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Karlsruhe Streit um Architektur: Weinbrenner-Gesellschaft kritisiert "Kaiser Karree"

Die ersten Mieter ziehen derzeit ins neu errichtete "Kaiser Karree" in bester Lage am Karlsruher Marktplatz ein. In einer ka-news-Umfrage im Mai dieses Jahres war die Mehrheit der Umfrage-Teilnehmer davon überzeugt, dass der Bau gut zur Weinbrenner-Architektur auf dem Marktplatz passe. Die Friedrich-Weinbrenner-Gesellschaft sieht das ganz anders.

Was würde wohl Friedrich Weinbrenner sagen, wenn der das bald fertig gestellte "Kaiser-Karree" auf der Nordseite der Kaiserstraße gegenüber des Marktplatzes zu Gesicht bekommen würde? Für die vor rund einem Jahr gegründete Friedrich-Weinbrenner-Gesellschaft steht fest: Er würde sich im Grab umdrehen. "Das Gebäude ist eher eine oberflächliche Adaption von Weinbrenners Architektur", urteilt Ulrich Maximilian Schumann, Präsident der Gesellschaft.

"Der Marktplatz besitzt keine Nordseite"

Der Bau, den das Stuttgarter Architekturbüro Lederer, Ragnarsdóttir und Oei entworfen hat, kopiere oberflächlich charakteristische Motive Weinbrenners - so beispielsweise die Rundbögen über die unteren anderthalb Stockwerke. "Das hätte Weinbrenner an dieser Stelle so nicht gemacht", ist sich Schumann sicher.

Gleichzeitig ließen die Architekten gerade das, wovon eine Weinbrenner-Fassade lebe - nämlich die Fensterrahmen mit dem Gesimse, den Konsolen und den Regendächern darüber - und was auch in der heutigen Zeit als konstruktiver Bauschutz diene, weg. So werde der Bau Weinbrenner dem "großen Mentor der Karlsruher Stadtgeschichte" in keiner Weise gerecht, ist Schumann überzeugt und geht noch weiter: "Der Marktplatz mit dem Weinbrenner-Ensemble wird durch den Bau in seinem Charakter verfälscht."

Doch nicht nur die Architekten missachten des Baumeisters grundlegende Vorstellung vom Bauen, so die Meinung der Weinbrenner-Gesellschaft. Auch die Stadt deute ihren berühmten Sohn um, indem sie die Häuserzeile auf der Nordseite der Kaiserstraße in Bebauungsplänen als "Nordseite des Markplatzes" bezeichne. "Weinbrenner strebte nie den Marktplatz als einen geschlossenen Platz an", erklärt Schumann. "Der Karlsruher Marktplatz besitzt keine Nordseite."

Neues Gebäude drängt sich in den Vordergrund

Nun fordert die Weinbrenner-Gesellschaft, die es sich auf die Fahne geschrieben hat, das Erbe Weinbrenners in der Fächerstadt zu bewahren, keineswegs den Neubau wieder abzureißen. Sie bedauere lediglich nicht in den Entscheidungs- und Planungsprozess eingebunden worden zu sein. Dieser sei quasi "durchgewunken" worden. Auch verurteile sie keineswegs, wenn moderne Baumeister Anleihen an Weinbrenner nähmen. "Die Frage ist, was von dem neuen Gebäude übrig bleibt, wenn man den Weinbrenner rausnehmen würde? Eine Schachtel."

Die Friedrich-Weinbrenner-Gesellschaft begrüße es sehr, wenn Investoren in der Karlsruher Innenstadt bauen. "Wir haben nichts dagegen, die Bausubstanz zu erneuern", betont Ulrich Maximilian Schumann. Allerdings hätte er sich einen "zeitgenössischen Bau, der sich in die Logik des Ortes einfügt", gewünscht. Diese Logik bestünde im harmonischen Nebeneinander des Weinbrenner-Ensembles, unter anderem bestehend aus dem Rathaus und der Stadtkirche, und einem zurückhaltenden Neubau an der Kaiserstraße, der nicht mit den historischen Gebäuden konkurriere, wie dies das strahlend weiße "Kaiser Karree" mache.

Mehr zum Thema:

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  • unbekannt
    (264 Beiträge)

    22.11.2011 15:09 Uhr
    gute Lösung
    Also ich finde das Kaiser Karree gelungen. Es passt vom Stil und den Proportionen zu den beiden "schönen" Seiten des Marktplatzes mit Böckeler und Schöpf. Ich sehe es als moderne Intepretation des Weinbrennerstils und finde dies völlig in Ordnung. Richtig gelungen ist dies natürlich erst, wenn die komplette Nordseite in diesem Stil bebaut ist. Das wird noch einige Zeit duaern, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass dies irgendwann der Fall sein wird.
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  • unbekannt
    (92 Beiträge)

    16.11.2011 18:24 Uhr
    Weinbrenner-Ein Mann beherrscht die Stadt-
    ............da haben die bei der Weinbrenner-Gesellschaft aber einen tollen Fang gemacht.

    Schumann heißt der.

    Ein Mann, der die Gedanken des vor 185 Jahren verstorbenen Baumeisters kennt und daher weiß, was dieser gemacht hätte oder auch nicht!

    Glückwunsch, das können bestimmt nicht viele!
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  •   ratzfatz67
    (314 Beiträge)

    16.11.2011 13:36 Uhr
    Wenn diese Menschen
    keine anderen Probleme haben...
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  •   andip
    (10399 Beiträge)

    16.11.2011 10:48 Uhr
    Auch
    Architekturstile verändern sich und entwickeln sich weiter.
    Was soll also das ewige Herumreiten auf dem,was mal vor 200 Jahren angesagt war.
    Das mag manchen zwar nicht gefallen aber auch bei Gebäuden gilt dass man über Geschmack nicht streiten kann.
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  •   womenzel
    (137 Beiträge)

    16.11.2011 10:22 Uhr
    Passt schon
    Ich würde jetzt nicht gerade sagen das mir der Neubau gefällt, aber er ist auf jedenfall besser als das was vorher an der Stelle fand. Allerdings hätte ich auch noch die Seite abgerissen wo der Bäcker etc. drin gewesen sind. Das Weinbrenner so nicht gebaut hätte mag sein. Aber er hätte heute vermutlich auch nicht mehr so gebaut wie damals.
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  • unbekannt
    (36 Beiträge)

    16.11.2011 10:05 Uhr
    .
    des wo der saturn eingezogen is.
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  • unbekannt
    (36 Beiträge)

    16.11.2011 09:12 Uhr
    baukultur...
    gibt es eignetlich auch öffentliche kritik bezüglich der ex-breuninger katastrophe ?

    wenn ich an diesem Bunker vorbeilaufe kommt mir jedes mal die Kotze hoch...wer hat das denn bitte durchgewunken ?!
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  •   mueck
    (11586 Beiträge)

    16.11.2011 10:57 Uhr
    !
    Das Ergebnis sieht m.E. deutlich besser als vorher.
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  •   tessarakt
    (2356 Beiträge)

    16.11.2011 09:43 Uhr
    Um welches Gebäude geht's?
    Der jetzige Breuninger ist jedenfalls auch ein Bunker, mit extrem schlechtem Handy-Empfang ...
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  •   tok
    (7205 Beiträge)

    16.11.2011 07:39 Uhr
    Wo bleibt
    die Kritik der Gesellschaft für die Deutsche Sprache?
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