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Karlsruhe Wenn Frauen ihre Männer schlagen - Anti-Gewalt-Training in Karlsruhe

153 Mal wurde die Karlsruher Polizei im Jahr 2011 wegen häuslicher Gewalt gerufen. Bei den teils handgreiflichen Streitereien zwischen Ehemann und Ehefrau oder zwischen Lebenspartnern waren aber nicht immer nur die Männer die Täter. Wegen steigender Nachfrage hat der Karlsruher Verein für Jugendhilfe nun eine Anti-Gewalt-Beratung für Frauen eingerichtet. Auch ein Anti-Gewalt-Training soll angeboten werden.

Häusliche Gewalt oder Partner-Gewalt ist auch in Karlsruhe ein Thema. Im Bewusstsein der Bevölkerung ist dabei der Mann meist der Täter. Der Verein für Jugendhilfe Karlsruhe bietet daher bereits seit fast zehn Jahren ein Hilfsprogramm für gewaltbereite Männer in Partnerschaften. 2001 hatte der Gemeinderat diese Beratungsstelle beschlossen, seit 2003 leitet diese der Jugendhilfeverein mit bis zu vier Anti-Gewalt-Trainings pro Jahr mit zirka 80 Teilnehmern.

Neue Beratungsstelle für straffällige Frauen

Immer wieder fanden dabei auch Frauen den Weg zur Anti-Gewalt-Beratung, weiß Hans Kowatsch, Fachbereichsleiter Straffälligenhilfe im Verein für Jugendhilfe. Und diese kamen nicht nur als Opfer, sondern auch als Täterinnen der häuslichen Gewalt. Die auf Männer ausgerichtete Hilfe war dabei nicht hinreichend für Frauen. "Wir haben daher beschlossen, dass wir eine Beratungsstelle für gewalttätige Frauen brauchen", so Kowatsch bei der Vorstellung des neuen Angebots.

Auch die Stadt Karlsruhe sah den Bedarf. "Wir haben deshalb eine Konzeption aufgesetzt. Diese ist wie bei den Männern, aber mit geringen Änderungen", ergänzt Hans-Peter Menke, der seit Jahren als Konfliktberater tätig ist und die Anti-Aggressionstrainings leitet. Eine Viertel-Stelle wurde vom Gemeinderat daraufhin bewilligt, die seit Juli von Anja Pfettscher betreut wird. "Der Bedarf ist ganz schwer auszumachen", sagt sie. "Wir betreten absolutes Neuland." Seit Anfang Juli riefen drei Frauen an, die Pfettschers Hilfe in Anspruch genommen hat, eine Frau fand bereits den Weg in die Beratungsstelle.

Hier klärt Pfettscher die Situation, auch ob eine und welche Beratung für die Frau in Frage kommt. Neben Einzelberatungen gibt es auch Gruppengespräche. Für Herbst ist dann das erste Anti-Gewalt-Training nur für Frauen geplant. Sechs gewaltbereite Frauen treffen sich hier an 16 Abenden für 3,5-stündige Einheiten. Der Verein für Jugendhilfe profitiert dabei von den Erfahrungen, die man in den Trainings mit den Männern gesammelt hat. Die Kosten der Maßnahme übernimmt die Stadt Karlsruhe. Im Training selbst soll den Teilnehmerinnen ein Konfliktlösungsmodell vorgestellt werden, zudem werden sie mit dem Geschehenen konfrontiert.

Frauen kommen oft aus eigenem Antrieb zur Beratung

"80 Prozent der Teilnehmer berichten von Gewalterfahrungen an sich selbst, das ist wohl auch so bei den Frauen", weiß Menke. Diesen Lauf wollen die Spezialisten unterbrechen. Bei der häuslichen Gewalt gibt es jedoch einen Unterschied zwischen Frau und Mann. Oft sei die Gewalt von Frauen reaktionär auf den Mann. "Die Frauen schämen sich dann oft als Täter und melden sich", so die Spezialisten des Vereins. Die Gewalt verläuft dabei auf anderen Ebenen und ist nicht so heftig. Allerdings gebe es auch Fälle, bei denen Männer genäht werden müssten, nachdem ihm die Frau einen Aschenbecher ins Gesicht geschlagen hat. "Frauen werfen auch oft mit Gegenständen oder bewaffnen sich beispielsweise mit einer Nagelschere", so Kowatsch. Solche Frauen kommen dann oft aus eigenem Antrieb zur Anti-Gewalt-Beratung. 

