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Karlsruhe Videoüberwachung in KVV-Bahnen: Wird überall auf Kameras hingewiesen?

Seit mehr als fünf Jahren sind Fahrgäste in den gelben Stadt- und Straßenbahnen des Karlsruher Verkehrsverbunds (KVV) nicht mehr unbeobachtet unterwegs. Bis Februar 2013 hat der KVV nach eigenen Angaben knapp eine Million Euro in Videokameras investiert, die in den Wagen angebracht sind und das Geschehen aufzeichnen. Fahrgäste müssen beim Einstieg auf die Überwachung hingewiesen werden - allerdings ärgert sich der Brettener Bundestagskandidat der Piraten, Sven Krohlas, über Bahnen ohne die gesetzlich vorgeschriebenen Hinweise. Seinen Unmut teilte er in einem offenen Brief auch an VBK-Geschäftsführer Walter Casazza mit.

Wie Krohlas schreibt, habe er sich deshalb bereits 2006 an den Landesbeauftragten für Datenschutz gewandt, nachdem ihm "auf der Linie S1/S11 Kameras ohne entsprechende Hinweise auf überwachte Bereiche" aufgefallen seien. Dies sei daraufhin korrigiert und ein Aufkleber an den Türen der Bahnen angebracht worden.

"Grundrechte von Fahrgästen werden unnötig verletzt"

"Leider hat dies nicht zu einem dauerhaften Umdenken aufseiten des KVV geführt", schreibt er. Denn: "Jeden Morgen sehe ich auf den Linien S9 und S4 Bahnen, die trotz fehlender Hinweise [...] an jeder Eingangstür mit vier 'Kamerakugeln' an der Decke ausgestattet sind." Oft seien die Hinweise teilweise vorhanden, dennoch hätten ihm auch Bürger von ähnlichen Beobachtungen auf der Linie S1/S11 berichtet. "Hier werden die Grundrechte von jährlich über 170 Millionen Fahrgästen offenbar unnötig verletzt", kritisiert er und fordert den KVV auf nachzurüsten oder die Videoüberwachung einzustellen - falls die Kameras denn überhaupt aktiv seien.

"Unserer Meinung nach ist die Verhältnismäßigkeit der Maßnahme eindeutig nicht gegeben", erklärt Krohlas außerdem im Gespräch mit ka-news. Nach den Analysen der Piratenpartei rechneten sich die Kameras nicht. "Weder haben die Gewalttaten abgenommen noch wurden finanzielle Einsparungen erreicht", so der Pirat. Dies habe man anhand offizieller Aussagen von Zahlen und Zielen des KVV analysiert, die das Unternehmen gegenüber ka-news geäußert hat. Allein wegen der fehlenden Verhältnismäßigkeit müsste die Überwachung aus Sicht der Piraten sofort eingestellt werden - denn unter diesen Bedingungen dürfe nicht in die Grundrechte der Fahrgäste eingegriffen werden. Leider habe man aber die Erfahrung gemacht, dass sich viele KVV-Nutzer mit einer "vorgegaukelten höheren Sicherheit zufrieden geben" und sich nicht daran störten.

Der Karlsruher Verkehrsverbund seinerseits weist auf Anfrage von ka-news darauf hin, dass "alle Videokameras, die in Fahrzeugen der VBK und AVG installiert sind, auch in Betrieb" sind. Entsprechend den gesetzlichen Vorgaben seien an den mit Kameras ausgestatteten Bussen und Bahnen Hinweisschilder an der Eingangstür und im Innenbereich angebracht. "Der Aufkleber mit dem Kamerasymbol im Innenbereich ist um die Information ergänzt, dass die VBK die Videokameras betreiben", erläutert eine Sprecherin des KVV.

Wie das Unternehmen Ende Februar auf ka-news-Anfrage mitteilte, sind derzeit 70 Niederflurfahrzeuge, alle 59 Stadtbahnwagen und 112 der Zweisystemfahrzeuge, die im KVV-Gebiet unterwegs sind, mit Videokameras ausgestattet. "Die restlichen zehn Zweisystemfahrzeuge werden zeitnah mit Videokameras bestückt", so eine Sprecherin damals. Rund 4.000 Euro koste die Ausrüstung mit Videokameras pro Bahn. Demnach dürfte der KVV bisher insgesamt etwa 964.000 Euro für die Video-Ausstattung der 241 Bahnen ausgegeben haben.

Schäden durch Vandalismus: Von 400.000 auf 236.000 Euro

Eine Investition, die sich laut KVV lohne. Denn seit im Jahr 2007 mit der Videoüberwachung in den Bahnen begonnen wurde, seien Beschädigungen in den Bahnen kontinuierlich gesunken. Zerkratzte Scheiben, aufgeschlitzte Sitze oder Graffiti: 2012 wurden 236.000 Euro für diese Reparaturen ausgegeben. In den Jahren vor 2007 entstand durch Vandalismus noch etwa 400.000 Euro Schaden pro Jahr.

Auch die Zahl der Schadensfälle ist laut KVV seit Beginn der Überwachung zurückgegangen. Während im Jahr 2007 noch 194 Delikte wie Diebstahl oder Sachbeschädigung in den Bahnen verzeichnet wurden, waren es 2008 noch 161 Vorfälle. 2012 wurden nur noch 119 Taten aufgezeichnet (2010: 130, 2011: 124).

Siehe auch:

KVV: 964.000 Euro für Videokameras - weniger Schäden in Bahnen

Kriminalität in Karlsruher Straßenbahnen: Angstraum ÖPNV?

