16  

Karlsruhe Stimmen zum "optimierten" Gutachten - Investor will nicht in den Wildpark

Neue Bewegung ins Standbild der Stadion-Debatte brachte nach längerem Oberbürgermeister Heinz Fenrich. Am Dienstagabend legte er das Gutachten des Frankfurter Planungsbüros Albert Speer & Partner vor. Die Expertise war vom Gemeinderat angefordert worden, weil man sich von einer "Optimierungs"-Untersuchung versprach, endlich in der Planung eines umgebauten oder gänzlich neuen Stadions weiterzukommen.



Nun ist die "optimierte" Lösung da - das Stadion soll am alten Wildpark-Standort neu gebaut werden - und bittet die Wirtschaft an einen "Runden Tisch" (siehe auch: "Neue Variante fürs KSC-Stadion: Haupttribüne soll fallen"). Der soll die Finanzierungslücke schließen, die sich mit dem neuen Gutachten auftut. Vorgesehen waren rund 71 Millionen Euro, laut neuem Gutachten - in dem unter anderem der Abriss der 1993 renovierten Haupttribüne vorgesehen ist - werden es nun bis zu 110 Millionen Euro werden, anfallende Infrastrukturmaßnahmen sind dabei noch nicht inbegriffen.

Mehrbedarf an Parkplätzen wird die Kosten noch weiter in die Höhe treiben


Die CDU-Fraktion beurteilt die neu vorgelegten Pläne "grundsätzlich positiv", heißt es in einer Pressemitteilung. Jetzt müsse das Verfahren "zügig und zielgerichtet" vorangetrieben werden, um dem KSC zeitnah einen Vorschlag vorlegen zu können. Ingo Wellenreuter (MdB) setzt wiederum eigene Akzente. Im Gespräch mit ka-news sagte er: "Ich freue mich, dass wir endlich über eine neues Stadion reden und dass die verkorksten Umbaupläne mit dem neuen Gutachten vom Tisch sind."

Im selben Atemzug betont er die Bedeutung der Wahl des richtigen Standortes und bringt wieder das Gleisdreieck ins Spiel, das für "ein solches modernes Stadion hervorragend geeignet ist. Im Hinblick auf Umwelt-, Verkehrs-, Vermarktungs- und Parkplatzaspekte." Man müsse im Übrigen bedenken, dass bei den kalkulierten 110 Millionen Euro die Kosten für den Mehrbedarf an Parkplätzen bei 47.000 statt bisher rund 31.000 Zuschauern noch nicht inbegriffen sei. So kämen mindestens noch einmal 14,5 Millionen hinzu. Und bei solchen Kosten müsse man sich "wirklich gut überlegen, dass das Stadion am richtigen Standort steht und alle Probleme für nächsten Jahre und Jahrzehnte für Karlsruhe optimal löst".

Mit den Grünen kein Stadionneubau ohne Investoren aus der Wirtschaft

Die Grünen-Fraktion freut's und sie sieht sich in ihrer bisherigen Linie bestätigt. Im Gespräch mit ka-news sagte Andreas Ruthardt, sportpolitischer Sprecher der Grünen: "Es zeigt, was eh klar war: Am Wildpark ist ein modernes Stadion möglich. Auskünfte selbst ernannter Stadionexperten, dass nur außerhalb des Hardtwaldes ein modernes Stadion möglich wäre, sind im Detail widerlegt worden." Das wichtigste auch nach diesem neuen Gutachten sei allerdings, dass man weiterhin schaue, ob in der Stadionmiete noch Potenzial liegt, so dass es jenseits der Miete der Stadt noch Raum für Dritte aus der Wirtschaft gibt.

Angesichts der neuen Kostenlage sei das mehr denn je sinnvoll. Denn eines sei klar, so Ruthardt weiter: "Es geht nicht, dass 80 beziehungsweise jetzt 110 Millionen Euro in komplett städtischer Verantwortung realisiert werden." Spannend am "Runden Tisch" Ende Februar sei die Frage: "Gibt es eine Chance, einen Investor mit ins Boot zu holen?" Wenn nicht, macht Ruthardt unmissverständlich klar, werde es von den Grünen keine Stimmen für die 110-Millionen-Lösung geben.

