, zu einer vielfältigen Herausforderung.

Wir bauen und führen Schulen, bilden in Berufen aus, leiten ein kleines Krankenhaus, betreiben Zentren für Straßenkinder und Opfer sexueller Gewalt. Da geht die Arbeit nicht aus, Langeweile im Job ist ein Fremdwort. Privat ist es natürlich schon eher etwas routinierter, aber nicht weniger spannend, auch nicht im siebten Jahr. Man freut sich, abends nach Hause zur Frau zu kommen, geht bei Bäcker und Metzger einkaufen und trifft sich gelegentlich mit Freunden aus aller Welt.

Sie könnten in Deutschland sicher ein bequemeres Leben führen. Warum ist die Arbeit in Burundi für Sie so wichtig?

Das ist wohl war. Als mein erstes Jahr 2007 zu Ende ging, hatte ich rückblickend einiges erreichen können. Ich hatte damals in einem der Waisenhäuser der Fondation Stamm gewohnt und demnach täglich vor Augen, für wen ich all das tue, was ich tue. Das ist natürlich die größtmögliche Motivation. Das hat mich die Entscheidung treffen lassen, weiterzumachen.

Dieses Gefühl weitete sich nach und nach auf die anderen Projekte aus: die vielen Patienten, die in unserem Krankenhaus versorgt werden können, die 900 Mädchen und Jungen, die unsere Schule besuchen, all die Kinder, die in unseren Zentren Unterschlupf finden. Natürlich war ich aber dann nach drei Jahren full-time-Ehrenamt an meinen Grenzen angelangt und musste auch ans Geldverdienen denken.

Ich sage nicht, dass jeder seine ganze Arbeit, vielleicht sein Leben vollständig etwas Menschlichem widmen soll. Aber ein kleines Stückchen sollte man vielleicht doch an andere denken. Nicht unbedingt in Burundi. Aber vielleicht hat die alte Nachbarin Schwierigkeiten, ihren Einkauf die Treppe hinaufzutragen, das Kind der Einwandererfamilie Probleme beim Deutschlernen, die Kinderkrippe nicht genügend Helfer oder Spielsachen. Wenn jeder ein wenig seine Augen öffnen und weniger Egoismus an den Tag legen würde, wäre dann nicht das Leben für alle ein wenig angenehmer und, vor allem, sinnvoller?

Philipp Ziser, "Yambu! Das Burundi-Tagebuch", erschienen bei BloggingBooks, 192 Seiten, 24,80 Euro.

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