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Karlsruhe "Veggie-Tag" erregt die Gemüter im Gemeinderat

Bei der gestrigen Gemeinderatssitzung stellte die Grüne-Gemeinderatsfraktion den Antrag, im Rahmen der städtischen Klimaschutzkampagne einen so genannten "Veggie-Tag" einzuführen. Damit solle ein Wochentag dazu erklärt werden, in städtischen Kantinen, an Schulen und Kitas ausschließlich vegetarische Gerichte anzubieten. Was zunächst als harmloser Antrag schien, entbrannte schnell zur hitzigen Debatte um die Freiheit des Menschen.

Vielen Mitgliedern des Gemeinderates war beim Angehen des Tagesordnungspunktes zum "Veggie-Tag" deutlich ein Fragezeichen auf die Stirn geschrieben. Denn nicht nur die Aussprache des Fremdwortes sorgte für Unklarheit, sondern auch die eigentliche Bedeutung.

"Veggie-Tag"? - Das Wort macht stutzig

Zur Klarstellung - das Wort "Veggie" kommt aus dem Englischen und wird von vegetable, zu Deutsch Gemüse, abgeleitet. Und bekanntermaßen sind unsere Landsleute auf Anhieb dafür zu begeistern, wenn es um die Verenglischung der deutschen Sprache geht. Nachdem diese Wissenslücke folglich gefüllt war, hatten die Grünen nun die Gelegenheit, eine Stellungnahme ihres Antrags vorzubringen.

Dem Thema Ernährung käme nicht nur für die Gesundheit des Menschen und für den Tierschutz, sondern auch für Umwelt- und Klimaschutz eine bedeutende Rolle zu, erklärte Stadträtin Bettina Lisbach den Grund ihres Antrags. Die Herstellung tierischer Produkte sei deutlich ressourcenintensiver als die Erzeugung von pflanzlichen Nahrungsmitteln. Sie bezog sich dabei auf eine Studie, derzufolge geschätzte 18 Prozent des Klimawandels durch Tierhaltung verursacht werde.

Um dem Thema "Reduzierung des Fleischkonsums" eine breitere Öffentlichkeit zu geben und die Menschen zum Mitmachen zu motivieren, hätten bereits einige Städte weltweit einen Wochentag zum "Veggie-Tag" erklärt. Die Stadt Karlsruhe solle mit einem Nachziehen die Bürger dazu motivieren, sich zum Schutz des Klimas und zur Förderung der eigenen Gesundheit vegetarisch zu ernähren und dies auch öffentlichkeitswirksam aufziehen.

Die erhoffte Zustimmung für ihren Antrag blieb aus. Im Gegenteil - die versammelte Mannschaft zerriss diesen Vorschlag förmlich und hatte dafür nur Hohn und Spott übrig.

Von lila Kühen und der Beraubung der menschlichen Freiheit war die Rede

 "Wenn Kühe lesen könnten, würden sie vor Scham lila anlaufen", eröffnete Stadträtin Ute Müllerschön von der SPD die Diskussionen. Von Seiten der CDU kommentierte Karin Wiedemann: In den städtischen Kantinen sei ohnehin bereits täglich "Veggie-Tag", schließlich gäbe es Tag für Tag eine große Auswahl an fleischlosen Gerichten.

"Dieser Antrag ist wirklich ein starkes Stück", lässt sie verlauten. "Wir sollten es den Leuten schon selbst überlassen, an welchem Tag sie Fleisch konsumieren oder wann lieber auf die vegetarische Alternative zurückgreifen wollen." Und Friedemann Kalmbach (GfK) stellte die Frage in den Raum, welche Bedeutung es denn dann heutzutage noch habe, ein freier Mensch zu sein?

Die Zukunft des "Veggie-Tages" ist gestorben

Bereits vorab machte das Bürgermeisteramt in einer Stellungnahme deutlich, dass keine Mittel und Ressourcen für die Öffentlichkeitsarbeit zur Verfügung stünden. Weitere Möglichkeiten, das bestehende Angebot zu erweitern, werde von den zuständigen Stellen nicht gesehen. Einstimmig sprachen sich die übrigen Fraktionen schließlich dafür aus, diesen Antrag entschieden abzulehnen. Kein Veggie-Tag für Karlsruhe also.

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Kommentare (130)
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  • unbekannt
    (332 Beiträge)

    12.07.2010 14:20 Uhr
    In Deutschland verursacht die Fleischproduktion
    jährlich das Leiden von mehr als 450 Millionen Tieren und bringt sowohl Menschen wie auch die Umwelt in Gefahr. Ohne Fleisch lebt man länger und gesünder ! Vegetarier erleiden seltener Herzinfarkte als Fleischesser und haben im Vergleich ein um 40% geringeres Darmkrebsrisiko. Der übermäßige Fett- und Proteingehalt des Fleisches steht auch mit anderen Krebsarten sowie mit Fettsucht und Schlaganfall in Zusammenhang.
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  •   runsiter
    (11979 Beiträge)

    21.05.2010 17:51 Uhr
    Appetit
    Irgendwie macht mir diese Diskussion hier Appetit auf einen saftigen Schweinebraten.
    Mit Gemüse als Beilage.
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  • unbekannt
    (322 Beiträge)

