Karlsruhe Von der Straße geboxt

Boxen vermittelt Disziplin und verlangt Einsatz (Foto: ka-news)
Sport in der Integrationsarbeit und bei Gewaltprävention ist an sich nichts Neues, aber ausgerechnet Boxen? In der Karlsruher Gutenbergschule wird genau das seit einem knappen Jahr probiert. Der Erfolg gibt den Machern recht. Gestern überzeugte sich Baden-Württembergs Innenminister Heribert Rech von der Arbeit.

Boxen und Gewaltprävention, das werde in der Öffentlichkeit eher als Paradoxon gesehen, eröffnet Sozialbürgermeister Harald Denecken. Das Image des Boxsports vor der Zeit Henry Maskes herrscht noch immer in den Köpfen. Zu Unrecht, wie der Innenminister erklärt. Er, der selbst in seiner Jugend häufig Boxtrainings besuchte, sei stets von der kulturellen Zusammensetzung innerhalb der Vereine fasziniert. Insofern ist Boxen in der Tat höchst integrativ. Zudem, ergänzt Rech: "Es erfordert körperliche und geistige Fitness. Wenn man seine Emotionen nicht im Griff hat, kann man im Boxen nicht erfolgreich sein."

Soweit soll das Projekt BogG, eine Abkürzung für "Boxen gegen Gewalt" (ka-news berichtete), erstmal nicht führen. In erster Linie sollen mit der vom Polizeipräsidium Karlsruhe, dem Schul- und Sportamt und Sportvereinen ins Leben gerufenen Aktion Kinder, Mädchen wie Jungen, mit schwierigem Migrationshintergrund von der Straße geholt werden. Erst später sollen die Kinder in die Sportvereine geführt werden.

Keine Alternative zur Integration

Jugendliche verschiedenster Nationalitäten, die mittels herkömmlicher Sozialarbeit nur schwer zu erreichen sind, werden regelmäßig in Projektarbeit eingebunden. "Anstrengendes, körperliches Training, bei dem die Jugendlichen kontrolliert Dampf ablassen können, kombiniert mit der Vermittlung von Inhalten stärkt Durchhaltevermögen, Disziplin und gegenseitigen Respekt. Alles Eigenschaften, die für das Leben in unserer Gesellschaft große Bedeutung haben", erklärt Rech.

Heribert Rech (l.) und Harald Denecken (r.) zusammen mit den Jugendlichen
(Foto: ka-news)
"Es gibt keine Alternative zur Integration all derer, die hier bleiben wollen", so der Innenminister. Und: "Integration kann nur funktionieren, wenn beide Seiten es wollen." Die Jugendlichen im zum Boxstudio umgerüsteten Keller der Gutenbergschule beweisen Willen zum Mitmachen. Schweißperlen stehen ihnen im Gesicht, als sie auf die Sandsäcke eindreschen. Die beiden Trainer, Tyson Grey vom KSC/PSV und Hasan Kollak vom PSV, haben stets ein Auge auf die Mädchen und Jungen. Sie leiten an und geben Tipps, führen die eine oder andere Boxtechnik vor. Sie scheuen auch nicht davor, die Jugendlichen so richtig schwitzen zu lassen. Das gehört mit zum Training und die Jugendlichen begreifen das.

Die Arbeit muss in der Kommune geleistet werden

Wenn das schweißtreibende Training nach etwa einer Stunde beendet ist, ist der Tag noch nicht gelaufen. Es folgt ein theoretischer Teil, bei dem die boxenden Jugendlichen artig den Boxring mit der Schulbank tauschen. Die Theorie ist dafür da, die Polizeiarbeit vorzustellen und vor den Folgen von Straftaten zu warnen. Gestern brachten die Jugendsachbearbeiter der Polizei, Heinz Bodemer und Marco Krämer, eine Softair-Waffe mit in den Unterricht. Ausführlich erklärten sie den Jugendlichen, wo die Gefahren dieser täuschend echt aussehenden Spielzeuge liegen und wer sich im Umgang damit strafbar macht. In einer normalen Klasse wäre ungestörtes Unterrichten in dieser Form wohl nicht möglich, doch vor den beiden Polizeibeamten verhalten sich die ausgepowerten Jugendlichen ruhig. Zwischenfragen sind erlaubt, ja, erwünscht. Es soll ein Dialog entstehen.

Je Turnus werden zehn Trainings- und Unterrichtseinheiten im Wochenrhythmus angeboten. Weil das Programm auf viel mehr Resonanz gestoßen ist, als erwartet, werden künftig zwei Veranstaltungsreihen durchgeführt, eine im Herbst und eine im Frühling. Dabei steht BoG beispielhaft für über 570 andere Projekte zur Präventionsarbeit im Land, 100 davon beschäftigen sich mit der Integration von Aussiedlern und Ausländern. Rech hob während seines gestrigen Besuches in der Karlsruher Weststadt hervor, wie wichtig auch hier die kommunale Arbeit sei. "Ich bin froh, dass sich die Kommunen engagieren, diese Arbeit kann schließlich auch nur in den Kommunen funktionieren", so der Innenminister.

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