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Karlsruhe Wenn der Fahrscheinkauf zum Umweg wird: Kritiker sehen beim Verkauf des "BW-Tickets" noch Verbesserungs-Bedarf

Seit Anfang Dezember 2018 steht in Baden-Württemberg die neue ÖPNV-Fahrkarte zur Verfügung. Die Tickets zum vergünstigten "BW-Ticket" sind aktuell allerdings nur an Automaten der Deutschen Bahn oder online zu erwerben. Politik und Fahrgastverbund fordern eine Erweiterung des Vertriebes. Ist das in der Zukunft umsetzbar?

Mit dem neuen "BW-Ticket" können Fahrgäste mit nur einem Ticket Verbindungen aller 22 Verkehrsverbünde in Baden-Württemberg nutzen. Das Problem in Karlsruhe momentan ist, dass es diese Tickets nur online, in Reisezentren am Hauptbahnhof und Bahnhof Durlach und an Automaten der Deutschen Bahn zu kaufen gibt. 

Fahrkarten-Automaten
An Automaten der Deutschen Bahn können die Fahrkarten des neuen bwtarifs gezogen werden. | Bild: Wolfgang Kumm/Archiv

Und diese Automaten stehen nicht an jeder Haltestelle, an der ein Fahrgast seine Reise beginnen möchte. Lediglich an den größeren Haltestellen, an denen Züge der Deutschen Bahn verkehren: Am Karlsruher Hauptbahnhof stehen mehrere zur Verfügung, ebenso gibt es welche am Albtalbahnhof, dem Hagsfelder Bahnhof, am Westbahnhof, in Knielingen, in Mühlburg und am Durlacher Bahnhof. 

Die fehlende Kaufmöglichkeit sorgt bei manchen Beteiligten für Sorgenfalten. "Für uns ist dies besonders ärgerlich, denn wir wollen mehr Fahrgäste für den öffentlichen Verkehr gewinnen", kommentiert Gerhard Stolz, Vorsitzender des regionalen Fahrgastverbandes Mittlerer Oberrhein das Problem. 

Gerhard Stolz, Vorsitzender des regionalen Fahrgastverbandes Mittlerer Oberrhein
Gerhard Stolz, Vorsitzender des regionalen Fahrgastverbandes Mittlerer Oberrhein. | Bild: privat

Grünen kritisieren fehlende Kaufmöglichkeit

Auch die Grünen-Gemeinderatsfraktion ist mit der aktuellen Situation nicht zufrieden. Sie richten sich nun in einem Schreiben an den Oberbürgermeister Frank Mentrup. "Es ist den Karlsruher ÖPNV-Fahrgästen nicht vermittelbar, dass sie für eine Fahrt aus dem Gebiet des Karlsruher-Verkehrsverbunds (KVV) heraus einen Umweg und Kosten für einen zusätzlichen Fahrschein zum Hauptbahnhof auf sich nehmen müssen." Die Fraktion dringt auf eine zeitnahe Lösung, heißt es von den Grünen in einer Mitteilung an die Medien.  

Regionalbahn
Auch für Fahrten mit der S-Bahn berechtigt das neue Ticket zum bwtarif. | Bild: pixabay.com@hpgruesen

Doch zu einer Umstellung der aller Fahrkarten-Automaten in Karlsruhe wird es in nächster Zeit wohl nicht kommen: "Der Aufwand wäre schlicht zu groß. Es wären immense Kosten und eine Finanzierung wäre ebenfalls noch nicht geklärt", gibt Sarah Fricke, Sprecherin der Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG), zu Bedenken.

Das ist aber nicht der einzige Grund: "Es handelt sich um einen Eisenbahntarif, dieser ist eben nur an Haltestellen entlang der Eisenbahnstrecke erhältlich", begründet Fricke gegenüber ka-news. Außerdem: "Die Tickets können schon im Vorfeld einer Reise gekauft werden", erklärt sie weiter. Möglich sei hier der Kauf per Smartphone oder Computer.

Schwerpunkt des Verkaufs liegt auf E-Tickets

Diese Möglichkeit wird laut Verantwortlichen stark nachgefragt: "Ein sehr großer Teil der Fahrgäste kauft den "bwtarif" als E-Ticket, welches natürlich überall erhältlich ist", erklärt Lydia Tolksdorf, Assistenz der Geschäftsführung der neu gegründeten "bwtarif"-Gesellschaft.

Fahrgäste, die Probleme mit dem Kauf des Tickets haben, gäbe es kaum. Laut der "bwtarif"-Gesellschaft gingen bisher kaum Beschwerden ein. "Lediglich der Wunsch, dass der Vertrieb bald erweitert werden solle, wurde oft geäußert", sagt Lydia Tolksdorf. Wie genau das aussehen könnte, lässt sie aber offen.

