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Karlsruhe Spatenstich zur Kombilösung ist erfolgt

Mit dem Spatenstich ist heute um 14 Uhr der symbolische erste Akt zum Bau der Kombilösung erfolgt. Die Reden von Oberbürgermeister Heinz Fenrich und Ministerpräsident Günther Oettinger wurden begleitet von lautstarken Protesten von Gegnern des Projekts, die aber deutlich in der Unterzahl waren.

Nach jahrelanger Planung wird den Verantworlichen heute Nachmittag vermutlich ein großer Stein vom Herzen fallen: In wenigen Stunden beginnt mit dem Spatenstich die offizielle Bauphase des Jahrhundertprojektes. Überschattet werden die Feierlichkeiten allerdings vom Straßenbahnunglück, das sich vor genau einer Woche ereignet hat.

Während die Ermittlungen zur Unfallursache noch laufen, beginnt heute um 14 Uhr der Festakt zum Spatenstich am Europaplatz. Zu den Feierlichkeiten erwarten Oberbürgermeister Heinz Fenrich und Kasig-Chef Walter Casazza den baden-württembergischen Ministerpräsidenten Günther Oettinger und und Staatssekretär Rainer Bomba vom Bundesverkehrsministerium.

Der Platz vor der Postgalerie wurde bereits gestern für das Ereignis vorbereitet: Hinter dem Kiosk wurden Pflastersteine mithilfe eines Baggers entfernt und eine Bautafel prangt an der künftigen Großbaustelle.

Doch da die Projektvergabe noch nicht abgeschlossen ist, findet man auf der Tafel nur Angaben zur Projektleitung, die bei der Kasig liegt. Die Karlsruher Schieneninfrastruktur-Gesellschaft wies in den vergangenen Wochen mehrfach darauf hin, dass die noch nicht vollzogene Auftragsvergabe bei der Größe des Projektes keineswegs ungewöhnlich sei.

Zu dem offiziellen Teil am heutigen Donnerstag hat die Initiative "Stoppt das Millionengrab" angekündigt auch vor Ort zu sein.

Im Vorfeld zum Spatenstich hat ka-news noch einmal die Eckdaten des Großprojektes zusammengetragen:

  • Kosten: 588 Millionen Euro
  • 80 Prozent Förderung durch Bund und Land
  • Erster Bauabschnitt: Straßenbahntunnel unter der Kaiserstraße
  • Fertigstellung erster Teil: Ende 2015
  • Zweiter Bauabschnitt: Autotunnel unter der Kriegsstraße
  • Fertigstellung: 2019
  • Straßenbahntunnel: 2,4 Kilometer lang
  • Südabzweig Straßenbahntunnel: Ein Kilometer
  • Kriegsstraße: 1,4 Kilometer langer Straßentunnel

Stand 14.15 Uhr

Der Europaplatz ist zwischen der Haltestelle Europaplatz und der Postgalerie voll mit Menschen. Es sind einige Kombilösungs-Gegner erschienen, die prall gefüllte Säcke mit aufgedruckten Euro-Symbolen mitgebracht haben. Diese sollen Symbole für je 100 Millionen Euro sein. Die offizielle musikalische Untermalung des Spatenstichs wird von Pfiffen der Kombilösungs-Gegnern gestört.

Stand 14.18 Uhr

Von Seiten der Kombilösungs-Gegner erklingen "U-Strab nein"-Rufe. Vom Dach der Post-Galerie regnet Papier herab. Die eigentliche Veranstaltung hat jedoch noch nicht begonnen.

Stand 14.25 Uhr

Kombilösungs-Gegner am Europaplatz singen "Helau, wer soll das bezahlen?".

Stand 14.35 Uhr

Mittlerweile sind die Bürgermeister Margret Mergen und Martin Lenz sowie zahlreiche Stadträte eingetroffen. Der Vater des Karlsruher Modells, "Verkehrspapst" Dieter Ludwig, ist auch anwesend. Die symbolisch positionierten Helme werden weggeräumt.

Stand 14.42 Uhr

Das Mikrofon muss lauter gestellt werden. Es sind mittlerweile etwa 50 Kombilösungs-Gegner anwesend. Der Lautstärkepegel hat sich deutlich gesteigert. Die Landtagsabgeordnete von Bündnis90/Die Grünen, Gisela Splett, ist auch anwesend. Zitat OB Heinz Fenrich: "Heute ist ein großer Tag für Karlsruhe."

Stand 14.49 Uhr

Zitat OB Heinz Fenrich: "Wir beginnen mit einer neuen Zeitrechnung."

