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Karlsruhe Veranstaltungen statt Kinderlachen: Stadt sieht keine geeignete Fläche für neuen Spielplatz in der City

Die vorhandenen Spielplätze sind zu wenig, finden einige Stadträte. Doch nun ist gewiss: Für Kinder wird es so schnell keine zusätzliche Beschäftigungsmöglichkeit in der Innenstadt geben. In einem Antrag forderte die Kult-Fraktion des Gemeinderates eine Erweiterung des Freizeitangebotes in der Karlsruher City durch den Bau eines Spielplatzes für 0- bis 12-Jährige. Dieser Antrag wurde von der Stadt aufgrund von Platzmangel jedoch abgelehnt.

Um die Innenstadt für Familien attraktiv zu halten, riet die Kult-Fraktion in ihrem Antrag an die Stadt, für kleine und größere Kinder sowie deren Begleiter und Betreuer das Angebot in der City durch Sitz- und Spielmöglichkeit zu vergrößern. Da die Stadt im Zuge der Fertigstellung der U-Strab ohnehin eine Aufwertung der Innenstadt vornehmen wolle, wäre das aus Kult-Sicht eine geeignete Maßnahme. "Wir sollten alle Innenstadt-Besucher dafür belohnen, dass sie die lange Bauphase überstanden haben – auch die Kleinsten", so Lüppo Cramer in dem Kult-Antrag an die Stadt. 

Doch die Stadt kommt schnell zu einem Schluss, den Familien mit Kindern nicht gefallen dürfte: "In der Innenstadt konnte leider keine weitere öffentliche Fläche identifiziert werden, die als Spielplatz geeignet wäre", heißt es in der Stellungnahme der Stadtverwaltung. Die intensive Nutzung der Platzflächen für Veranstaltungen sowie der Straßenräume durch Außenbewirtung und den Radverkehr, stehe dem Einbau von Spielgeräten entgegen.

Einweihung - inklusiver Spielplatz beim PSV
Copyright Paul Needham / www.paulneedham.de | Bild: Paul Needham

Sieben Spielplätze im Innenstadtgebiet

Dabei müssen neue Spielplätze dringend her, wie die Stadträte finden, und liefern auch gleich ein Argument: Laut Statistischem Jahrbuch 2017 gibt es eine Unterversorgung an Spielflächen in der Innenstadt, führt die Kult in ihrem Antrag aus. "Konkret gibt es derzeit nur zwei öffentliche Spielangebote in Stadtzentrum: am Kirchplatz St. Stephan und auf dem Lidellplatz", führt Lüppo Cramer von KAL weiter aus.

 So hat der Spielplatz am Kirchplatz St. Stephan für Kinder unter 6 Jahren nur einen kleinen Sandkasten und der am Lidellplatz sei einfach zu weit "ab vom Schuss". Er bemängelt, dass auch gerade Touristen, die in die Fächerstadt kommen, von Letzterem nichts wüssten.

Kinderspielplatz in Karlsruhe
Bild: Tim Carmele

Die Stadt nennt in ihrer Stellungnahme jedoch sieben Spielplätze in der gesamten Innenstadt. Drei davon in der Innenstadt-Ost, vier weitere Spielflächen für Kinder sind in der Innenstadt-West. Darunter seien Angebote für Kinder aller Altersklassen, so die Stadt.

 

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"Freiflächenpotential ist nahezu erschöpft!"

Die Verwaltung betont in ihrer Stellungnahme, dass es bereits in den vergangenen Jahren immer wieder Bemühungen gab, öffentliche Freiräume in der Innenstadt zu sichern. Unter dem enormen Druck, Geschäfts- und Wohnraum im Zentrum zu schaffen, sei das Freiflächenpotential aber nahezu erschöpft. Die Verwaltung finde keine Möglichkeit, in der Innenstadt einen neuen Spielplatz auszuweisen. Die hohe Nutzungsintensität der Platzflächen verhindere einen Spielbereich.

