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Pfinztal Unendliche Geschichte: Die Ortsumgehung Berghausen

Das älteste aufzufindende Dokument stammt aus dem Jahr 1939: Regierungsbaumeister Paul Schönig bittet in einem Brief an die "Abteilung Wasser- und Straßenbau im Ministerium der Finanzen und Wirtschaft" um Auskunft über die "beabsichtigte Führung" der Umgehungsstraße für Berghausen.

Inzwischen sind 70 Jahre vergangen und es wurden sechs Varianten von Umgehungen geprüft, abgelehnt, befürwortet und wieder verworfen. Der Schriftverkehr zwischen der Gemeinde Pfinztal, den Gemeinderatsfraktionen, Landratsamt, Regierungspräsidium, Ministerium und verärgerten Anwohnern zum Thema Ortsumgehung ist inzwischen auf zwei Aktenordner angewachsen. Jede Gemeinde, durch deren Ortskern eine Bundesstraße verläuft, weiß ihr Klagelied davon zu singen.

Lärm, Abgase sowie Wertminderungen von Gebäuden und Grundstücken sind die Folgen für die Anwohner. Berghausen trifft es doppelt: In dem Ortsteil von Pfinztal kreuzen sich die aus Richtung Heilbronn kommende B293 und die in Richtung Pforzheim führende B10.

Bei einer Verkehrsmessung, die die Gemeinde im Jahr 2005 durchführte, wurden auf der Bundesstraße 10 Richtung Grötzingen täglich insgesamt 32.000 Fahrzeuge, davon 1.600 Lkw, gezählt.  Auf der B293 Richtung Jöhlingen waren es insgesamt 13.000 Fahrzeuge und 1.200 Lkw pro Tag.

130 Lkw stündlich fahren durch die engen Straßen

Eine besondere Belastung für die Gemeinde ist der Lkw-Verkehr. Zu Spitzenzeiten passieren laut der Verkehrsmessung den Ortseingang Berghausen etwa 75 Lastwagen, an der Karlsruher Straße sind es 130 Lkw stündlich. Die hohe Brummi-Belastung wurde auch mit der Lkw- Maut und dem Mautausweichverkehr in Verbindung gebracht.

2006 ließ das Landratsamt Karlsruhe daher die B293 zwischen der B10 in Berghausen und der B35 bei Bretten für den Durchgangsverkehr sperren. Das Landratsamt begründete die Anordnung damit, Verkehrszählungen hätten belegt, dass "einige Bundesstraßen eine massive Erhöhung des Lkw-Verkehrs zu verzeichnen haben."

1983 erfolgte die Rohplanung

Die "neueren" Planungen einer Ortsumgehung begannen laut einer Chronik der Gemeinde Pfinztal im Jahr 1983. Damals schlug das Regierungspräsidium (RP) eine "Rohplanung für die Neutrassierung" vor. Der Gemeinderat stimmte dem Hopfenbergtunnel und der Wöschbacher Tal-Straße im Jahr 1993 zu.

Da der Bund Eigentümer der Bundesstraßen ist, ist er auch für deren Ausbau zuständig. Die Investitionsplanung für alle Verkehrsprojekte in Deutschland erfolgt über den Bundesverkehrswegeplan (BVWP). Die "Wöschbacher-Tal-Trasse" wurde in den vordringlichen Bedarf des  BVWP aufgenommen. Da dieser aber ein Investitionsrahmenplan, jedoch kein Finanzierungsplan ist,  stehen sämtliche Projekte unter Finanzierungsvorbehalt.

Dringlichkeit wurde herabgestuft

Am 2. Juli 2003 beschloss die Bundesregierung einen neuen BVWP, der die Wöschbacher-Tal-Trasse nicht mehr berücksichtigte. Stattdessen wurde die geplante Ortsumgehung in zwei Teilprojekte aufgeteilt. Projekt B293 sah eine Umgehung über Wössingen, Projekt B293n den Bau des Hopfenbergtunnels vor.

Beide Projekte wurden nur noch als "Vorhaben des weiteren Bedarf mit Planungsrecht" eingestuft.  Das bedeutet, dass eine Realisierung nur noch möglich ist, wenn die als vordringlich eingestuften Projekte abgearbeitet sind. Für die Planung der Verkehrsprojekte ist das Land Baden-Württemberg zuständig.