Newport bietet sich als Investor an - aber nicht für alle Fälle


Ob ein Investor ins Boot steigt, ist in der Tat eine offene Frage. Denn derjenige, der sich in der Diskussion bislang ins Spiel gebracht hatte, macht bei einem Umbau des Stadions im alten Wildpark nicht mit. Newport Hamburg hat sich hier schon früh unzweideutig festgelegt. Holger Siegmund-Schultze, Mitglied der Geschäftsführung, sagte im Gespräch mit ka-news: "Wir wollen nach wie vor das Gleisdreieck. Der Standort Wildpark ist für uns nicht attraktiv genug." Die Lage mitten im Wald mache Mehreinnahmen durch Werbepartner und sonstige Synergieeffekte über den Ticketverkauf hinausgehend schwierig.

"Wir als Unternehmen können im Wildpark nicht investieren, das können wir so nicht verantworten." Dass man grundsätzlich allerdings "entgegen anders lautender Gerüchte" durchaus ein potenter "richtiger" Investor sei, darüber bestehe kein Zweifel, fügt Siegmund-Schultze hinzu. "Für das Gleisdreieck stehen wir bereit. Die Finanzen sind einwandfrei geklärt, das würden wir nach wie vor machen. Wir sind ein Vollblut-Investor." Im Übrigen dürfe man nicht vergessen, dass bei aller Aufregung um das optimierte Gutachten die Rechnung nicht ohne den KSC gemacht werden könne. Selbst wenn der Gemeinderatsbeschluss für einen Neubau im Wildpark eindeutig sein sollte, könne der Verein sein Veto einlegen: "Dann sind wir wieder dabei. Also: Wir sind noch nicht aus dem Rennen. Im Gegenteil."

Standort Gleisdreieck hätte "Leuchtturmeffekt" für Karlsruhe

Lüppo Cramer von der Karlsruher Alternativen Liste (KAL) gibt sich salomonisch. Das neue Gutachten zeige die bisher optimale Lösung für den Wildpark. "Aber meine Fraktion war immer dafür, dass wir ans Gleisdreieck gehen." Bisher sei diese Variante immer durch die Kostenfrage erschwert gewesen, aber mit dem optimierten Gutachten sei man inzwischen auch bei 110 Millionen Euro gelandet.

Und da sei man doch der Meinung, ob es nicht eine Überlegung wert sei, "diese Summe besser am Gleisdreieck zu investieren und ein neues Stadion mit einer viel besseren Architektur zu bauen. Ein Stadion, dass dann aufgrund seiner Lage an der Nord-Süd-Achse der Autobahn echten 'Leuchtturmcharakter' hätte und jedem, der Richtung Fächerstadt fährt, zeigt: Ah, hier bin ich Karlsruhe." Letztlich gehe es bei der ganzen Debatte nicht darum, dass einer gewinnt oder verliert, sondern "dass man als Partner überlegt: was ist das Beste für die Stadt und für den Verein?"

Der KSC ist am Zug

Von der SPD-Gemeinderatsfraktion zeigte sich der Geschäftsführer Florian Furtak überrascht, dass der Umbau des Stadions vom Tisch ist und der Neubau empfohlen wird. Man werde sich parteiintern am kommenden Montag zusammensetzen müssen, um die eigene Linie für die Gemeindesratsabstimmung festzulegen. Nach seiner Einschätzung sei die große Frage nun, wie die 20 bis 30 Millionen Mehrkosten aufgefangen werden könnten.

