Karlsruhe U-Strab: Jetzt Kombi-Lösung geplant

Erstmals verabschiedet hat sich Oberbürgermeister Heinz Fenrich gestern bei einer Pressekonferenz von einer einseitigen Tunnellösung in Sachen U-Strab. Das neue Schlagwort heißt "Kombi-Lösung". Dahinter verbirgt sich eine Untertunnelung der Kaiserstraße in Verbindung mit der Einbeziehung der Kriegsstraße in das Liniennetz des öffentlichen Nahverkehrs (ÖNV). Auf die bislang vorgesehenen Südabzweige des Tunnels in der Karl- und Fritz-Erler-Straße wird verzichtet. Die Kombi-Lösung soll vor allem zeit- und kostensparender als die bisherigen Pläne sein.

Die neue Alternative habe sich im Verlauf des Bürgerbeteilungsverfahrens "City 2015 - Anschluss Zukunft" entwickelt, erklärt Fenrich. Die Phase der direkten Bürgerbeteiligung war mit der Ergebniskonferenz am Samstag abgeschlossen worden. Dabei waren rund 100 per Zufallsverfahren repräsentativ ausgewählte Bürger eingeladen worden, über die bisherigen Ergebnisse zu diskutieren und Empfehlungen auszusprechen.

Fenrich: Straßenbahnen "Störfaktor Nummer eins"

Dabei hätten mehr als 90 Prozent der Anwesenden darin übereingestimmt, dass eine nachhaltige Entlastung der Kaiserstraße nur über die Untertunnelung des gesamten Bahnverkehrs zu erreichen sei. Dieses Ergebnis habe ihn in seiner Deutlichkeit selbst überrascht, so der OB weiter, der erneut für eine reine Fußgängerzone plädierte: "Eine attraktive Stadt braucht eine lebendige Innenstadt. Die City ist das Herz einer Stadt, und dieses Herz muss pulsieren. [..] Alle sind sich einig: Die Straßenbahnen in der Kaiserstraße sind der Störfaktor Nummer eins in der Innenstadt."

Während des Bürgerbeteiligungsverfahrens wurden einige Oberziele herausgearbeitet. So sei die Südentwicklung der Innenstadt ein wichtiges Anliegen der rund 800 mitarbeitenden Bürger gewesen. Neben dem Wunsch nach der Entlastung der Kaiserstraße sei auch die Umgestaltung der Kriegsstraße ein zentraler Punkt in den Arbeitsgruppen gewesen. Deren "trennender Charakter" solle durch Bahnlinien gemindert werden. Weitere Oberziele seien die Erhaltung und Weiterentwicklung der Qualität des ÖNV und die Erreichbarkeit der Innenstadt für alle Verkehrsarten gewesen.

250 Millionen Euro billiger

Soll der Vergangenheit angehören:
S-Bahnen auf dem Marktplatz (Foto: ka-news)
Um diese Vorgaben unter einen Hut zu bringen, sei nun die Kombi-Lösung entwickelt worden, erläutert Fenrich. Mit dieser würden die Hauptziele von "City 2015" umgesetzt. So entstünde zwischen Europaplatz und Kronenplatz eine reine Fußgängerzone. Mit der Erschließung der Kriegsstraße durch den ÖNV werde der Südentwicklung der Innenstadt Rechnung getragen. Eine um vier Jahre geringere Bauzeit und eine Kostensenkung von 250 Millionen Euro seien weitere Vorteile im Gegensatz zu einer reinen Tunnellösung.

Die Kombination aus Kriegsstraße und Kaiserstraße bringe darüber hinaus "gewaltige stadtgestalterische Aufwertungsmöglichkeiten". Für die Südentwicklung erhoffen sich die Verantwortlichen durch den Umbau der Kriegsstraße einen städtebaulichen Impuls. Zwei Bahnlinien, ausgegliedert aus der Kaiserstraße, sollen künftig in der Kriegsstraße verkehren. Der Individualverkehr soll dagegen teilweise unter die Erde: Mehr als die Hälfte der Autos sollen dann in einem Tunnel unter der Kriegstraße fahren.

OB erwartet breite Zustimmung

Der bisherige Zeitplan bis zum Jahr 2015 könne auch mit der neuen Lösung eingehalten werden, verspricht Fenrich. So sei der Bau des Tunnels in der Kaiserstraße ein Sechs-Jahres-Projekt, während die komplette Neugestaltung der Kriegsstraße in zehn bis 15 Jahren durchführbar wäre. Der Bau solle in Abschnitten erfolgen. Die Hauptarbeiten an den Projekten könnten nicht parallel laufen, erläutert der OB. Zwei Großbaustellen auf einmal seien für die Stadt nicht zu verkraften.

Einen Nachteil der Kombi-Lösung sieht Fenrich darin, dass am Europa- und Kronenplatz weiterhin drei beziehungsweise zwei Straßenbahnlinien oberirdisch verkehren werden, die in die Karlstraße beziehungsweise Fritz-Erler-Straße abbiegen. Auch auf die direkte Anbindung von zwei Linien an den Marktplatz werde verzichtet. Dennoch habe man die im Hinblick auf die Ziele und Forderungen "optimalste Lösung". Der OB zeigte sich optimistisch, dass diese sowohl im Gemeinderat, der den Entwurf im Juli vorgelegt bekommt, als auch bei den Bürgern breite Zustimmung finden wird.

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