Karlsruhe Studis als "Zwangsarbeiter"?

Vorschlag der CDU-Fraktion: Studenten können die Studiengebühren durch gemeinnützige Tätigkeiten abarbeiten
(Foto: ka-news)
"Die durch die Karlsruher CDU ins Spiel gebrachten Vorschläge zum Abarbeiten der Studiengebühren bei der Stadt Karlsruhe (ka-news berichtete) sind einfach nur zynisch", schimpft der Sprecher der Juso-Hochschulgruppe Karlsruhe, Michael Schmidt.

Gegen die Idee, die Kassenlage der Stadt mit Hilfe einer Erstwohnsitzkampagne für Studenten im Zusammenhang mit dem kommunalen Finanzausgleich wieder zu bessern, sei nichts einzuwenden, so Schmidt weiter, "dies jedoch mit der Ausbeutung finanzschwacher Studierender zu verknüpfen, spricht Bände über genau die Partei, die Studiengebühren erst möglich gemacht hat". In der Diskussion werde völlig außer Acht gelassen, dass die Studierenden sich eigentlich einem Vollzeitstudium widmen.

Bleibt nur die Wahl zwischen Schuldenberg und "Zwangsarbeit"?

Das gelte erst recht seit dem Sommersemester 2007, so die Juso-Hochschulgruppe Karlsruhe: Durch die Einführung von Studiengebühren seien viele Studierende verstärkt dazu gezwungen, einen zeitintensiven Nebenjob auszuführen. Einer Nebentätigkeit nachzugehen könne zwar für einen Studierenden eine große Bereicherung sein - doch zu einer solchen Tätigkeit gezwungen zu werden, öffne einerseits der Ausbeutung Tür und Tor und berge andererseits die Gefahr, dass der Studierende sich nicht mehr angemessen auf sein Studium konzentrieren kann. Geschweige denn, so Schmidt weiter, dass man so noch in studentischen Gremien mitarbeiten oder sich allgemein gesellschaftlich engagieren kann.

"Im Besonderen ist davon der jetzt schon unverschämt geringe Prozentsatz Studierender aus finanzschwachem Elternhaus betroffen", gibt Schmidt zu bedenken. Wer habe schon den Mut für die Wahl "zwischen Skylla und Charybdis" - zwischen Schuldenberg oder "Zwangsarbeit"? "Viele eigentlich geeignete junge Menschen beginnen kein Studium, weil sie Angst vor Überschuldung haben oder nicht wissen, wie sie ihr Studium finanzieren sollen", so der Sprecher der Juso-Hochschulgruppe Karlsruhe. Hinzu komme, dass ein Einsatz studentischer "Zwangsarbeiter" im öffentlichen Dienst nicht etwa "Lücken schließt", sondern lediglich von der Stadt getragene Stellen ersetzen solle. "Die Pläne der Karlsruher CDU sind letzten Endes also nichts weiter, als ein Versuch auf Kosten der Studierenden Arbeitsplätze im öffentlichen Dienst abzubauen", lautet Schmidts abschließender Vorwurf.

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