Wahlkampf pur

Wahlkampf mit Kindergartenkindern? (Foto: ka-news)
Ein Kommentar von
Alexander Janzen


Die beiden großen Parteien befinden sich im Streit, das ist nichts Neues. Doch jetzt geht es nicht mehr um Millionen-verschlingende Großprojekte oder verarmte Kommunen, sondern um einen Kindergarten. Begonnen hat die CDU-Oststadt mit der Renovierung des Kindergarten Gottesau (ka-news berichtete). Das war zwar ein freundliches Unterfangen, aber eben auch sehr medienwirksam.

Eine andere Stufe der Publicity erreichte anschließend die SPD-Oststadt. Ihr Vorsitzender, Parsa Marvi, warf dem gegnerischen Vorsitzenden, Hans-Joachim Hof, Heuchelei vor (ka-news berichtete). Der Verweis Hofs, diese Form ehrenamtlicher Arbeit müsse in Zeiten leerer Kassen die Verantwortung der Politik ersetzen, lieferte nämlich eine ideale Angriffsfläche. Denn warum gibt es leere Kassen? Für Marvi ist es ganz klar, "weil Hof eine Politik mitgetragen hat, die lieber Geld für teure Pferderennbahnen, eine Kulturhauptstadtbewerbung und ein nicht funktionierendes Stadtmarketing ausgegeben hat, anstatt es in Kinderbetreuung zu investieren." Ein wirklich feiner Schachzug. Die Schuld trägt wer wohl? Richtig, die CDU, und sofort kommen recht kontroverse Themen ins Gespräch, die natürlich nur rein zufällig auch zum Standardwahlkampfrepertoire der SPD gehören.

Das Imperium schlägt zurück

"Jemand, der ehrenamtliches Engagement für eine Einrichtung der evangelischen Kirchengemeinde als 'pure Heuchelei' hinstellt, zeigt nur seine unsoziale Ader", erklärte Hof seinerseits in einer Presseerklärung. Alleine schon in diesem Satz werden sowohl die Mütter, die sich um ihre Kinder sorgen, als auch die christliche Gemeinschaft gut bedient. "Insbesondere wundere ich mich, wenn diese Kritik von dem Vorsitzenden der SPD Oststadt kommt, der erst seit kurzem im Amt ist und noch nichts für die Oststadt geleistet hat." Ob Hof nun eine berechtigte und ehrliche Kritik platziert hat oder nicht, die Gemüter, denen es nach Kontinuität strebt, hat er jedenfalls auf seiner Seite.

"Der neue Vorsitzende muss sich wohl seinen Frust von der Seele schreiben, da die Jusos keinen Kandidaten auf der SPD Kommunalwahlliste platzieren konnten." Das sieht aus wie ein Tiefschlag, ein geplanter zumindest, konnten die Jusos doch Natascha Roth auf den elften Platz setzen, aber Hauptsache Hof hat es versucht. Einmal darf er ja, hat die SPD doch ebenfalls eine imaginäre Brücke zwischen dem Nicht-Stadtrat Hof und den Entscheidungen im Gemeinderat gezogen. Ob die entstandene Diskussion dem Ansehen der beiden Parteien wirklich hilft, ist fraglich. Aber eines ist sicher, sie waren mal wieder in den Medien präsent - und ist das nicht das wahre Wahlkampfziel? Scheinbar, denn Wahlen gewinnen kann man mit solchen Kindergartenspielchen nicht.

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