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Karlsruhe Stadtwerke warnen vor unkonventioneller Erdgasförderung

Im Rahmen ihrer Mitgliederversammlung in Karlsruhe warnt die Arbeitsgemeinschaft Wasserwerke Bodensee-Rhein (AWBR), der auch die Stadtwerke Karlsruhe angehören, vor einer möglichen unkonventionellen Erdgasförderung im Bodensee- und Oberrheingebiet und einer damit verbundenen Verschmutzung des Trinkwassers. Die AWBR fordert unter anderem eine Aussparung sensibler Wasserschutzgebiete bei möglichen Bohrungen. Das Karlsruher Trink- und Grundwasser ist vorerst nicht betroffen.

"Do Not Drink this Water" - Trinken Sie dieses Wasser nicht - steht auf einem Zettel über einem Wasserhahn. Ein Mann dreht diesen auf und hält ein Feuerzeug an das Wasser, welches den Strahl zu einer großen Stichflamme werden lässt.

Energiehunger gefährdet Wasserschutz

Mit diesem Video (siehe Ende der Seite) leitete die AWBR, eine Gemeinschaft von über 70 Wasserwerken in fünf Ländern, in das Thema des "Hydraulic Fracturing", in Deutschland als "Fracking" bekannt, ein.

Der AWBR-Präsident Johann-Martin Rogg und Hans Mehlhorn, Chef der Bodensee-Wasserversorgung, warnten am gestrigen Donnerstagmittag in den Gastgeberräumlichkeiten der Stadtwerke Karlsruhe vor den Gefahren des "Frackings" in Baden-Würrtemberg und Deutschland. "Der Energiehunger der Welt wächst weiterhin", so Rogg. Er befürchtet zahlreiche negative Auswirkungen auf den Wasserschutz, der durch die Energiegewinnung Schaden nehmen könne.

Die neuartige Erdgasförderung, die in den USA in den vergangenen Jahren bereits einen regelrechten Boom erzeugt hat, kann auch kleinteilige regionale Erdgasvorkommen wirtschaftlich erschließen, wie etwa Erdgas, das im Schiefergestein diffus eingebunden ist. Durch eine horizontale Bohrtechnik, gepaart mit dem künstlichen unterirdischen Aufsprengen von Gesteinsformationen und unter Einsatz eine großen Menge Wasser und einer Vielzahl von Chemikalien, wird das Erdgas sozusagen aus dem Untergrund ausgetrieben, so die AWBR in ihrer Presseinformation.

Viele dieser eingesetzten Stoffe seien wassergefährdend - die Eingriffe in die Grundwasserwelt durch den Einsatz von hohem Druck unkalkulierbar. Die konventionelle Erdgasförderung bedürfe lediglich einer Anbohrung einer Gasblase, während sich die unkonventionelle wesentlich schwieriger gestalte und den Untergrund wie einen "Schweizer Käse durchlöchert", betonte Mehlhorn.

Wasserbehörden stellen sich nicht gegen Erdgasförderung

Nun seien auch die Regionen Bodensee und Oberrhein ins Blickfeld internationaler Firmen geraten, die in Deutschland Erdgas unkonventionell fördern wollen. In Baden-Württemberg sei ein britischer Investor unterwegs ("3Legs resources"), der bis 2012 über zwei Konzessionen verfüge um den Untergrund nach Erdgaslagern zu durchsuchen, teilte die AWBR um Präsident Rogg mit. Die AWBR und die Wasserwerke seien nicht grundsätzlich gegen die Förderung dieses Erdgases, welches enormes Potenzial bestitze - es müsse jedoch schnellstmöglich sichergestellt werden, dass das "Fracking" wasserschutzverträglich durchgeführt werde. "Der Grundwasserschutz hat höchste Priorität. Wasser ist unsere Lebensgrundlage", betonte Rogg bei der Pressekonferenz in Karlsruhe. Die Wasserversorgung müsse immer Vorrang zu parallelen Projekten genießen.