Stand 14.51 Uhr

Der Karlsruher Oberbürgermeister erntet von den Gegnern des Mega-Projekts Buh-Rufe, als er betont, dass er sich "ein zivilisiertes Miteinander" wünscht. Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger erscheint mit zahlreichen Leibwächtern.

Stand 14.58 Uhr

Staatssekretär Rainer Bomba vom Bundesverkehrsministerium: "Viele Städte im Bund wären dankbar, so ein Projekt umsetzen zu können."

Stand 15.03 Uhr

Günther Oettinger: "Ich kann Ihnen nur gratulieren, dass sich der Nahverkehr hervorragend entwickelt hat."Und:  "Die Kombilösung ist eine historische Entscheidung für Karlsruhe."

Stand 15.09 Uhr

Günther Oettinger: "Das Land trägt eventuell unvermeidbare Mehrkosten mit." Oettinger, Fenrich und Casazza schreiten zum symbolischen ersten Spatenstich.

Stand 15.30 Uhr

Die Veranstaltung zum Spatenstich ist beendet. Günter Oettinger ist gemeinsam mit den Vertretern der Stadt per Sonderzug auf dem Weg ins Rathaus. Bei Sekt und Häppchen wird sich der Landesvater dort die Füße aufwärmen können.

Während der Zeremonie kommentierte Kasig-Geschäftsführer Walter Casazza, dass auch die Kombilösungs-Gegner ihren Platz auf der Veranstaltung gefunden hätten: Dies sei gut so, da sie "die Würze unserer Arbeit sind".

OB Heinz Fenrich gab seiner Freude darüber zum Ausdruck, dass so viele Menschen zum Europaplatz gekommen seien. Positiv betonte er, dass so viele Kinder gekommen seien, da die Kombilösung vorrangig ein Projekt für die Zukunft und damit für die kommenden Generationen sei. Die Proteste nahm er gelassen: "Das gehört zur Demokratie dazu."

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  •   Greif
    (1494 Beiträge)

    27.01.2010 13:43 Uhr
    Nicht alles, was muss...
    ist auch tatsächlich der Fall. Und wenn ja, dann ist die Frage wie? Eindeutig verbindlich - mit einer Formulierung wie "eventuell erforderliche Beschleunigungsmaßnahmen werden nicht gesondert vergütet und sind daher in die Einheitspreise einzukalkulieren"; dann dürften sich die angestrebten Preissenkungen bei den Vergabeverhandlungen ganz erheblich reduzieren - und vielleicht noch während der Bauausführung die Frage aufwerfen, was denn als "eventuell erforderlich" erkennbar und damit kalkulierbar war .
    Oder nur vermeintlich verbindlich; dann findet die Firma eine Möglichkeit das ganze als 'ausschließlich informativ' abzutun - mit allen Folgen für Kosten und Termine.
    In beiden Fällen sollte mit Streitfällen gerechnet werden. Und da wäre die Stadt Karlsruhe bzw. die Kasig nicht der erste Bauherr in meinem Berufsleben, der einen (vom Bauwesen relativ "unbelasteten") Richter findet, der nicht seiner Meinung ist.
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  • unbekannt
    (48 Beiträge)

    22.01.2010 15:21 Uhr
    Nur um...
    ...das mal in den Raum zu werfen, weil einige von der "guten" finanziellen Lage etc sprechen:
    Schaut euch mal die Haushalte und mittelfristigen Finanzplanungen an, man wird gespannt sein, ob das Geld in 5-6Jahren immernoch da sein wird!

    Die staatliche Rekordverschuldung hat viel mit den Kommunen zu tun, da eben solche Fördermaßnahmen - auch Stuttgart 21, Ausbau diverser Autobahnen etc - aus Geldern bezahlt werden, die der Staat und somit auch die kleinen Bausteine aus denen er besteht nunmal nur über Kredite und noch mehr Kredite zusammenbekommt!

    Dann lieber die Fortschritte noch ein Weilchen ruhen lassen (das notwendigste mal ausgenommen) und sich mehr für die Bildung und den Arbeitsmarkt engagieren, dass die Schuldenuhr vielleicht mal gaaaanz gaaaanz gaaaanz langsam wieder in die andere Richtung tickt!

    Sparsamkeit, Wirtschaftlichkeit und Gesamtdeckung (die zu allerletzt aus Krediten finanziert werden soll) stehen in der GemO - nur gilt das momentan nur auf dem Papier!!!
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  •   Sput
    (1023 Beiträge)

    25.01.2010 10:41 Uhr
    Hm.
    Investitionen in Bauprojekte sind, gerade in Krisenzeiten, also keine Investition in den Arbeitsmarkt und die Wirtschaft? Sollte man also in Zeiten wie diesen die öffentlichen Ausgaben weiter zurückfahren, damit noch mehr Baufirmen und Industriebetriebe den Bach runtergehen?

