12  

Karlsruhe Ungewollter Durchfahrtsverkehr und wildes Gehwegparken: Braucht Durlach einen eigenen Verkehrsentwicklungsplan?

Ungewollter Durchfahrtsverkehr, wildes Gehwegparken – von der Raumfabrik über die Weiherstraße bis hin zur B3 zieht sich eine neue kritische Hauptverkehrsachse quer durch Durlach. Ein städtebauliches und verkehrsplanerisches Gesamtkonzept für das südwestliche Durlach wünscht sich deshalb der Ortschaftsrat. Ein wenig effizientes Stückwerk wurde seiner Meinung nach im Rahmen der Septembersitzung von den verantwortlichen städtischen Stellen vorgestellt.

Bei dem Antrag der SPD geht es explizit um den fließenden und ruhenden Verkehr in der Weiher-, Gärtner und Kanzlerstraße, für den es - nach fraktionsübergreifender Meinung - ein neues Konzept braucht. Grund dafür ist nach Meinung der Durlacher, das immer höhere Verkehrsaufkommen - besonders der zunehmende "Durchgangsverkehr" von Karlsruhe aus in Richtung B3 und das unkontrollierte Straßen- und Gehwegparken, das vor allem in Stoßzeiten für Probleme im Begegnungsverkehr sorge.

Gesamtkonzept statt Stückwerk

Eigentlich hatten Georg Gerardi und Ulrich Wagner vom Karlsruher Stadtplanungsamt gedacht, sie würden den Durlachern mit ihrem Vortrag eine zufriedenstellende Lösung des Problems präsentieren. Jedoch zeigte sich das Gremium alles andere als zufrieden mit den Ausführungen und Ideen der Stadtplaner. "Es sieht für mich aus, als ob die Stadt unseren Antrag überhaupt nicht verstanden hätte", kritisierte Hans Pfalzgraf von der SPD.

"Wir wollen eben kein Stückwerk und bekommen genau das vorgestellt. Warum sagen Sie uns immer nur was nicht geht, statt sich Lösungen für unsere Forderungen zu überlegen?" Auch die Grünen mahnten an, dass es wenig Sinn mache, einzelne Straßen gesondert zu betrachten. Schon lange fordern sie einen umfassenden Verkehrsentwicklungsplan für Durlach.

Verkehrskonzept für Durlach
Laut Analyse der Stadt kann in der Kanzlerstraße weiter auf beiden Seiten geparkt werden - mit einer Markierung als Orientierungshilfe, um zusätzlich Platz zu schaffen. | Bild: Schwitalla

Was den Durlacher Ortschaftsrat so erregte, war die Tatsache, dass nach Meinung der Stadtplaner eigentlich nur recht wenig geändert werden müsse und könne. Eine Verkehrszählung - sinnigerweise während der Sommerferien durchgeführt - hat ausgesprochen geringe Zahlen und angepasste Geschwindigkeiten ergeben, so dass allein schon deswegen der Handlungsbedarf aus städtischer Sicht gering ist.

Erst nachdem die Fraktionen und auch Ortsvorsteherin Alexandra Ries massiv protestieren, sagten die Vertreter des Stadtplanungsamtes eine neuerliche Zählung bei regulären Bedingungen zu. "Was die Parksituation betrifft, wird es in der Weiherstraße lediglich geringfügige Eingriffe geben, auch in der Kanzlerstraße ist das Gehwegparken auf beiden Seiten problemlos möglich", führte Ulrich Wagner aus. Hier sollen lediglich Markierungen angebracht werden, die dem Autofahrer das korrekte Parken erleichtern sollen.

Wenn umgebaut werden soll, fallen Parkplätze weg

Allein in der Gärtnerstraße stehen Veränderungen an. Im Bereich des Festhallenparkplatzes soll dort das Gehwegparken nur noch auf einer Seite möglich sein - auf welcher wird gerade noch diskutiert. Der Festhallenparkplatz selbst könne kaum verändert werden: Wolle man das chaotische Parksystem dort ändern, würden Parkflächen wegfallen, da die Stadt vorhandene Grünstreifen nicht für zusätzlichen Parkraum nutzen will. Eine - wie von einigen Fraktionen gefordert - Quartiersgarage sei nicht rentabel und komme daher an dieser Stelle nicht in Frage.