"Wenn das Investoren und Firmen machen - prima, dann kann man das gut schultern, wenn sich keine Investoren für den Stadionneubau im Wildpark finden, was wohl zu befürchten ist, muss das ganze zusätzlich über die Fächer-GmbH finanziert werden, diese also Schulden machen." Und das sei nun einmal nur denkbar, wenn der KSC mehr Miete bezahlt. Für Furtak im Grunde eine Anstandsfrage:"Wenn der KSC ein besseres, größeres, moderneres Stadion will als bisher, wo er dann ja auch mehr Einnahmen erziehlt, ist es nur recht und billig, wenn er auch mehr Miete bezahlt."

Ansonsten sei alles zu offen wie zuvor: Die Stadt werde mit den neuen Zahlen nun neue Vorlagen machen, dann gehe es in den Gemeinderat. Dies aber wohl erst im April, so Furtak, und dann sei der KSC wieder am Zug. "Sowohl am Tisch als auch auf dem Platz", fügt Furtak listig hinzu.

Lesen Sie mehr zum Thema KSC-Stadion im neuen ka-news-Dossier!


  
Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Das könnte Sie auch interessieren
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (16)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Der Kommentarbereich wird 7 Tage nach Publikationsdatum geschlossen.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  • unbekannt
    (505 Beiträge)

    15.02.2009 11:48 Uhr
    Newport-wer soll das sein?
    Ich finde es toll,daß das NEUE Stadion in unserem
    Wildpark gebaut werden soll.Schon als kleines Kind
    bin ich in den Wildpark gepilgert und hab mir die
    Spiele vom KSC angeschaut.Der Wildpark hat
    Tradition. Der KSC sollte dieses Angebot schnell
    annehmen,denn ich traue der Firma Newport kein
    bisschen!!! Ich frage mich warum die Newport keine
    kongreten Zahlen nennt? Ich denke eher dass von
    der Newport nur heißé Luft kommt. Im Moment ist die
    Newport doch in aller Munde-jeder kennt sie jetzt und
    wenn es soweit ist,ziehen die den Schwanz ein!!!

    Auch das ist eine Art Werbung die NICHTS kostet!

    Gruß Der Aumer
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   sule
    (60 Beiträge)

    12.02.2009 09:13 Uhr
    Stadion
    @Kasparhauser: Wird nicht die kürzeste u-bahn! Die ist in Österreich Serfaus (250m) in nem 800Einwohnerdorf! grinsen

    Es ist schon verwunderlich dass auf einmal die Aussage von NP getroffen wird sie seien Vollblutinvestor und die Finanzierung sein geklärt! Na dann los! Was besseres kann der Stadt nicht passieren! sie geben 50 mio wie im GR beschlossen für die Infrastruktur und der Wildpark geht an die Uni! Ein "Loch ohne Boden " weniger bei der Stadt! Aber ein investor will auch rendite sehen! Ergo muss der KSC auch die Miete bezahlen können! bei einem Kostenpunkt von 200Mio muss um die Abschreibung zu decken allein 4 Mio Miete bezahlt werden! zwinkern Kann das der KSC?
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  • unbekannt
    (4144 Beiträge)

    12.02.2009 00:52 Uhr
    @ringo
    Doch der OB steht auf jeden Fall hinter der kuerzesten U-Bahn der Welt!! Und die ist wirklich so unnoetig wie der beruehmte Kropf.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  • unbekannt
    (29986 Beiträge)

    12.02.2009 00:30 Uhr
    @kaalive
    Das wär was. Eine Zeitleiste von den ersten Gedanken an, mit allen Diskussionen, Beschlüssen, Gutachtenbeauftragungen usw. Und zwar nicht in Stichworten, sondern in sauberem Stil geschrieben. Allerdings dürfte es ein paar Jahre dauern bis die Praktikanten die 2000 Seiten zusammengetragen haben. grinsen
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  • unbekannt
    (3 Beiträge)

    11.02.2009 22:03 Uhr
    Zusammengefasst
    ich hab nun schon vielfach von verschiedenen Plänen und Vorstellungen der Stadt sowie vom KSC gehört ... kann mal jemandm vielleicht sogar KA-NEWS einen Bericht veröffentlichen in dem ALLES zusammengefasst erscheint in Hinsicht auf die EnBw?, Rothaus?, Newport? und vorallem den KSC ...
    Wär echt cool!
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   altruist
    (478 Beiträge)

