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Karlsruhe/Salem Spekulationen um Salem

Ein herrschaftliches Anwesen: das Schloss Salem am Bodensee (Foto: pr)
Vor wenigen Jahren erst ging das Neue Schloss Baden-Baden in den Besitz einer Investorin aus Kuwait über. Seitdem ringt Fawzia Al-Hassawi mit den Verantwortlichen aus Verwaltung und Gemeinderat der Kurstadt um eine sinnvolle Folgenutzung - hochwertige Wohnbebauung im Schlossgarten etwa war schon angedacht. Jetzt kommt auch der Familiensitz des Markgrafen von Baden, Schloss Salem am Bodensee, erneut in die Diskussion. Am Wochenende verdichteten sich Meldungen, wonach Investoren aus dem Golfstaat Katar in Salem einsteigen wollen. Wird das traditionsreiche Haus Baden bald komplett von Arabern gekauft?

Schon der ursprünglich angedachte Verkauf badischer Handschriften sorgte weit über das Jahr 2006 - just zum Beginn des Jubiläumsjahrs 200 Jahre Baden - hinaus für einen internationalen Aufschrei (ka-news berichtete). Mit den Erlösen der Verkäufe sollte der Erhalt des Schlosses Salem finanziert werden.

Investorin aus Kuwait - nun auch Araber am Bodensee?

Sorgte im Jahr 2006 für viel Streit: die Absicht zum Verkauf badischer Handschriften (Foto: ka-news)
Auch ein anderer Schlossbau gleicht eher einem Trauerspiel. Wie ein greifbares Stück Geschichte des Großherzogtums Baden thront das Neue Schloss über Baden-Badens Guter Stube: dem Bäderviertel und der benachbarten Altstadt. Nachdem der Markgraf von Baden sich außerstande sah, die hohen Unterhaltskosten zu tragen, blieb die einstige Residenz dem Zerfall preisgegeben. Eine Investorin aus Kuwait gilt als letzte Hoffnung. 1995 war es - da drohte dem Haus Baden schon das erste Mal der finanzielle Ruin. Rund 130 Millionen Mark Schulden hatten sich aufgetürmt. Damals wurden tausende Kunstgegenstände aus dem Neuen Schloss auf dem freien Markt verhökert. Im Jahr 2006 schlug der Markgraf von Baden erneut Alarm: dem im Familienbesitz befindlichen Schloss Salem drohe der Verfall (ka-news berichtete). Max Markgraf von Baden und sein die Geschäfte der Familie führender Sohn, Bernhard Prinz von Baden, sehen sich demnach außerstande, dauerhaft für den Erhalt des bedeutenden Schlosses Salem am Bodensee aufzukommen.

Für den Kauf von Schloss Salem soll jetzt ein seriöses Angebot aus dem Golfstaat Katar vorliegen. Dies berichteten am Pfingstsamstag die "Schwäbische Zeitung" (Tageszeitung mit Verlagsort Leutkirch/Allgäu) und der Südwestrundfunk (SWR) aus Banken nahestehenden Kreisen. Ziel sei, in dem historischen Ensemble am Bodensee eine Schule für islamisches Finanzmanagement ("Islamic Banking") einzurichten. Die treibende Kraft hinter dem Angebot sollen mehrere Beteiligungsgesellschaften sein, bei denen ein Staatsfonds aus Katar eine maßgebliche Rolle spiele, heißt es in den Berichten. Über die Höhe des Kaufangebots gehen die Angaben auseinander. Die Rede ist von Summen zwischen 40 und 170 Millionen Euro. Die aktuelle Diskussion um das Für und Wider eines Verkaufs werde offenbar in der arabischen Finanzwelt aufmerksam verfolgt.

Sanierungsbedürftig: Salem, Familiensitz der Markgrafen von Baden (Foto: pr)

Zwar sagte am Wochenende eine Sprecherin von Bernhard Prinz von Baden, sie könne die Berichte nicht bestätigen. Man werde sich zudem auch nicht zu irgendwelchen Investoren äußern. Doch ein wirkliches Dementi klingt anders. Beobachter unken nun, das Haus Baden werde bald komplett von Arabern gekauft. Schon das Neue Schloss in Baden-Baden ging für eine bis heute nicht genannte Kaufsumme an die Investorin Fawzia Al-Hassawi aus Kuwait, die schon mehrere Millionen Euro in Sicherungsmaßnahmen investierte. Wenn das Schloss Salem zum Verkauf stünde, dann würde wohl auch die private Eliteschule Schloss Salem - an der beispielsweise Prinz Philipp - Ehemann von Queen Elizabeth - einst unterrichtet wurde, vor Veränderungen stehen.

Ullrich Müller fordert Lösungen von der Landesregierung

Die Umwandlung der Internatsschule Schloss Salem in ein deutsch-arabisches Kulturzentrum ist jedoch nach Angaben der Landesregierung "nicht sehr wahrscheinlich". Zudem hat die Schule einen nicht veränderbaren Mietvertrag für die nächsten 89 Jahre. Darauf wies jetzt die Schulleiterin hin. Unterdessen appellierte der frühere Umwelt- und Verkehrsminister Ullrich Müller (CDU), - sein Landtagswahlkreis ist der Bodenseekreis -, an die Landesregierung, die Politik müsse sich etwas einfallen lassen, "ohne dass Salem über den Tresen geschoben werde". Die Idee, das Schloss in ein Kulturzentrum umzuwandeln, nennt er eine "Philosophie, vor der man sich fürchten muss", berichtete die "Schwäbische Zeitung".

Auf einem ganz anderen Blatt steht dagegen die jetzt für Diskussion sorgende "Schule für islamisches Finanzmanagement" ("Islamic Banking"). Hartnäckig halten sich seit Tagen Gerüchte um einen Einstieg der Araber in die nicht von der Eliteschule genutzten Räume in Salem. Zwar habe es Gespräche mit einem arabischen Investor gegeben. Ein konkretes Kaufangebot liege jedoch nicht vor, teilte am Wochenende das Haus Baden mit. Die islamische Finanzlehre ist aus dem Koran abgeleitet. Sie steht im Widerspruch zur westlichen Banklehre, unter anderem durch den Verzicht auf Zinsen. Besonders in den konservativen arabischen Staaten wie Saudi-Arabien und Kuwait sei das "Islamic Banking" etabliert, sagte ein Kenner der arabischen Wirtschaft. Es setzt eine fundamentalistische Auslegung des Korans und eine entsprechende Geisteshaltung der beteiligten Personen voraus. Auch im Libanon sei das islamische Banking stark im Kommen, heißt es in Zeitungsberichten.

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