Karlsruhe Vor Sensations-Ausstellung

Zum ersten Mal der Öffentlichkeit zugänglich: die berühmte Handschrift C des Nibelungenliedes (Foto: Badisches Landesmuseum)
Dem Badischen Landesmuseum und der Badischen Landesbibliothek (BLB) ist ein ganz besonderer Coup gelungen: Ab dem 13. Dezember sind dort erstmals die drei im Vergleich mit dem Original bedeutendsten Handschriften des Nibelungenlieds gemeinsam ausgestellt. Die Staatsbibliothek München leiht die Handschrift A, aus der Staatsbibliothek St. Gallen in der Schweiz kommt die Handschrift B hinzu und Handschrift C befindet sich ohnehin seit dem Jahr 2001 in Karlsruhe. Wer nicht bis zur Eröffnung der Ausstellung "Uns ist in alten Mären... Das Nibelungenlied und seine Welt" warten will, der kann schon jetzt die älteste der drei Hauptschriften, Handschrift C, im Internet bestaunen.

Alle 2440 Strophen der Handschrift aus dem 13. Jahrhundert sind digitalisiert worden. Auf 380 Webseiten finden sich insgesamt 248 Abbildungen der 115 Seiten umfassenden Handschrift C. Zudem können die Besucher der Internetseiten den Anfang des Nibelungenliedes in mittelhochdeutscher Sprache anhören.

Empfindliche Exponate müssen zurück ins Dunkle

Brünhild. Hier im Bild die Darstellerin der Ring-Uraufführung 1876 (Foto: Badisches Landesmuseum)
Nie zuvor waren alle drei Handschriften des Heldenepos rund um Siegfried, Brünhild, Hagen und den Nibelungenschatz bislang in einer Ausstellung zu sehen. Normalerweise werden die Nibelungenlied-Fassungen aus konservatorischen Gründen überhaupt nicht ausgestellt. In Karlsruhe kommen die kostbaren Exponate hinter klimatisierte Vitrinen, wie Ursula Richardt, Pressesprecherin des Badischen Landesmuseums, erklärt. "Außerdem wird der Ausstellungsraum verdunkelt sein, denn die anfälligen, auf Pergament geschriebenen, Originalhandschriften vertragen kein Licht."

Das Tageslicht ist auch der Grund, warum die Ausstellung nur bis zum 14. März 2004 dauern wird. "Wir hätten die Exponate gern länger hier gehabt, doch sie müssen von Zeit zu Zeit zurück ins Dunkle", fährt Richardt fort. Dass die jeweiligen Staatsbibliotheken ihre Handschriften erst- und wohl auch letztmals zur Verfügung stellten, mag laut Richardt auch daran liegen, "dass sie in Karlsruhe schön präsentiert werden". Neben den drei "Berühmtheiten" unter den Handschriften werden noch rund 20 weitere Originalhandschriften, selten gezeigte Fragmente und jüngste Funde zu sehen sein.

Juwel der Ausstellung ist die 10 Millionen Euro wertvolle Handschrift C

Die Handschrift C ging für 20 Millionen Mark in den Besitz der LBBW und der BRD (Foto: Badisches Landesmuseum)
Neben der Handschriftenpräsentation vermittelt die Ausstellung dem Besucher Eindrücke aus der Zeit um 1200, der Entstehungszeit des Nibelungenliedes. Die wichtigsten Orte des Heldenepos schreiten die Besucher ab und folgen damit der Chronologie des Epos. So dienen Worms, Xanten, Passau oder Gran (Esztergom) als Stationspunkte. Dabei bekommen sie die in der Erzählung prägnant geschilderte Sachkultur vor Augen geführt. Neben dem Rittertum werden unter anderem Architektur, Festwesen, Jagd, Musik und Kleidung thematisiert. Zusätzlich zu den Originalexponaten visualisieren Fotos die jeweiligen Schauplätze und Themen, ergänzt durch ausgewählte Textpassagen im Mittelhochdeutsch der Originalniederschrift und in zeitgemäßer Übersetzung.

Das Juwel der Ausstellung, so das Landesmuseum, sei jedoch die Handschrift C. Sie gilt als die älteste der drei vollständigen, im 13. Jahrhundert entstandenen Handschriften und hat eine besonders prominente Geschichte. Im Jahre 1755 im Palast von Hohenems aufgefunden, wurde sie schließlich 1815 durch Joseph Freiherrn von Lassberg in Wien erworben. Lassberg hatte damals Fürstin Elisabeth zu Fürstenberg zum Wiener Kongress begleitet. Ihr verdankte er die finanziellen Mittel zum Kauf der Handschrift. Im Jahr 2001 ging die Handschrift für rund 20 Millionen D-Mark aus dem Besitz des Haus Fürstenberg in den Besitz der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) und der Bundesrepublik Deutschland über. Seither wird sie in der BLB aufbewahrt.

Die Ausstellung "Uns ist in alten Mären... Das Nibelungenlied und seine Welt" ist vom 13. Dezember bis zum 14. März von Dienstag bis Sonntag zwischen 10 und 18 Uhr im Badischen Landesmuseum zu sehen.

Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Links
Rechts
Das könnte Sie auch interessieren
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (0)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Der Kommentarbereich wird 7 Tage nach Publikationsdatum geschlossen.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.