    21.05.2010 13:29 Uhr
    ...
    Schon Kirchenleute haben früher versucht Menschen zu bestimmten Zeiten vom Fleisch wegzubringen. Und was haben dann irgendwelche Schlaule sich einfallen lassen? ->

    Die „schwäbische Maultasche“

    erfunden im Zisterzienserkloster Maulbronn. Damit es nicht so auffällt sollen die Mönche dort Fleisch kleingehackt und mit Kräutern in einer Nudel versteckt haben zwinkern

    Hab ich so in der Beilage der ZEIT Nr. 21 gelesen.
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  • unbekannt
    (15 Beiträge)

    21.05.2010 10:09 Uhr
    Das nehmen Sie in Kauf:
    Die industrielle Massentierhaltung hat sich zu einem effizienten, technisierten System entwickelt, in dem Tiere den Bedürfnissen der Industrie angepasst werden. Das geht bis zu dem Punkt, dass die Tiere meist ohne Betäubung verstümmelt werden: Schnäbel, Schwänze, Hörner und Geschlechtsteile werden abgetrennt, Zähne werden abgeschliffen.

    Die Tiere sind teilweise so überzüchtet, dass sie buchstäblich zu Tode wachsen (Masthühner), ihre Nachkommen nicht mehr auf natürliche Weise auf die Welt bringen können (Milchkühe) und ihnen Probleme mit Herzen und Beinen angeboren sind (Schweine). Kälber werden sofort nach der Geburt von ihren Müttern getrennt und leiden an Blutarmut, weil ihnen kaum Eisen zugeführt wird, damit sie helles Fleisch liefern. Die Brüder von Legehennen werden nach dem Schlüpfen vergast oder zerhäckselt, weil es keine Verwendung für sie gibt. Bei der Schlachtung gibt es keine Garantie dafür, dass die Tiere wirkungsvoll betäubt wurden, oder dass sie wirklich tot sind, wenn s
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  •   tok
    (7205 Beiträge)

    21.05.2010 11:17 Uhr
    richtig
    Aber auch das lässt sich beenden, wenn der Fleischkonsum auf das gesundheitlich vernünftige Maß reduziert wird. Keiner muss Vegetarier werden.

    Und ein "Veggie-Tag" ist eben nicht geeignet den Fleischkonsum zu reduzieren.
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  •   tok
    (7205 Beiträge)

    20.05.2010 23:41 Uhr
    Allgemein bekömmlich
    Unter "Food allergy" lese ich in der englischen Wikipedia:

    "Although sensitivity levels vary by country, the most common food allergies are allergies to milk, eggs, peanuts, tree nuts, seafood, shellfish, soy and wheat. These are often referred to as "the big eight." They account for over 90% of the food allergies in the United States."

    "Other foods containing allergenic proteins include soy, wheat, fish, shellfish, fruits, vegetables, spices, synthetic and natural colors, and chemical additives."

    "A very small portion of children with a milk allergy, roughly ten percent, will have a reaction to beef. Beef contains a small amount of protein that is present in cow's milk."

    Man kann's beim Essen mit allem übertreiben und sich schaden und bei Fleisch passiert das auch massenweise. Aber wenn es Allergien gegen so ziemlich alle Grundnahrungsmittel außer Fleisch gibt, sehe ich das als klaren Hinweis, dass es - in geeigneter Menge und Qualität - einfach auf den Teller gehört.
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  • unbekannt
    (11392 Beiträge)

    21.05.2010 23:37 Uhr
    Dazu sagt die deutsche Schwester...
    "Es gibt nur wenige Nahrungsmittel, gegen die Menschen fast nie allergisch sind, zum Beispiel Artischocken, Blattsalate, Kartoffeln, und jede Art von Reis."

    Also ist das die Ursprungsernährung zwinkern
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  • unbekannt
    (429 Beiträge)

    20.05.2010 22:07 Uhr
    "Wie Sie essen gar kein Fleisch?"
    "Nicht mal eine Kohlroulade? Als Kompromiss?"

    Zitat Rüdiger Hoffmann zwinkern
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  •   Makamabesi
    (2941 Beiträge)

    20.05.2010 18:31 Uhr
    Am
    "Veggi"Tag traurig geh ich nicht in die Kantine; da bring ich mir ein Buletten-Brötchen, ein Schinkenbrot und Fleischsalat mit. zwinkern grinsen
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  • unbekannt
    (1 Beiträge)

    21.05.2010 15:08 Uhr
    Humorbegabt Feiglinge
    Ohh wie witzig! schlachte doch mal selbst ein Tier nur um es zu essen. Dann wird dir das Lachen sicher vergehen. Die Bullete hat nichts mehr mit dem Tier zu tun aus dem es kommt, das beabsichtigt die Fleischindutrie auch, anstatt es zu durchschauen, läufst du einfach mit...
    Und von wegen ich weiß woher mein Fleisch kommt weil ich den Metztger genau kenne- das ändert überhaupt nichts daran das der Mensch sich an wehrlosen Geschöpfen die genauso ein Lebensrecht haben wie Menschen/ Menschen Kinder vegeht-
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