    11.02.2009 21:06 Uhr
    Mitglied der Geschäftsführung?
    Holger Siegmund-Schultze, Mitglied der Geschäftsführung?? - Auf der Newportseite findet man zu diesem Namen nichts, beim Googeln findet man kaum was und die Äusserungen zeugen von recht wenig Sachverstand, wenn es um die rechtlichen Zusammenhänge Mieter / Vermieter geht.
    Oder meint Newport tatsächlich, dass ein Vermieter erzittert, wenn ein Geschäft, dass ihn mindestens 2,5 Mio p.a. (BNN Bericht) kostet durch die Absage des Mieters platzt?

    Wenn Newport tatsächlich Vollblutinvestor ist, sollte aus dem Norden endlich schriftliche Finanzzusagen in Höhe von rund 100 Mio kommen, anstatt nur heiße Luft zu fabrizieren.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   blaumann
    (833 Beiträge)

    11.02.2009 20:16 Uhr
    .....
    ..... aumer , ich habe es für "rheintaeler" erklärt , weil er/sie gefragt hat wo das Areal liege.
    Aber die Frage ob Newport da einfach bauen kann und darf ist berechtigt.
    Denn der Gleisbauhof , die Gärten und evtl auch die ESG Frankonia müssten ja allesamt "umgesiedelt" werden.
    Und DAS kostet dann mal richtig Kohle , denn , die Deutsche Bahn AG wird sich mit Sicherheit nicht nur das Areal bezahlen lassen , sondern auch sämtliche anfallenden Umzugskosten und was noch damit zusammenhängt , sei es ein neues Verwaltungsgebäude das die Bahn ja dann an nem neuen Standort evtl bauen müsste etc.
    Auch für die ESG müsste ein Ersatz gefunden werden , von den Kleingärten ganz zu schweigen. Nur weil es heisst Kleingärtner , heisst es sicher nicht dass die auch alle klein Beigeben werden. Es sind dort einige die einen beträchtlichen Wert aufweisen , und dementsprechend sicher auch nicht einfach so aufgegeben werden.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  • unbekannt
    (505 Beiträge)

    11.02.2009 19:48 Uhr
    blaumann
    danke-ich weiß auch wo das gleisdreieck liegt-aber die frage ist immernoch offen: woher hat die newport die zusage für das gleisdreieck ??????
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  • unbekannt
    (12 Beiträge)

    11.02.2009 19:13 Uhr
    50 Millionen für die Tonne
    Viele Vereine in Karlsruhe feierten oder feiern noch den 100. Geburtstag. Nie sieht man den KSC bei den Stadtvereinen für ein Freundschaftsspiel oder dergleichen. Der Großteil der Kinder in Karlsruhe spielt hier aber Vereinsfußball!
    Wer 50 Millionen von der Stadt und somit dem Steuerzahler will muss auch geben und nicht nur fordern! Unter diesem Aspekt muss man das auch mal sehen, zumal die Stadt die Zuschüsse für die Vereine gekürzt hat. Man könnte die Milliönchen ja auch mal unter den Breitensportvereinen verteilen. Da wäre die Freude bestimmt riesengroß.
    In diesem Jahr sind ja noch Gemeinderatswahlen, das ist die einzige Sprache, die Politiker verstehen. Man kann sein Kreuz auch ruhig mal an anderer Stelle setzen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  • unbekannt
    (5411 Beiträge)

    11.02.2009 18:18 Uhr
    kasparhauser
    tja, eigentlich und leider hast Du recht mit Hoffenheim etc., aber ist das nicht traurig?
    Das Hautproblem ingesamt: Unser OB, der nicht 100% hintendransteht, allerdings auch sinst nie und nirgends in KA.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten

Seite : 1 2 (2 Seiten)

Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.