Mehlhorn und die dem AWBR angeschlossenen Wasserwerke und auch die Stadtwerke Karlsruhe fordern daher bei zukünftigen Erdgasbohrungen, wasserwirtschaftlich sensible Gebiete von der Erdgasförderung herauszunehmen und eine verbindliche, rechtzeitige Einbeziehung der Wasserbehörden als Einvernehmensbehörde. Dies sei bisher nicht der Fall gewesen: "Bislang werden wir von der Politik als Störfaktor wahrgenommen", so Rogg. Erst eineinhalb Jahre nach Beginn der Nachforschungen sei man durch Zufall auf eine mögliche unkonventionelle Erdgasförderung in Baden-Würrtemberg hingewiesen worde. Deshalb verlange man eine zeitnahe und umfassende Transparenz in den Prozessen. Die abschließende Forderung verlangt eine verbindliche Umweltverträglichkeitsprüfung der unkonventionellen Erdgasförderung.

Karlsruher Grundwasser vorläufig nicht in Gefahr

Mehlhorn wies zudem auf Probleme der Geothermie hin, die bereits durch konventionelle Bohrungen entstehen können. Reaktionen wie Beben oder Bodenabsenkungen könnten durch das "Fracking" noch weiter intensiviert werden. Bisher seien am Bodenseeraum und am Oberrhein noch keine Bohrerlaubnisse vergeben worden und man sei optimistisch, die zuständigen Firmen überzeugen zu können, eventuelle Bohrungen wasserverträglich durchzuführen. Genaue Ortsangaben für den Oberrhein konnten weder die AWBR noch Mehlhorn geben.

Für das Karlsruher Grundwasser bestehe zunächst keine akute Gefahr, versichert Matthias Maier, Verantwortlicher für die Trinkwassergewinnung bei den Stadtwerken Karlsruhe. Bisher wisse man nichts über Nachforschungen im Karlsruher Gebiet, wie sie bereits am Bodensee und auch in Niedersachsen stattfinden. Karl Roth, Technischer Geschäftsführer der Stadtwerke, wies zudem auf die hervorragende Qualität des Trinkwassers in Karlsruhe hin. "Wasser ist das bestüberwachteste Lebensmittel", doch es gebe immer wieder neue Gefahren wie das "Fracking" auf die man hinweisen müsse. Vorher hatte Roth die Pressekonferenz als Gastgeber der Mitgliederversammlung des AWBR die Pressekonferenz eröffnet. Bereits seit über 40 Jahren bestehe die Arbeitsgemeinschaft der Wasserwerke, welche in Karlsruhe gegründet wurde. Die Stadtwerke Karlsruhe sind Gründungsmitglied.

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Kommentare (11)
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  •   Herbert-119
    (1164 Beiträge)

    03.07.2011 21:35 Uhr
    Wasser der Stadt Karlsruhe ?
    Ist wohl durch dieses vorhaben kaum gefärdet.
    Aufsuchungsgebiete in der Bundesrepublik Deutschland, sind weit weg von Karlsruhe.
    Aber wie Sieht es mit den Investitionen der Stadt in die Erneurbaren Techniken aus ?
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  •   Herbert-119
    (1164 Beiträge)

    03.07.2011 21:14 Uhr
    So Soo
    Das Video erscheint stark Übertrieben zu sein.
    Ob da nicht etwas anderes dahienter steckt ans die Gefahr der Wasserverschmutzung ?

    Wie Sieht es mit der Gefahr für die Erneuerbaren Lobby aus.
    Es geht ums Geschäft.
    Zuviel Gas auf dem Markt lässt die Priese fallen.

