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Karlsruhe Von "Jammerstock" zu Dammerstock: 80 Jahre Karlsruher Bauhaus

Als im Jahre 1928 die Stadt Karlsruhe die Ausschreibung für eine neue Siedlung in Dammerstock veröffentlichte, waren die Vorgaben eindeutig. Es sollte etwas Neues entstehen - so wie es andere Städte darunter Frankfurt, Berlin und nicht zuletzt Stuttgart bereits vorgemacht hatten.

"Karlsruhe wollte auch mitspielen", erklärt Nina Rind, Organisationsleiterin des Jubiläumsprogramms "80 Jahre Dammerstock". So sollte die neue Siedlung funktionale Wohnungen für Familien mit niedrigen bis mittleren Einkommen bereitstellen. Die neue Bauweise umfasste unter anderem Neuheiten wie Einbauküche und ein Badezimmer für jede Wohnung. "Man muss sich das im Kontrast zu den Altbauten, die zu der Zeit in Karlsruhe vorherrschend waren, vorstellen", so Rind. Die Wohnungen dort waren meist voll belegt, Toiletten waren im günstigeren Fall auf der Etage, im schlechteren im Hof vorhanden. 

Ein weiterer Punkt war das Licht in den Gebäuden. Die Altbauwohnungen mit den hohen Decken waren oft dunkel, Zimmer zum Hof hin hatten teilweise sehr kleine oder auch gar keine Fenster. Das wollte der neue Baustil ändern. Die Idee war eine optimale Lichtausnutzung, so dass morgens die Sonne ins Schlafzimmer und über Tag in den Wohnbereich fällt. Auch die Zeilenbauweise und das Flachdach sind charakteristisch für das Neue Bauen, weitere Vorgaben der Stadt waren ein weißer Putz mit grauem Sockel.

Bewohner nicht wie geplant aus unteren Einkommensschichten

An dem Wettbewerb nahmen neben bekannten deutschen Architekten auch der holländische Architekt Jacobus Johannes Pieter Oud teil, der kurz zuvor die Reihenhäuser der Weißenhofsiedlung in Stuttgart entworfen hatte. Durchsetzen konnte sich am Ende Walter Gropius, der Begründer des Bauhaus. Er setzte sich mit seinen Werken für ein neues gesundes Leben ein, welches neben dem Wohnen auch körperliche Ertüchtigung beinhaltete. Für die Wohnungen hieß das neben mehr Licht auch mehr Hygiene, so waren die Musterwohnungen mit einfach zu reinigenden Stahlrohrmöbeln ausgestattet oder funktionalen Möbeln wie Klappbetten.

Durch diese möblierten Wohnungen wurden die potentiellen Bewohner 1929 im Rahmen der Ausstellung "Die Gebrauchswohnung" geführt. Die normalen Wohnungen waren jedoch bis auf Einbauküche und Bad unmöbliert, es musste also in neue Einrichtung investiert werden. Die alten Möbel der ersten Bewohner waren in der Regel zu groß, um sie mitzunehmen. "Dadurch zogen nicht wie geplant Bürger aus den unteren Einkommensschichten, sondern eher solche aus der Mittelschicht in die neue Siedlung ein", erläutert Rind.

Wohnungen in Dammerstock sehr beliebt

Ungeachtet dessen hatte die Dammerstock-Siedlung zu Anfang keinen guten Ruf in der Bevölkerung - "Jammerstock" spottete man über die ungewöhnliche Bauweise. "Das wirkte einfach nicht schön", so Rind, "die Bäume waren noch klein, die Häuser - ohne Ornamente und Schmuck - sahen nackt aus für die Menschen, die ganz andere Architektur gewöhnt waren." Aufgrund des ursprünglichen Plans, Wohnraum für Menschen am Existenzminimum zu schaffen, haftete dem Projekt zudem der Ruf einer Armensiedlung an.

Heute sind die Wohnungen laut Rind in Dammerstock sehr begehrt. Da jede über einen Garten oder einen Balkon verfügt, würden besonders kleine Familien dort wohnen, so Rind. "Ich wollte eigentlich eine Musterwohnung für das Jubiläum ausstatten", berichtet sie über ihre Pläne, "das war jedoch nicht möglich, denn es ist einfach niemand ausgezogen." Im Vergleich zu anderen Mehrfamilien-Siedlungen sei es auffällig, dass hier wenig Bewegung drin sei. "Entweder die Leute sind so stolz in einer Bauhaus-Siedlung zu wohnen oder die Funktionalität macht das Leben auch heute noch so angenehm, dass man nicht freiwillig die Wohnung verlässt."

Anlässlich des 80. Geburtstags, der in Deutschland einmaligen Wohnsiedlung werden in Dammerstock Projekte von Studenten der Hochschule für Gestaltung (HfG) ausgestellt. Die im Sommersemester in einem Workshop zum Thema "80 Jahre Dammerstock" erstellten Arbeiten umfassen unter anderem Textarbeiten, Dokumentationen, einen Nachbau der Siedlung sowie eine Performance. "Der Student möchte 30 Tage im Bunker unter dem Gebäude verbringen, um die Essenz des Wohnens zu ergründen", erklärt die Organisationsleiterin.

Die Veranstaltungen werden am 26. September mit dem Eröffnungsfest am historischen Eingangspavillon eingeläutet. Der Flyer ist im Internet erhältlich.

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  •   barlou
    (2555 Beiträge)

    11.09.2009 13:52 Uhr
    Perlen vor die Säue
    Die "Generation Doof" hält das Bauhaus für einen Baumarkt und Walter Gropius für den Filialleiter.
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (29986 Beiträge)

    11.09.2009 13:18 Uhr
    Das war damals
    was vollkommen neues. Der Stil von Gropius und Corbusier war eben sachlich. Corbusier bezeichnete das als Wohnmaschine.
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (123 Beiträge)

    11.09.2009 12:13 Uhr
    "hässlich und kalt"
    die häuser sind nicht hässlich und kalt, DU bist der MEINUNG, sie SEIEN hässlich und kalt. warum meinen hier eigentlich so viele leute, ihre meinungen und ansichten zum maß aller dinge erheben zu müssen?
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  •   taina
    (315 Beiträge)

    11.09.2009 10:14 Uhr
    Sorry
    aber die Häuser in Dammerstock sind so hässlich und kalt. nicht zu vergleichen mit Häusern im Altbaustil.
    Hab schon Wohnungen in der Danziger Str besichtigen können, freiwillig würd ich da net wohnen wollen.
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  •   bobber
    (2119 Beiträge)

    11.09.2009 07:25 Uhr
    Wenigstens etwas,
    was Karlsruhe mit andern großen Städten Vergleichbar macht. Naja, man kann sich seine Bürger nicht raus suchen. Heute wird gebremst wo es nur geht.
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