Verkehrskonzept für Durlach
Auf welcher Seite hier in Zukunft geparkt werden darf, muss noch eintschieden werden. Eine Seite fällt aber auf jeden Fall weg. | Bild: Schwitalla

Kein niveaugleicher Ausbau, kein durchgehendes Tempo 30 - die Vorschläge der Stadt seien nicht mehr zeitgemäß, fußten auf einem Konzept aus den 80er Jahren, so Hans Pfalzgraf von der SPD. Man könne den logischen Aufbau der Durlacher Verkehrsplanung, die in erster Linie eine Verkehrsentlastung für die Altstadt, dann einen 30er-Ring und die Erschließung durch die Weiherstraße vorsehe, nicht einfach so an einer Stelle ändern, ohne das komplette Konzept aufzulösen, konterte Wagner, der Verkehrsexperte des Karlsruher Stadtplanungsamtes.

Aber eben gerade jenes bestehende System neu zu überdenken und im Rahmen einer ganzheitlichen Verkehrsplanung auf den Prüfstand zu stellen, ist es, was unter anderem die Grünen fordern. Vielleicht sei es ja an der Zeit, den Verkehr weiter in die Rommelstraße hineinzuleiten und die Verkehrsberuhigung auf die Weiherstraße auszudehnen, regten sie an. Man könne solche Entscheidungen aber eben erst fällen, wenn man einen kompletten Verkehrsentwicklungsplan erstellt habe. Der fehle und gerade deshalb laufe die Entwicklung immer wieder ins Leere.

Quartiersgarage und kostenpflichtiges Gehwegparken?

Für eine Quartiersgarage auf dem Festhallenparkplatz machen sich weiterhin die Freien Wähler stark. Ullrich Müller fordert die Umsetzung verbunden mit einer Bewirtschaftung des restlichen Parkraumes. "Denn so lange das Parken auf der Straße nichts kostet, wird natürlich auch eine Garage nicht genutzt." Die könnte nach seiner Meinung aber einen großen Beitrag zur Entzerrung des Verkehrs rund um die Festhalle beitragen.

Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Unsere Sonderthemen
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (12)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  •   Prof.Baerlapp
    (576 Beiträge)

    24.09.2018 14:05 Uhr
    Wenn die Leute
    über Weiher- und Kanzlerstraße ausweichen, dann liegt das ja wohl vor allem daran, dass man häufig auf den Hauptstraßen nicht durchkommt. Weil dort mal wieder Baustellen sind oder wenn wie so häufig die Autobahn dicht ist und sich alles über die B3 quält.

    Die Ortschaftsräte glauben ja wohl nicht, dass die Leute zum Spaß dort durchfahren? So viel Spaß macht das ganz gewiss nicht.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   mikado46
    (121 Beiträge)

    24.09.2018 10:44 Uhr
    Über Nacht entstanden....
    Wie alle Probleme die eine politische Entscheidung verlangen, ist auch das Problem des Verkehrsaufkommens
    "Über Nacht entstanden" . Urplötzlich war es da, und kein Politiker konnte sich darauf vorbereiten.
    Siehe auch Wohnungsnot. Alles aus dem Nichts plötzlich da.
    Zumindest sieht es so aus, wenn man den Worten der Politik glauben darf.
    Kein Problem: bei der nächsten Wahl, das Kreuzchen dort setzen wo es weh tut.
    Merke : Nichts treibt den Menschen mehr an, als Überlebensangst.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Tyr
    (433 Beiträge)

    24.09.2018 09:33 Uhr
    Hauptsächlich wegen dem Vogel-Bräu
    ist diese Straße so zugeparkt und wie viele Parkplätze stellt der Vogel für seine Gäste?Ich kenne keine.
    Hauptsache sein Geschäft läuft gut für ihn.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   andip
    (9060 Beiträge)