Die Stadt weist in ihrer Erklärung außerdem daraufhin, dass zu berücksichtigen sei, dass der Anteil der Kinder, die zentral wohnen, eher gering ist. Das belegen auch die Zahlen von 2017, da lag der Anteil der Bewohner unter 18 Jahren in der Innenstadt-Ost bei 9,3 Prozent und in der Innenstadt-West bei 8,1 Prozent. Da also nur ein vergleichsweise geringer Teil von Kindern in der Innenstadt lebt und die meisten mit ihren Eltern zum Einkaufen, Essen gehen oder zum Museumsbesuch in die Innenstadt kämen, sei die Spielflächenversorgung in der Innenstadt differenziert zu betrachten.

Kinderspielplatz in Karlsruhe
Bild: Tim Carmele

Indoor-Spielplatz als Alternative ?

Dennoch ist es auch aus Sicht der Verwaltung wünschenswert, dass Besucher - neben den Haupteinkaufsrouten - auch die attraktiven Freiräume der Innenstadt kennenlernen. "Karlsruhe erleben sollte sich nicht nur auf Kaiserstraße und angrenzende Einkaufsstraßen beschränken", so die Stadt.

Mit dem Schlossgarten und dem Zoologischen Stadtgarten samt umfangreichen Spielangeboten habe man Flächen, um einen familienfreundlichen und angenehmen Stadtaufenthalt abzurunden. Mit einem neuen Spielplatz in der City würde jedoch die Attraktivität für Familien und Besucher mit Kindern deutlich erhöht, ist sich Stadtrat Lüppo Cramer sicher. Auch Kult-Stadtrat Uwe Lancier (Piraten) verweist auf den Service, den die Stadt bieten kann. "Wir haben jetzt die Chance, das Publikum neu für unsere Innenstadt zu begeistern. Davon profitieren Stadt wie Unternehmer", so Lancier weiter. 

Kinderspielplatz in Karlsruhe
Bild: Tim Carmele

Stattdessen bringt die Stadt die Einrichtung eines ganzjährig nutzbaren Indoorspielplatzes ins Spiel. In Kooperation mit den Gewerbetreibenden könne dies eine interessante Alternative zu einer klassischen Spielfläche im Freien sein, erklärt die Stadt in ihrer Stellungnahme an die Gemeinderäte der Kult-Fraktion abschließend. 

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Kommentare (18)
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  •   Der_dunkle_Turm
    (362 Beiträge)

    13.07.2018 15:47 Uhr
    Ist es für die hundert Millionen Innenstädler
    mit Kindern wirklich zu viel verlangt, in den Fasanengarten zu gehen?

    Klar, da gibts kein schickes Cafe nebendran, wo man beim Latte mit den Freundinnen tratschen kann. Und ganz schlimm: man muss mehr als 50 Meter laufen

    Oh wie schlimm und unzumutbar.

    Zieht doch aufs Land, dann können Eure Kinder ganz gesund in Wald und Flur lernen und spielen.
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  •   ramius
    (165 Beiträge)

    13.07.2018 12:24 Uhr
    Keine Fläche für neuen Spielplatz in der City?
    Die auf beiden Augen blinde Stadtverwaltung übersieht mal wieder den geeignetsten Platz:
    Den neuen Marktplatz. Eine Betonwüste die perfekt für einen großen Abenteuerspielplatz geeignet ist.
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  •   Makamabesi
    (3022 Beiträge)

    13.07.2018 08:52 Uhr
    Eine
    Kultur, die keinen Platz für Kinder hat, hat keinen Platz für ihre eigene Zukunft.
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  •   Rahmdieb
    (715 Beiträge)

    12.07.2018 16:30 Uhr
    Ideensammlung
    Nypmphengarten, Nayadenwäldchen, Kaiserplatz, Innenhof Hochbergsches Palais
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  •   mcclaney
    (1396 Beiträge)

    13.07.2018 12:30 Uhr
    ...
    Nymphengarten ist mir auch in den Sinn gekommen ... das Areal wird mit der neuen Kriegsstraße doch eh hoffentlich wieder mehr an die Innenstadt angeschlossen werden.
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  •   citron1985
    (43 Beiträge)