Mehr zum Thema:  

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  •   vordprefect
    (89 Beiträge)

    13.02.2019 18:09 Uhr
    Ganz lustig wirds bei ticket2go..
    Die App kann den bw-tarif nicht. Nix mit Verkehrsverbund übergreifenden einfachen Berechnung des Tickets. Kannst nur noch innerhalb EINES Verkerhsverbundes nutzen.

    https://loemobil.wordpress.com/2018/12/07/ticket2go-app-gilt-ab-09-12-2018-nicht-mehr-fuer-verbunduebergeifende-fahrten/
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  •   kommentar4711
    (2138 Beiträge)

    12.02.2019 20:47 Uhr
    Soso
    Soso, die Grünen kritisieren. Wer hat das ganze ins Leben gerufen und hat die Verantwortung für das Gesamtprojekt? Vielleicht etwa das Grüne Verkehrsministerium???
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  •   BMWFahrer
    (179 Beiträge)

    12.02.2019 19:32 Uhr
    Was ist mit den neuen Automaten, die ABELLIO aufstellen wird?
    siehe hier

    Kennen die den BW-Tarif? Der Artikel geht darauf leider nicht ein.
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  •   dipfele
    (5094 Beiträge)

    13.02.2019 11:23 Uhr
    Wichtig ist das einheitliche....
    … Design. Dazu kommt, das sich jetzt normalwüchsige Menschen leicht einen Bandscheibenschaden zum vereinfachten Tarif am unübersichtlich zu bedienenden Tableau holen können.
    Unverschämt ist die Forderung der Verantwortlichen, seine Fahrkarte per App zu kaufen. Extra ein elektronisches Gerät für mehrere hundert Euro vorzuhalten ist Zuviel verlangt.
    Dem VM Hermann ist sicherlich der verunglückte Landestarif nicht anzuhängen, schuld sind seine Bürokraten, die offensichtlich nur Dienstwagen fahren oder günstigsten falls dauer- Netzkarten haben.
    In den meisten Fällen dürfte die BW Tagesnetzkarte am Günstigsten sein.
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  •   Route66
    (1645 Beiträge)

    13.02.2019 17:03 Uhr
    Handy
    Es gibt ja noch genug ältere Menschen, die a) kein Smartphone besitzen und deren Rente vllt. dafür nicht reicht, b) überfordert sind mit dem ganzen app-zeugs und c)trotzdem auf die Bahnen angewiesen sind. Aber was muss man auf diese Menschen Rücksicht nehmen, reicht doch wenn die Jugend zig apps für alles drauf hat.
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  •   maehdrescher
    (1002 Beiträge)

    12.02.2019 18:43 Uhr
    Mogelpackung des grünen Verkehrsministers
    Die angebliche Verbesserung hat in Wahrheit den Fahrkartenkauf verkompliziert. Wer die Leute für den öffentlichen Nahverkehr begeistern will, muss das "Drumherum" wie Fahrkartenkauf oder Fahrplanauskunft so einfach wie möglich gestalten.

    Dass die Automaten der Verkehrsverbünde nicht mit dem neuen Tarif "gefüttert" wurden, ist ein absoluter Geburtsfehler dieses BW-Tarifs.

    Setzen, Note 6!
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  •   andip
    (9403 Beiträge)

    13.02.2019 11:59 Uhr
    Aha
    Der Verkehrsminister hat also dieses Durcheinander befohlen?
    Oder liegt die Schuld vielleicht doch an der DB und den Verkehrsverbünden, die das nicht gebacken bekommen, alles unter einen Hut zu kriegen.
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  •   Greif
    (1514 Beiträge)

    13.02.2019 16:43 Uhr
    Wer hat denn beschlossen
    den Landestarif nicht auf einen Schlag, sondern stufenweise mit einer mittelprächtig sinnvollen Zwischenstufe einzuführen, weil er es bis zum angekündigten Einführungstermin nicht gebacken bekommen hat?
    Die Verbünde? Oder vielleicht doch das Verkehrsministerium in St***g***?
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  •   andip
    (9403 Beiträge)

    14.02.2019 09:22 Uhr
    Könnte es vielleicht sein
    dass die Verbünde darum gebeten haben, eben weil sie es nicht so schnell alles auf einmal hinbekommen, und man ihnen dann den Gefallen gewährt hat?
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  •   Greif
    (1514 Beiträge)

    14.02.2019 13:34 Uhr
    Mit den Verbünden...
    hat das VM sowieso erst gesprochen als alles zu spät war - Ziel war ja ein Tarif, der dort gelten sollte, wo die Verbünde nichts zu sagen haben.

    Man hat in Stg irgendwann festgestellt, dass ja die NVBW nicht der einzige Aufgabenträger für Nahverkehr ist, sondern - insbesondere im Busbereich - die Kommunen und Kreise betroffen sind; und dass man sich keine Gedanken gemacht hat, wie man mit zu erwartenden Einnahmeausfällen bei laufenden Verkehrsverträgen umgeht (auch weil sowohl Brutto- als auch Nettoverträge betroffen sind).
    Und als man dann auch mal mit den Verkehrsunternehmen gesprochen hat, hat man festgestellt, dass derzeit über 4.500 (in Worten: viertausendfünfhundert) Busse nicht mit einem Fahrscheindrucker ausgestattet sind, der Fahrkarten auch zu nicht ganz geläufigen Orten in BW verkaufen kann. Und diese Stückzahl auf die Kürze zu bekommen, würde spannend und teuer.

    Da hat es keinen einzigen Verbund gebraucht, damit die Zeitschiene nicht klappt!
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