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Karlsruhe Wohnungsnot in Baden-Württemberg: Mehr Obdachlose auch in Karlsruhe

Wohnraum in den begehrten Südwest-Städten ist knapp, der Bedarf riesig. Wer ohnehin am Existenzminimum lebt oder in Not gerät, kann die Mieten nicht bezahlen und landet schlimmstenfalls auf der Straße. Das trifft zunehmend auch Familien.

Wegen der Wohnungsnot in begehrten Regionen Baden-Württembergs sind dort immer mehr Menschen obdachlos.

Karlsruhe: Anstieg im 3 Prozent

In Karlsruhe melden sich seit Jahren um die 60 Familien pro Monat, die Obdach suchen und kurzfristig um Unterkunft bitten. Im Jahr 2012 waren es durchschnittlich nur 20 Familien pro Monat. Ihr Anteil an der Gesamtzahl Obdachloser - in Karlsruhe gibt es rund 600 Plätze - stieg in der Fächerstadt von 13 Prozent im Jahr 2017 auf 16 Prozent im Jahr 2018. Niemand werde abgewiesen, betont die Stadt.

In Stuttgart habe sich vor allem die Zahl der von Wohnungslosigkeit betroffenen Familien in den letzten zehn Jahren vervielfacht, sagte ein Stadtsprecher. Da "normaler" Wohnraum im Anschluss an die Notunterkunft nicht zu bekommen sei, habe sich die Zeit, die die Betroffenen in Unterkünften verbringen, verlängert. Eigentlich sind die Angebote nur für den Notfall gedacht. Aktuell sind in der Stadt derzeit rund 4.200 obdachlose Menschen untergebracht.

Kommunaler Orndungsdionste KOD
Das Hab und Gut eines Obdachlosen im Vorraum einer Bank beim Übernachten. (Archivbild) | Bild: TMC|Carmele Fotografie

In Freiburg wurde Ende vergangenen Jahres nach Worten eines Stadtsprechers ein speziell für Familien eingerichtetes Wohnheim mit 90 Plätzen eröffnet. Die Stadt reagiere damit auf den gleichbleibend hohen Bedarf dieser Klientel. Auch die Nachfrage einzelner Wohnungsloser steige weiter an - allerdings weniger stark als in den Jahren 2016 und 2017.

Zusätzlich mache der Stadt inzwischen ein anderes Phänomen zu schaffen: Menschen, die sich zwar in Lohn und Brot, jedoch mit geringem Verdienst in prekären Arbeitsverhältnissen befinden, nutzten zunehmend Angebote für Wohnungslose. Da diese Menschen zwar in Freiburg Arbeit hätten, dort aber niemals eine Wohnung fänden, seien sie auf diese Form der Unterbringung angewiesen. "Das ist schon besorgniserregend", sagte der Sprecher. Die Fluktuation innerhalb dieser Personengruppe sei hoch, genaue Zahlen gebe es nicht.

Mangel an bezahlbarem Wohnraum

 

"Das Thema "obdachlose Familien" treibt Stadt- und Landkreise deutlich um", sagte dazu David Schmückle, beim Kommunalverband für Jugend und Soziales (KVJS) zuständig für den Bereich Sozialplanung. Im Rahmen eines landesweiten Fachkonzeptes des Landes zur Bekämpfung von Obdachlosigkeit sollten in den kommenden ein bis zwei Jahren Empfehlungen auch für diese Betroffenengruppe erarbeitet werden.

"Der Mangel an bezahlbarem Wohnraum verursacht und verfestigt Wohnungslosigkeit", stellte die Liga der freien Wohlfahrtspflege in Baden-Württemberg (LIGA) in ihrer letzten Stichtagserhebung 2018 fest. Eine vom Sozialministerium in Auftrag gegebene Studie aus dem Jahr 2014 bezifferte die Zahl wohnungsloser Menschen auf rund 22.800. Wie sich die Zahl seitdem entwickelte, sei nicht bekannt, so das Sozialministerium. Inzwischen habe der Bund beschlossen, eine bundeseinheitliche Wohnungsnotfallstatistik zu verfassen.

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Kommentare (17)
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  •   Maverick
    (200 Beiträge)

    19.01.2020 17:16 Uhr
    Ohne "unsere" Volkswohnung.......
    wäre die Lage um einiges prekärer. Zum Glück hat man die stadteigene Wohnungsgesellschaft nicht verscherbelt, wie andere Städte dies getan haben.

    Rathaus-West, Erdgeschoss, rechter Gang, ganz hinten am Ende. Geht hin, und schaut euch an was sich dort täglich für Szenen abspielen, und wer dort Hilfe ersucht.

    Gesamtkonzept Wohnungslosenhilfe ´97 Elfter Sachstandsbericht 2019
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  •   kritiker_2014
    (375 Beiträge)

    19.01.2020 12:58 Uhr
    Vor kurzem hat Der OB Tübingen
    Herr Palmer sinngemäß gesagt,ich bin verpflichtet für Flüchtlinge eine Unterkunft zu sorgen,
    ich bin nicht verpflichtet für die hier schon länger lebenden Mitbürger für eine Unterkunft zu sorgen.
    Das ist bezeichnend und zugleich beschämend für die Politik in Deutschland.
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  •   Route66
    (2042 Beiträge)

    18.01.2020 11:45 Uhr
    Landratsamtareal
    Mitmenschlich denken und auf dem Areal für eben diese Menschen Wohnraum schaffen? Nicht lange ausdiskutieren und schwätzen sondern einfach mal nur machen. Es kann jeden von uns treffen, keiner weiß in welche Situation er noch in seinem gut durchgeplanten Leben kommt.

