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Karlsruhe Student geht vor Gericht

Die Elite-Uni muss sich mit ihrer Vergangenheit auseinandersetzen
(Foto: ka-news)
Schlechte Erfahrungen mit der Universität Karlsruhe (TH) musste ein Student aus Mali machen, als er zu seiner mündlichen Abschlussprüfung schritt. Dort erwartete ihn eine Prüfungskommission, die gleich mehrfach gegen die Prüfungsordnung verstieß. Am gestrigen Mittwoch wurde der Fall vor dem Verwaltungsgericht Karlsruhe verhandelt.

Als der Student im April 2005 seine Prüfung im Nachdiplomstudiengang Regionalwissenschaft/Regionalplanung absolvierte, waren statt der vorgeschriebenen und ihm auch angekündigten fünf Prüfer überraschend nur vier anwesend. Darunter müssen sich laut Vorschrift drei Professoren befinden - es waren aber nur zwei da. Besonders benachteiligt wurde der Student, weil ausgerechnet die beiden Professoren fernblieben, die als Referenten für seine schriftliche Abschlussarbeit - das Herzstück der Abschlussprüfung - bestellt worden waren. Ohne deren Mitwirkung bei der abschließenden Notengebung erhielt er eine Abschlussnote, die merklich hinter seinen Studienleistungen zurückblieb. Dadurch wurden seine Aussichten auf einen beruflichen Aufstieg in seinem Heimatland erheblich beeinträchtigt.

Persönliche "Risikosphäre" ausländischer Studenten

Im Vertrauen darauf, dass eine Prüfung vor einer ordnungswidrigen Prüfungskommission keinen Bestand haben kann, wandte er sich an den Rektor der Universität und den zuständigen Minister, um die Prüfung anzufechten und ihre ordnungsgemäße Wiederholung zu erwirken. Als der monatelange Schriftwechsel ergebnislos blieb, das Geld knapp wurde, weil sein Stipendium ausgelaufen war, und der Termin für seine Rückkehr nach Mali immer näher rückte, stellte er im Juli 2005 beim Verwaltungsgericht Karlsruhe einen Eilantrag auf Wiederholung der mündlichen Prüfung, noch vor seinem für 29. September gebuchten Rückflug.

Am 20. September befand das Gericht, dass es in die persönliche "Risikosphäre" ausländischer Studierender fällt, wann deutsche Universitäten bei Verstößen gegen ihre eigenen Prüfungsordnungen eine Wiederholung der Prüfung ansetzen. Am 29. September kehrte der Student nach Mali zurück. Seitdem wartete er darauf, dass das Verwaltungsgericht über seine im August 2005 in der Hauptsache eingereichte Klage entscheidet.

Gestern wurde nun endlich der Fall behandelt, gut zweieinhalb Jahre nach der ordnungswidrigen Prüfung. Ein Urteil fiel allerdings noch nicht, weshalb die Universität zur Zeit auch noch keine Stellungnahme abgeben möchte. So lange es sich um ein laufendes Verfahren handele, könne man nichts sagen, hieß es auf Anfrage von ka-news.

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