Karlsruhe Stora Enso und EnBW

Über allem die Frage: "Warum kein Gaskraftwerk?" (Foto: ka-news)
Im Westen der Stadt regt sich Widerstand gegen das geplante Kohlekraftwerk der EnBW und den Umbau einer Verbrennungsanlage der Papierfabrik Stora Enso (ka-news berichtete). Am Donnerstagabend informierte die Bürgerinitiative "Das bessere Müllkonzept ohne Verbrennung" über die zusätzliche Umweltbelastung, die zu befürchten sei, wenn beide Anlagen wie vorgesehen realisiert werden.

"Wir werden einfach zusammenrücken, das werden wir künftig ohnehin tun müssen." Mit diesen Worten leitete Martin Ehinger, zweiter Vorsitzender des Bürgervereins Knielingen, die Informationsveranstaltung zu den Plänen von EnBW und Stora Enso ein. Geladen hatten die Bürgervereine Knielingen und Daxlanden sowie die Bürgerinitiative.

Änderungsantrag ohne öffentliche Beteiligung

Zusammenrücken tat Not, mehr als 100 Besucher drängten sich im vollbesetzten Nebenraum der Gastwirtschaft "Schwanen": Die Bewohner der westlichen Stadtteile scheinen die Besorgnis der Bürgerinitiative zu teilen. Nach deren Ansicht werden der Kraftwerksneubau der EnBW und die Verbrennungsanlage von Stora Enso eine deutliche Zunahme der ohnehin schon hohen Luftbelastung nach sich ziehen. Schon heute sorgen die Kraftwerks- und Industrieanlagen am Rhein dafür, dass Karlsruhe neben Mannheim und Heilbronn nach Aussagen der Initiative unter der höchsten Feinstaubbelastung im Land zu leiden hat.

Künftig sollen bei Stora Enso nicht nur Rinde, Holzabfälle und Papierschlämme, sondern auch Altholz unterschiedlicher Schadstoffklassen - darunter auch lackierte, verleimte oder schadstoffbelastete Hölzer - sowie Steinkohle, Straßenbegleitgrün und "qualitätsgesicherte Abfallstoffe" - Kunststoffe - in Wirbelschichtfeuerung verbrannt werden. Die Erdgasfeuerung wird dagegen nur noch für Spitzenlasten in Reserve gehalten. Für den entsprechenden Neu- beziehungswiese Umbau der bestehenden Verbrennungsanlagen bedarf es lediglich eines Änderungsantrags. Eine Beteiligung der Öffentlichkeit ist hierbei nicht notwendig.

"Warum baut die EnBW ein Kohlekraftwerk?"

Nach Ansicht von Harry Block von "Das bessere Müllkonzept erfolge die geplante Umstellung ausschließlich aus Kostengründen, eine nennenswerte Kapazitätssteigerung sei damit nicht vorgesehen. Bei nur leicht ansteigender Leistung entstünden aber deutlich mehr Schadstoffe, so Block. Hinzu komme das Endlagerungsproblem für Klärschlämme und Filterstäube sowie ein Mehraufkommen des Lkw-Verkehrs durch den Abtransport. Zudem liege der Hauptniederschlagspunkt der Stora Enso-Emissionen direkt über dem Karlsruher Stadtgebiet - über dem Städtischen Klinikum.

Aber auch EnBW will weg vom Gas - obwohl bei Gasfeuerung zahlreiche Schadstoffe erst gar nicht oder in geringerem Ausmaß entstehen. Block wies darauf hin, dass mit der Verbrennung von Kohle unter anderem große Mengen kanzerogener Stoffe wie Ammoniak, Quecksilber oder Dioxine freiwürden. Block: "Wenn es mit Erdgas einen Stoff gibt, der das gleiche Ergebnis mit weniger Schadstoffen erzielt, warum dann auf Steinkohle zurückgreifen?" Den außerdem zu erwartenden CO2-Ausstoß bezifferte Block mit acht bis neun Millionen Tonnen jährlich. Mit Verweis auf Äußerungen bei der EnBW-Hauptversammlung am Donnerstag (ka-news berichtete) sagte Block: "Das ist der 'modernisierte Atomausstieg' der EnBW: ein Kohlekraftwerk."

Papierfabrik Palm: Es geht auch anders

Dass es auch anders geht, zeige die Papierfabrik Palm im benachbarten Wörth: Dort wird Gas verbrannt, so dass trotz höheren Durchsatzes die Emissionen bei nur einem Zehntel dessen lägen, was künftig für Stora Enso zu erwarten sei.

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