    Windanlagen dienen auch nicht gerade dem Natur und Umweltschutz !
    Siehe hierzu auch....http://tinyurl.com/6gy4ojo
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (1 Beiträge)

    03.07.2011 10:20 Uhr
    Karte der Aufsuchungsgebiete
    Bei Google Maps habe ich unter anderem die Aufsuchungsgebiete von 3Legs Resources in Baden-Württemberg eingezeichnet. An den Rändern ist es naturgemäß etwas ungenauer, aber alles innerhalb der Fläche könnte potentiell mit Hydraulic Fracturing behandelt werden. Unterirdisch heißt das flächendeckend und nicht nur punktuell. Sonst läßt sich das im Gestein gebundene Gas nicht in wirtschaftlich relevanten Mengen lösen.

    http://maps.google.de/maps/ms?msid=215471204599158552957.0004a6da4b2f695ed867f&msa=0&ll=47.945786,9.64325&spn=0.816852,2.113495
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  •   Herbert-119
    (1164 Beiträge)

    03.07.2011 21:36 Uhr
    Danke
    es zeigt sich immer wieder das es sehr Informatief sein kann Kommentare zu lesen.
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (1049 Beiträge)

    02.07.2011 23:31 Uhr
    es ist gut, dass es das geballte Fachwissen
    der ka-news-Kommentatoren gibt!
    Da kann nix mehr schief gehen.
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  •   LaCage
    (2158 Beiträge)

    03.07.2011 01:25 Uhr
    jede Menge Inscheniöre hier
    Atominschenjöhre
    Tunnelinschenjöre
    und nun auch Schemieinscheniöre
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  •   alpinium
    (5613 Beiträge)

    02.07.2011 20:29 Uhr
    Von wegen absolut keine Gefahr
    Die beim Fracking verwendeten Chemikalien ist extrem toxisch auch in kleinsten Mengen. Das Zeug im Trinkwasser ausfindig zu machen ist sehr aufwendig. Und der Filterprozess ebenfalls.

    Man darf nicht vergessen, dass auch in Deutschland zahlreiche private Brunnen betrieben werden. Wir sollten mit der Resource Wasser in D sehr vorsichtig und sorgsam umgehen, wenn es zu den beschriebenen Effekten kommt, trifft es anders als in den USA nicht nur ein paar Leute sondern ganze Gemeinden ggf. auch Großstädte.

    Den großen Verharmlosern muss entgegengetreten werden.
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (4144 Beiträge)

    02.07.2011 17:28 Uhr
    Hintergrund sollte man kennen.
    In Deutschland besteht absolut keine Gefahr, da Trinkwasser grundsaetzlich euber Wasserwerke geliefert wird.
    Das Video wurde auf eine amerikansichen Farm gedreht die sich aus dem eigenen Brunnen versorgt und da kann es gelegentlich zu solchen Vorfaellen kommen.
    Diese Farmer haben aber auch immer wieder mit Schwefel ihre Probleme und das ist viel schlimmer denn Schwefeloxyd ist toedlich, kommt aber eben mal nateurlich vor und dringt gelegentlich in vorhandene Brunnen ein.
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  •   abakus
    (1066 Beiträge)

    02.07.2011 21:05 Uhr
    und woher bekommen die SW das Wasser?
    Wer liefert spielt dabei ja wohl gar keine Rolle. Egal in wessen Brunnen die Chemikalien landen, aber da ist es ehal ob Stadtwerke, Mineralbrunnen oder Privatleute das Wasser liefern...
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (1456 Beiträge)

    02.07.2011 17:13 Uhr
    In Frankreich gibt es kein Fracking!
    In diesem Punkt sind uns die Franzosen voraus, siehe z.B. hier.

    Völlig unkritisch berichtet dagegen z.B. am 3.11.2010 die Frankfurter Rundschau.

    Konzessionen sind bereits vergeben! Aber vielleicht findet sich ja ein Tunnelfreund (ob Fenrich oder S21 ist egal), der behauptet, daß das alles vor der Konzessionsvergabe doch bekannt gewesen sei und keiner Widerspruch eingelegt hätte.
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