    Ja, das hilft sicher gegen die Verschuldung. Die paar neuen Arbeitslosen bezahlen wir ja dann aus der Portokasse.

    Mal im Ernst, ne halbe Milliarde in ein langfristig sinnvolles und wertschöpfendes Projekt zu stecken finde ich wesentlich sinnvoller, als 5 Milliarden in die Verschrottung fahrtüchtiger Autos und die japanische Automobilindustrie zu investieren. Vom Tunnel profitieren wir immerhin alle, und das langfristig.

    Und ich hab es auch lieber, wenn die Konjunkturspritze in den ÖPNV statt in neue Autobahnen geht.
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  • unbekannt
    (55 Beiträge)

    22.01.2010 10:42 Uhr
    nanu?
    hieß es hier nicht gestern noch "heute ohne Unterschrift"???
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  •   udoh
    (1727 Beiträge)

    22.01.2010 10:19 Uhr
    Alle wollen die Lösung ;-)
    Aber KEINE U-Strab zwinkern
    Die ist schließlich nicht der Teil der was "löst" zwinkern

    Zu den Mehrheiten kann ich wieder nur sagen:
    WER will die Abstimmung?

    Zu den Schimpansen und Westseite des Euros:
    An der Westseite waren schließlich die ganzen geladen Gäste der Hr. Fenrich. Somit waren natürlich auch Befürworter da - logisch!

    Im Ostteil standen auch ein paar Befürworter des Grabes, allerdings sind deren Beschimpfungen nicht "druckreif". Aber als Schimpansen zwinkern Nee, einfach gestrickt habe ich mir gedacht, als mir das "Stoppt das Millionengrab" Plakat mal wieder aus den Händen gerissen wurde und auf dem Boden lande und die Agression gegen Leute die "..den Aufstieg zur Weltstadt verhindern wollen ..." spürbar wurde.
    Sah nett zerflettert aus am Ende ;-(
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  • unbekannt
    (55 Beiträge)

    22.01.2010 11:34 Uhr
    Plakat aus den Händen gerissen?
    Gegner zerflettert?
    Wie kann denn das passieren? Dachte die Kombilösiungsgegner haben mords den Rückhalt in der Bevölkerung und sprechen für das Volk.
    Jedenfalls haben sie mal "Wir sind das Volk" im Rathaus gerufen....
    und jetzt das?
    Will "das Volk" vielleicht doch nicht, daß udoh für es kämpft und demokratisch getroffene Entscheidungen verhindert????
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  •   udoh
    (1727 Beiträge)

    22.01.2010 11:41 Uhr
    Hat irgendjemand abgestritten...
    dass es 2 Meinungen über das umstrittene Projekt gibt?
    Gäbe es nur eine wäre es doch garnicht umstritten.

    Die Unterschiede in der "Überzeugtheit", Gründe und Art diese Kund zu tun sind natürlich auch verschieden.

    Das wenigstens könnte unumstitten sein - oder?
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  • unbekannt
    (55 Beiträge)

    22.01.2010 12:16 Uhr
    aha!
    aha! Es gibt also zwei Meinungen zur Kombilösung, wenigstens das ist udoh jetzt klar!

    Also, wenn es zwei Meinungen gibt, muß man halt rausfinden was die die Mehrheit will und das dann halt machen.
    2002 wurde gefragt was die Mehrheit will,
    Ergebnis sollte bekannt sein!
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  • unbekannt
    (11 Beiträge)

    22.01.2010 12:31 Uhr
    Und 1996 ???
    70 % Nein!!!!
    Was auch auffälig war die Befürwörter sind meist ältere Leute die dafür später nicht mehr bezahlern müssen!!
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  •   haku
    (3997 Beiträge)

    22.01.2010 14:02 Uhr
    1996 ging es nicht um die Kombilösung
    Der Planung von 1996 konnte ich nicht zustimmen. Viel Geld wäre verbuddelt worden, aber subjektiv wäre die Situation in der Fußgängerzone gleich geblieben. 2002 wurde dann über die Kombilösung abgestimmt und beschlossen. Eine modifizierte Planung, der ich zustimmen konnte. Das hat nicht mit "abstimmen lassen bis das Ergebnis stimmt" zu tun. Genau das aber wäre ein Bürgerentscheid 2009/2010 geworden. Der Punkt Finanzlage: Wie war die vor ein paar Jahren und wie wird die in ein paar Jahren vielleicht sein? Bei so langfristigen Projekten darf man nicht kurzfristig denken. Gerade bei Infrastrukturprojekten nicht.
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