Finanzierung nicht absehbar

In seiner "Planungspriorisierung" stuft der Landtag die Umgehungspläne für Berghausen in "Teil B" ein. In der Erläuterung heißt es: "Zusätzlicher Planungsvorlauf.... Eine Finanzierung der Investitionsmittel ist nicht absehbar." Auf Anfrage von ka-news teilte Sven König vom Regierungspräsidium Karlsruhe mit, dass für die Umgehung über Wössingen derzeit eine Umweltverträglichkeitsstudie (UVS) durchgeführt wird.

König erwartet das Ergebnis Ende dieses Jahres und unmittelbar im Anschluss eine Entscheidung über die Trassenführung. Anschließend muss ein Planfeststellungsverfahren durchgeführt werden, dass "unter günstigsten Umständen ein Jahr dauert". Der "Hopfenbergtunnel" befindet sich nach Angaben von König bereits im Planfeststellungsverfahren. 2007 wurden die Pläne ausgelegt. Voraussichtlich zu Beginn des nächsten Jahres habe das RP die Einwände von Anwohnern und Naturschützern geprüft.

"Tunnel extrem teuer"

ka-news bat die im Pfinztaler Gemeinderat vertretenen Parteien um eine Stellungnahme zu den Umgehungsplänen.  "Jeder Lösung, ob Umgehungsstraße oder Tunnel, können wir nur zustimmen" so Achim Kirchenbauer von der CDU. Dagmar Elsenbusch, SPD, gibt zu bedenken, dass der geplante Tunnel extrem teuer sei.

Die SPD halte daher die Umgehung durch das Jöhlinger Tal für vordringlich. Bündnis 90/Die Grünen stehen laut Edelbert Rothweiler voll hinter der Umgehung. Den Hopfenbergtunnel lehnen sie jedoch ab:  "Damit würde man das Problem nur nach Söllingen und Kleinsteinbach verlagern."

" Viele Chancen vertan"

Mit der gleichen Begründung ist auch die Unabhängige Liste Pfinztal gegen den Tunnel. "Die Umlegung der B293 ist sinnvoll und notwendig", so Klaus-Helimar Rahn, "um Berghausen vom Schwerlastverkehr zu entlasten. Aber vom Hopfenbergtunnel halten wir überhaupt nichts."

"Viele Chancen zur Lösung der Situation sind in der Vergangenheit vertan worden" sagt Daniel Chroust von der FDP Pfinztal. "Daher setze sich seine Partei für beide Vorhaben ein.



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Kommentare (4)
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  • unbekannt
    (1456 Beiträge)

    23.11.2009 09:36 Uhr
    Tunnelkosten
    Stellt euch nicht so an! Ein Tunnel ist gar nicht zu teuer, wenn der Bürgermeister sich nur ein Denkmal setzen will. Dazu braucht's nur "unabhängige" Gutachter, ein entsprechendes Gutachten und die Nichtveröffentlichung der Zahlen garniert mit ein paar vagen Versprechungen.
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  •   sky789
    (1405 Beiträge)

    23.11.2009 11:21 Uhr
    wieder ein ver(w)irrter Kombigegner
    Die Situation in Berghausen ist wirklich unter aller Kanone, dass dann wieder für die Kombigegnerpropaganda herzunehmen - Schwachsinn. Aber so sind halt zahlreiche Gegner - hauptsache blöde Anmerkungen zu allem und hauptsach dagegen.
    Ich hoffe, dass den Bckierernim Pfinztal endlich der Wind aus den Segeln genommen wird und die Entlastung der Anwohner erfolgen kann. Von seltenen Vögeln bis ehemals günstigem Bauland (im Hinblick auf zukünftige Umgehung) dass dann heute mit allen Rechtsmitteln verteidigt wird (man hatte es ja viele Jahre schön ruhig).
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  •   zico
    (1471 Beiträge)

    23.11.2009 10:43 Uhr
    rk98
    Du bist nur Panne.......
    solche User gehören hier gesperrt, nur dumme Kommentare von "AUSWÄRTIGEN"
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  • unbekannt
    (1456 Beiträge)

    23.11.2009 11:01 Uhr
    Berghausener Zico
    Dein Ironiedetektor sollte neu justiert werden.

    Und dann denk nochmal über Deine Forderung des Sperrens nach!
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