    Und wenn jetzt jemand wegen der Kosten kommt: in Karlsruhe gibt es genug Geld für jeden Sche...
    Menschen zuerst!
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  •   dipfele
    (5687 Beiträge)

    19.01.2020 16:34 Uhr
    Für den Umbau....
    … der völlig intakten Kaiserstrasse wollen die Gemeinderäte/innen 40 Mio ausgeben. Im Wahlkampf hatten alle auf ihr soziales Engagement hingewiesen. In der Realität sieht es anders aus. 40 Mio für Schnick Schnack und Null für Wohnungslose. 6000 Kitaplätze fehlen auch.
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  •   Robert1959
    (1980 Beiträge)

    18.01.2020 12:16 Uhr
    Gute Idee!
    Aber die Wirklichkeit sieht anders aus! Unsere Stadt baut nicht und schiebt alles der Volkswohnung zu- Diese Wohnungen sind auch für Obdachlosen zu teuer! Vor 30 Jahren gab es einmal Wohngeld, die einem dies ermöglichte. Dann wurde das Wohngeld fast 20 Jahre eingefroren und pendelt jetzt auf geringem Niveau herum.
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  •   Route66
    (2042 Beiträge)

    18.01.2020 12:59 Uhr
    Dann soll
    sich die Stadt bei der VoWo dafür stark machen.
    Das ist etwas was oberste Priorität hat in unserer Gesellschaft.
    Prestigeobjekte für Möchtegernmanager sind unwichtig.
    Aber die Menschen die obdachlos werden haben keine Lobby.
    Hier müsste auch die Presse täglich berichten, so lange bis es beim Letzten, vor allem bei einer Volkswohnung etc. angekommen ist.
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  •   ALFPFIN
    (7025 Beiträge)

    18.01.2020 13:31 Uhr
    "Soll sich die Stadt bei der Vowo stark machen"
    Noch immer und das seit bald 100 Jahren ist die Vowo ein Unternehmen der Stadt.
    Im Aufsichtsrat der Vowo sitzen
    Marc Bernhard (MdB), AfD; Stadtrat Michael Borner, GRÜNE (stellvertretender Vorsitzender)
    Rudolf Bürgel, DIE LINKE; Stadtrat Dr. Clemens Cremer, GRÜNE; Margot Döring, KAL/Die PARTEI
    Stadtrat Anton Huber, SPD; Stadtrat Karl-Heinz Jooß, FDP; Stadträtin Bettina Meier-Augenstein, CDU
    Stadtrat Tilman Pfannkuch, CDU; Anne Segor, GRÜNE

    Stark machen?, wer wenn nicht der Stadtrat.
    Derzeit wird für den Kauf von Eigentumswohnungen, die geplant sind oder schon gebaut wurden von der Vowo geworben, bis zu 370.000 Euro Kaufpreis.
    Wohnungen für Bedürftige? Vielleicht ein paar wenige, und schon gar keine für Menschen, die auf der Straße leben. Vor 95 Jahren war das aber genau der Gründungsgrund der Vowo Genossenschaft,
    Menschen mit geringen Einkommen Wohnraum zu geben und das galt auch für Jahrzehnte.
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  •   Robert1959
    (1980 Beiträge)

    18.01.2020 14:26 Uhr
    Und gerade da liegt das Problem!
    Der Gemeinderat hat überhaupt nichts zu sagen! Diese 25% Aufsichtsratsmitglieder sind unabhängig und haben vielleicht noch nie ihre Funktion wahrgenommen und das sehe ich bei allen Ausgliederungen so, einschließlich der Schulden!
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  •   ALFPFIN
    (7025 Beiträge)

    18.01.2020 14:56 Uhr
    Stadträte/Gemeinderäte haben schon etwas zu sagen.
    Der Stadtrat ist die politische Vertretung der Bürgerinnen und Bürger. Die Stadtratsmitglieder entscheiden über die Entwicklung der Gemeinde wie etwa Investitionen in öffentliche Projekte (z. B. Bau- und Sanierungsarbeiten, Umbaumaßnahmen an Schulen, Bibliotheken, Kindergärten, Hallenbäder, Sportplätze
    und noch etliches, was ansteht. Dabei sind sie auch in Entscheidungen über die stadteigenen Betriebe wie die Vowo eingebunden. Wer hat wohl die Kombi absegnen müssen. Die gefällten Entscheidungen werden von der Verwaltung dann umgesetzt. Wenn man das Amt des Aufsichtsrates annimmt, muss man es auch ausüben. Wenn dieses Amt sich mit den Aufgaben eines Stadtrates nicht vereinbaren lassen, nämlich zum Beispiel Einspruch zu erheben gegen den Bau von Wohnungen der oberen Preisklasse, statt mehr Wohnungen für Geringverdiener zu bauen, muss man eben das Amt des Aufsichtsrats ablehnen.
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  •   dipfele
    (5687 Beiträge)

    19.01.2020 16:39 Uhr
    Die Damen und Herren....
    Gemeinderäte/Aufsichtsräte könnten, sozial gedacht, auch die 40 Mio für den Umbau der intakten Kaiserstrasse, das Geld in den Wohnungsbau stecken.
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