KVV: Immer mehr Bahnen mit Videoüberwachung - Schadensfälle gehen zurück

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Kommentare (56)
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  •   hajmo
    (3833 Beiträge)

    12.05.2013 15:31 Uhr
    Alles falsche Ansätze!
    Wer so grenzdebil ist und die Kameras, die ja sichtbar angebracht sind, nicht erkennt, den dürfte auch ein Bild von sich nicht stören. Was sollen also Hinweisschilder - alles Kacke!

    Durch Kameras in Bahnen ist noch niemand zu schaden gekommen, aber durch die Stufen. Die Piraten sollten sich lieber für ausreichend Hinweisschilder für Stufen einsetzen: "VORSICHT DIESE BAHN IST MIT STUFEN AUSGESTATTET!" Die Forderung für ebenerdigen Einstieg in Bahnen ist viel wichtiger. Gerade Ältere oder Betrunkene haben mit den Stufen zu kämpfen. Ein Thema, das die Piraten ganz oben auf ihre Listen setzen sollten.
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  •   juanzorro
    (889 Beiträge)

    18.05.2013 23:55 Uhr
    was die Piraten schon
    in ihrem Programm haben. Es nennt sich "Barrierefreiheit", darunter fällt dann auch das mit den Stufen grinsen
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  •   JOSI
    (376 Beiträge)

    11.05.2013 23:17 Uhr
    Die Partei mit großen unrechtsdasein...
    ...ist für rechtliche richtige abwicklung in den Straßenbahne der KVV.

    Wenn es aber um die Verletzung von Urheberrechte geht, sieht es die Partei aber auf einmal ganz anderster!

    Lieber 5 Kameras mehr und weniger "kriminalität" in der Straßenbahn!
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  •   80er
    (5525 Beiträge)

    10.05.2013 17:27 Uhr
    Ich bin grundsätzlich....
    ...für die Kameraüberwachung in den Bahnen. Und wenn es noch ne Bahn gibt ohne Hinweisschilder: bitte sofort anbringen. Aber eines sollte man dennoch bedenken: die Bilder der Kameras sind mit Datum und Uhrzeit versehen.Wenn man jetzt noch die Daten der Handys sammelt, evtl. auch die Daten von EC- und Kreditkarten, alle Daten der Kassen in den Geschäften miteinander kombiniert, dann hat man ein schönes Bewegungsprofil von jedem einzelnen. Zugegeben: die Daten der von mir genannten Quellen sind in unterschiedlichen Datenbänken gespeichert. Und es würde wohl auch einige Zeit dauern, diese alle miteinander zu verknüpfen. Aber technisch wäre es machbar. Und dann? Stellt euch mal vor, irgend so ein Hacker kommt an die Daten? Würde uns dies gefallen?
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  •   runsiter
    (11979 Beiträge)

    10.05.2013 18:41 Uhr
    Solche
    Bewegungsprofile können und werden vermutlich bereits von jedem erstellt, der mit einem Mobiltelefon herumläuft. Hat man dann noch die eine oder andere praktische App, der man die Positionsdatenübermittlung erlaubt, eventuell seine WLAN-Erkennung und das GPS-Modul an, braucht man keine aufwändige Gesichtserkennung von Mitschnitten aus der Bahn mehr, um zu wissen, wo Du Dich so überall rumgetrieben hast.

    Ich halte dieses Argument für nicht treffend.
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  •   andi79
    (2507 Beiträge)

    12.05.2013 12:45 Uhr
    zur validierung
    der Daten aber nicht schlecht, insb. weil handys ja auch theoretisch an jemand weitergegeben werden können oder jemand schlichtweg ohne rum läuft. Die gedanken die man sich machen muss ist einfach wo alles hin führt, und welche Auswirkungen in einem ggf. anderem politischen System oder ökonomischen System verhält (z.B. beim finanziellen kollaps mit schweren sozialen unruhen). Oder um mal ein plastisches Beispiel aus der Vergangenheit zu nennen... wie hätte ein leben unter der STASI mit den heutigen technischen Möglichkeiten ausgesehen? Viele machen leider den Fehler und sehen das jetzt und heute, das morgen oder übermorgen mit geänderten grundvorraussetzungen wird aber nicht gesehen. Es gab z.B. sehr gute gründe dass man Kampfeinsätze der Bundeswehr im inneren komplett ausgeschlossen hat außer im Verteidigungsfall. Eines der vielen Dinge die gekippt wurden, obwohl sie nicht umsonst da waren.
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  •   andi79
    (2507 Beiträge)

    12.05.2013 12:47 Uhr
    ...
    die neuerungen der letzten 10 Jahre kann man mit wenigen Worten zusammenfassen:

    Überwachung, Kontrolle, Repression

    unter diesen 3 Überbegriffen kann man eine lange Liste schreiben mit Dingen die gemacht wurden oder die man zumindest versucht hat.
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  •   chillihexe
    (2473 Beiträge)

    10.05.2013 14:47 Uhr
    von mir aus
    können überall kameras installiert sein, bin eine anständige bürgerin und hab auch nix zu verbergen... und ich denke doch, daß sich damit die straftaten verringern bzw. schneller aufgeklärt werden.
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  •   NeoTiger
    (425 Beiträge)

    10.05.2013 14:29 Uhr
    Stören mich auch nicht
    Ohne die Kameras würde ich mich gar nicht mehr trauen zu bestimmten Uhrzeiten noch Straßenbahn zu fahren.
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  • unbekannt
    (76 Beiträge)

    10.05.2013 14:15 Uhr
    Ist doch ganz einfach:
    Fehlende Aufkleber "nachrüsten", am besten noch an jede Haltestelle ein Aushang: Unsere Busse und Bahnen sind videoüberwacht - und gut.
    Ich hab nichts gegen die Kameras. - Im Gegenteil.
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