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Karlsruhe Vorreiter Karlsruhe: Gemeinschaftsschule startet 2012 in Grötzingen

Zum Schuljahr 2012/2013 startet eine der ersten Gemeinschaftsschulen landesweit an der Grundschule Grötzingen. Das hat der Karlsruher Gemeinderat am Dienstag einstimmig beschlossen. Obwohl alle Fraktionen ihre Zustimmung signalisiert hatten, entbrannte dennoch ein Streit um das dreigliedrige Schulsystem, das vor allem die CDU-Fraktion durch Gemeinschaftsschulen bedroht sieht.

Mit der Entscheidung des Gemeinderats ist die Grundschule Grötzingen eine von insgesamt 30 Schulen in ganz Baden-Württemberg, die im Schuljahr 2012/2013 an den Start gehen sollen. "Karlsruhe ist die erste Großstadt im Land, die eine Schule als Gemeinschaftsschule aufstellen wird", freute sich auch Schulbürgermeister Martin Lenz in der Gemeinderatssitzung.

Schule und Eltern entwickelten das Konzept

Ab Klasse fünf soll in der Schule ein gebundenes inklusive Ganztagesangebot eingerichtet werden. Die Klassen eins bis vier mit insgesamt drei Zügen werden im ersten Schritt wie bisher als "Halbtagsschule" geführt. Die Konzeption der Gemeinschaftsschule (GMS) Grötzingen setzt die Schwerpunkte in den Bereichen inklusives Unterrichten, individuelles Lernen, individuelle Förderung, voneinander und miteinander lernen und offene Lernformen.

Die Schulleitung, die Lehrerschaft und die Eltern haben das Konzept gemeinsam erarbeitet. Der Ortschaftsrat Grötzingen hatte der Schule einstimmig zugestimmt. Die Schule eigne sich besonders als Gemeinschaftsschule, da genügend Räumlichkeiten vorhanden seien. Auch die Ausstattung der Räume, die Infrastruktur des Areals und die Anbindung an den ÖPNV seien Vorteile, zählte die Stadtverwaltung in ihrer Beschlussvorlage auf.

Krug: Gemeinschaftsschule zum Scheitern verurteilt

Trotz ihrer Zustimmung zu dem Konzept überwiege die Skepsis in der CDU-Fraktion, betonte CDU-Stadtrat Johannes Krug. "Mittelfristig ist die angestrebte Gemeinschaftsschule zum Scheitern verurteilt, denn im Grunde ist sie nur eine weitere Spielform der Gesamtschule", sagte er. Damit stellte er nochmals den grundsätzlichen Willen der Christdemokraten, am dreigliedrigen Schulsystem festzuhalten, dar.

Karlsruhe, wie auch das Land bräuchten ein "differenziertes und begabungsorientiertes Schulsystem", war Krug überzeugt. "Die Gesamtschule produziert Verlierer." Obwohl die Fraktion mehrheitlich für die inklusive GMS stimmte, äußerte Krug seine "Angst, dass unser Bildungssystem von sinnlosen Schulversuchen zerstört wird."

Mit seinem offensiven Auftreten erntete Krug laute Einwände vonseiten der anderen Stadträte. Allen voran äußerte KAL-Stadtrat Lüppo Cramer so laut seinen Unmut über die Aussagen Krugs, dass Oberbürgermeister Heinz Fenrich ihn zur Ruhe mahnen musste. Cramer entschuldigte sich später für seine Aufregung und erklärte, dass er sehr irritiert von Krugs offensivem, fast aggressivem Redebeitrag gewesen sei. Auch er stimme der Schule wegen ihres pädagogischen Konzepts zu. Jedoch dürfe man keine großen Heilserwartungen in sie setzen. Die KAL wolle die Entwicklungen der Schule wohlwollend, aber auch kritisch beobachten.

Fenrich stellt Skepsis hinten an und stimmt zu

"Ein Glück für Karlsruhe", nannte Grüne-Stadträtin Anne Segor die Einführung der Schule. "Dort werden Kinder unabhängig vom sozialen Hintergrund individuell gefördert, ebenso wie die Starken und die Schwachen." Tom Hoyem (FDP) griff bei der Argumentation für die Modellschule auf das Schulsystem seiner Heimat Dänemark zurück, wo es seit langer Zeit GMS gebe. Da er als Direktor der Europäischen Schule Karlsruhe selbst einer Art Gemeinschaftsschule vorstehe, habe er bisher nur positive Erfahrungen mit dieser Schulart gemacht. Das bedeute allerdings nicht, dass er flächendeckend GMS einführen wolle. "Die FDP wünscht sich eine liberale bunte Bildungslandschaft und nicht überall GMS."

OB Fenrich äußerte ebenfalls Bedenken gegenüber der GMS. "Das Modell wird aber unter besonderen Voraussetzungen realisiert und stellt keinen Angriff auf das dreigliedrige Schulsystem dar." Deshalb stelle auch er seine Skepsis hinten an und stimme zu. Fünf Stadträte aus den Reihen der CDU konnte ihre nicht hinten anstellen und enthielten sich.

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  • unbekannt
    (379 Beiträge)

    15.12.2011 18:53 Uhr
    Gesamtschule produziert Verlierer?
    Warum sind dann immer die besten Schulen Gesamtschulen?

    Etwa die Pisa-Siegerschule oder auch die Waldorfschulen, die immer besonders gut abschnelden. Und die richtigen Versager werden von Hauptschulen produziert, nicht von Gesamtschulen.
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