    16.07.2018 12:49 Uhr
    is klar
    deshalb auch der Brückenabriss, total angeschlossen und Fußgängerfreundlich, ich lach mich tot
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  •   andip
    (9141 Beiträge)

    12.07.2018 12:10 Uhr
    Wo in der Innenstadt
    insbesondere rund um die Kaiserstrasse, wohnen eigentlich Leute, die auch kleine Kinder haben?
    Der Anteil dürfte nicht sehr hoch sein, in den meisten Gebäuden dort sind nur Büros und Praxen zu finden.
    Und wo genau möchte denn Kult einen neuen Spielplatz hinhaben?
    Und wenn schon ein neuer Platz gebaut wird, dann nicht so 08/15 wie sonst, die nur für Kinder bis zum Kindergartenalter geeignet sind. Denn welches grössere Kind, insbesondere die ab 10 Jahren, buddeln noch in der Sandkiste oder setzen sich auf Rutschen, die kleiner sind als sie gross sind. Mehr ist auf den meisten Spielplätzen nicht zu finden.
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  •   Chris23
    (136 Beiträge)

    12.07.2018 22:05 Uhr
    Ich habe
    gerade in dem höheren Stockwerken, einige WG an der Kaiserstrasse besichtigt. Die meisten der Gebäude haben wohnungen in dem oberen Stockwerken. Schlechte Parkmöglichkeiten, Lautstärke(?) und häufiges Treppensteigen führen aber sicherlich zu dem hohen studentischen Anteil. In dem inneren Fächer gibt es auch reine Wohnhäuser, mit Parkplätzen etc. Dort hat man aber mit dem Schloßplatz gute Spielmöglichkeiten auch wenn man nicht direkt beim Spielplatz reinkommt.

    Spielplätze in der Fußgängerzone, würden mir aber als Vater sicher dem Einkauf mit Kind aktraktiver machen. Ein Indoorspielplatz (innenstadt Ost müsste doch genug Platz haben) mit Betreuung könnte auch positive Effekte freisetzen (Ikea macht dies schon lange erfolgreich).
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  •   mueck
    (9944 Beiträge)

    12.07.2018 15:09 Uhr
    !
    Du unterschätzt die Zahl der Wohnungen in der Innenstadt. Ich wohne hier neben der Hauptpost auch nur 100 m von der Kaiserstr. weg und hier im Haus sind neben dem Laden immerhin 16 Wohnungen von 1 bis 3 ZKB und in einer wohnt sogar 'ne Familie mit Kind(ern, habe die noch nicht durchgezählt ...) und die zwei anderen Häuser meines VM hier in der Str. sind auch hauptsächlich Wohnhäuser außer dem EG. Nördl. der Kaserstr. gibt's auch genug Häuser mit Wohnungen, u.a. das Hochhaus im Passagehof. In der Zähringerstr. sind auch schon etliche Wohnhäuser in Kaiserstr.nähe etc. pp.
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  •   Denkfehler
    (63 Beiträge)

    12.07.2018 11:50 Uhr
    Wohnraum ja- aber....
    .....dann werden die Freiflächen dazwischen für die Autos benötigt, die sich jeder über 18 ja zwingend vor diesen Wohnraum stellen muss. Sonst ist man ja kein vollwertiger Mensch zwinkern

    Die Frage nach dem Platzangebot, damit Kinder frei spielen können, ist ja nicht damit beantwortet, wo man einen Sandkasten bauen kann. Wenn jeder noch so enge Teerstreifen in der Innenstadt mit KFZ zugestellt werden darf / muss ("Parkdruck" - welch hirnloses Wort!), bleibt für die Kleinen eben kein Platz - weder zum Ball spielen, noch zum Radfahren lernen, noch zum sonstigen Rumtoben. Man benötigt keine, von gut-menschelnden Pädagogen entworfenen Spielplätze, damit Kinder sich entfalten können - von Blechbergen freigeräumte Straßen mit Einfahr-/Durchfahrverbot genügen. Kinder haben ausreichend Phantasie, sich auch ohne spezielle Schaukel zu entfalten und auszuleben.....
    Die Stadt muss hier eben mal "über den Tellerrand" raus denken, um familienfreundliche Angebote zu machen...
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