"Wenn eine Betroffene ein Thema oder eine Frage hat, soll sie zur Beratung kommen. In einem Clearing-Gespräch schauen wir dann, wie wir mit dem Fall umgehen", so Pfettscher weiter. Erreichbar ist die Sozialpädagogin jeweils montags von 10 bis 12 Uhr unter der Telefonnummer 0721-50904-50. Unter der E-Mailadresse anja.pfettscher@vfj-ka.de ist sie ebenfalls zu erreichen. Weitere Informationen vom Verein für Jugendhilfe gibt es hier.

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  •   766ziegler
    (138 Beiträge)

    22.10.2013 13:23 Uhr
    schläge...
    ich wurde als kind viel geschlagen, von einer frau, die mutter, im heim auch von frauen und auch hatte mich meine ex-frau auch gschlagen, ich komme immer noch nicht klar damit!
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  •   andip
    (9871 Beiträge)

    01.08.2013 11:58 Uhr
    Tja
    Geschlagene Männer sind immer die Dummen.
    Denn wenn sie das anzeigen würden,würde ihnen doch keiner glauben.Eher im Gegenteil,man würde ihnen unterstellen,angefangen zu haben.
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  •   haku
    (4100 Beiträge)

    01.08.2013 13:18 Uhr
    Kann man so nicht sagen
    Durch - meiner und auch vieler anderer - Meinung nach wurde meine (jetzt) Ex-Faru immer unbeherrschter und neigte bei Wahnvorstellungen über mich zu Angriffen auf mich. Ein paar Mal wurde es zuviel - da waren noch zwei kleine Kinder... - und ich rief die Polizei. Zwei Mal verbrachte sie die Nacht in Polizeigewahrsam. Als es irgendwann dann nicht mehr ging, weil sie völlig uneinsichtig in ihre psychischen Probleme war und ich die Scheidung einreichte, war eigentlich immer klar, was passiert war. Auch wenn sie sich, wie ich dabei erfuhr, zweimal Atteste besorgt hatte, nachdem ich sie doch sehr kräftig festhalten musste und sie Blutergüsse an den Armen hatte, wurde ihr nicht geglaubt dass ich der Angreifer war. Aus der gemeinsamen Wohnung klagen und alleiniges Aufenthaltsbestimmungsrecht einklagen dauerte etwas, war vom Ergebnis her aber nie gefährdet. Und ich habe nie von jemandem dumme Bemerkungen zu hören bekommen.
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  •   haku
    (4100 Beiträge)

    01.08.2013 13:40 Uhr
    Da ging am Anfang was verquer
    Durch - meiner und auch vieler anderer Meinung nach - krankhafte psychische Veränderungen wurde meine (jetzt) Ex-Frau immer unbeherrschter...
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  • unbekannt
    (156 Beiträge)

    01.08.2013 15:12 Uhr
    Beileid, das kenne ich irgendwoher
    ohne Behandlung hilft nur die Trennung.
    Habe aber auch die Erfahrung gemacht, daß die Polizei das ernst nimmt und entsprechend aktiv ist.
    Natürlich wird vielleicht ein bischen gegrinst aber es ist eine schwierige Situation und da oft selbst Abwehrhandlungen blaue Flecke erzeugen können, die einem dann vorgehalten werden, bleibt nur die Flucht.

    aber ein gesellschaftlicher Notstand ist es nicht wirklich eher Einzelfälle.
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  • unbekannt
    (29986 Beiträge)

    01.08.2013 11:37 Uhr
    Frauen
    werfen mit Gegenständen oder bewaffnen sich mit Nagelscheren...das ist ja wieder Comedy pur. grinsen

    Ausserdem neigen sie zu Kratzen, Beissen und AndenHaarenziehen.

    Tip an die gebeutelten Waschlappen: Zurückschlagen!
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  •   runsiter
    (11986 Beiträge)

    01.08.2013 11:50 Uhr
    und sofort
    steht dir eine Anzeige wegen Körperverletzung ins Haus. Glaubt dir ja keiner, dass die Frau mit dem Messer auf dich los ist.
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  •   haku
    (4100 Beiträge)

    01.08.2013 11:43 Uhr
    Wenn eine Frau zu Gewalt greift...
    ...heißt das nicht, dass der Mann ein Waschlappen sein muss. Und "zurückschlagen" ist natürlich eine tolle Lösung des Problems.
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  • unbekannt
    (29986 Beiträge)

    01.08.2013 11:51 Uhr
    Was sonst?
    Auf den Boden liegen und wimmern? Im Leewa net.
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  •   haku
    (4100 Beiträge)

    01.08.2013 11:55 Uhr
    Gewalt endet ja nicht immer damit...
    ...dass einer am Boden liegt. Wenn mich jemand angreift und ich kann ihn stoppen ohne selbst Gewalt anwenden zu müssen (also festhalten o.ä.), dann liegt keiner am Boden. Aber das Problem ist damit nicht gelöst.
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