    24.09.2018 12:02 Uhr
    Das sind wohl eher die Anwohner
    die dort alle Strassen zuparken. Deren Geschrei dürfte dann ziemlich laut sein, wenn überall das Parken eingeschränkt wird.
    Die Besucher vom Vogelbräu und auch der Festhalle kommen meist nicht mit Auto und wenn doch, dann sind die nach spätestens nach ein paar Stunden wieder weg und nachts wäre da alles frei. Ist es aber nicht.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   betablocker
    (3301 Beiträge)

    24.09.2018 13:48 Uhr
    Die Anwohner
    kommen aber nicht nachts nach Hause, sondern genau zur gleichen Zeit wenn beim Vogel das Abendgeschäft losgeht.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Berty87
    (392 Beiträge)

    23.09.2018 20:40 Uhr
    Und
    Wieso baut man nicht einfach ein kleines Parkhaus hin.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   DonHasi
    (890 Beiträge)

    23.09.2018 20:16 Uhr
    Fahrrad, E-Bike, zu Fuß, Mitfahrgelegenheit, Wasserstoffauto, eine aussterbende Bevölkerung,...
    Hat alles nichts genützt?
    Karlsruhe hat ein Verkehrsproblem. Wie konnte das nur passieren?
    Dutzende völlig unkoordinierte Baustellen.
    Ausweichstrecken die morgen schon wieder veraltet oder gesperrt sind.
    Eine Stadtverwaltung die den verstopften Verkehr lieber sanktioniert und kassiert, statt regelt.
    An "Bürgerparkhäuser" oder gar günstige ÖPNV Tarife für die Innenstadt wird kein Gedanke verschwendet.
    Dummheit und Arroganz im Bewusststein der eigenen privilegierten Situation verstellt den Blick für das wesentliche. Aber am 26.Mai 2019 ist "Zahltag". Dannach wird sich so mancher wieder einen "richtigen" Job suchen müssen. Und ein Jahr später wird´s für den "Stadionverhinderer" eng.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   DonHasi
    (890 Beiträge)

    02.10.2018 16:12 Uhr
    So viele Parkplätze
    Aber nicht nur in Karlsruhe ist man so bescheuert, lieber in Dreck und Abgasen zu ersaufen, statt Parkplätze zu bauen (Siehe Sendung Westpol vom 29.September 2018). Parkplatzproblem in NRW.

    Bonn für 90.000 Pendler 932 Parkplätze
    Essen für 100.000 Pendler 968 Parkplätze
    Köln für 220.000 Pendler 3.100 Parkplätze
    Düsseldorf 200.000 " und 1.800 Parkplätze

    Ein falscher Ansatz ist es sicherlich, dass die von mir genannten PP alle kostenlos zur Verfügung stehen.
    Das fordert bei unserer bequemlichkeit geradezu heraus um 09.00 Uhr zu anzudackeln und sich um 09.05 lauthals zu beschweren warum nix mehr frei ist.

    Laut dem Verkehrsminister von NRW ist Geld da, man hat aber schlicht "keinen Bock". Das Geld wird von den Komunen noch nicht mal abgerufen....
    Irgendwie kommt mir das bekannt vor....
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Svetogor
    (214 Beiträge)

    24.09.2018 08:16 Uhr
    .
    Glaubst du nach dem 26.06.2019 kommen bessere Leute dran?

    Nee, nee, das werden dann blos andere Spacken sein, die nur eins im Kopf haben werde: den Bürger zu gängeln, zu vera*schen und abzuzocken.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Malerdoerfler
    (4560 Beiträge)

    23.09.2018 19:42 Uhr
    Ja
    und zwar ganz schnell!
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten

Seite : 1 2 (2 Seiten)

Schreiben Sie Ihre Meinung
Ein neues Posting hinzufügen
Fett Kursiv Link Zitat
Sie dürfen noch Zeichen schreiben