Karlsruhe/Frankfurt Sparkassen Informatik

Die Streiks bei der Sparkassen Informatik (SI) werden weiterhin fortgesetzt. Soweit nichts Neues (ka-news berichtete). Vom Sparkassenkunden bislang weitgehend unbemerkt, könnte laut der Gewerkschaft Verdi der bislang größte Arbeitskampf bei einem deutschen IT-Unternehmen bald aber unangenehme Folgen haben: nicht funktionsbereite Kontoauszugsdrucker und Geldautomaten.

Am gestrigen Mittwoch kündigte die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) in einer Pressemitteilung an, dass die SI-Beschäftigten an den Standorten Karlsruhe, Köln, Duisburg und Mainz bis zum 3. September erneut zur Arbeitsniederlegung aufgerufen wurden. Begleitet wird der Streik von öffentlichen Aktionen wie Protestkundgebungen vor Sparkassen. Damit geht der Ausstand in die 14. und 15. Woche.

SI glaubt nicht an Ausfälle

Aufgrund dieser ungewöhnlich langen Dauer könne künftig nicht ausgeschlossen werden, dass Kunden der Sparkasse vor nicht funktionierenden Geldautomaten und Kontoauszugsdruckern stehen. Verdi widerspricht damit der Darstellung der SI-Geschäftsführung, die stets betont hat, die Sparkassen bekämen vom Streik nichts zu spüren. Verdi-Sekretär Jochen Höpken sieht das anders: Mittlerweile blieben mehrere Tausend Service-Anforderungen, so genannte "Tickets", aus Sparkassen unbearbeitet liegen; für die Bank wichtige Projekte seien "akut gefährdet".

Bei der SI indes hält man dieses Szenario für wenig glaubwürdig. "Das behauptet Verdi seit 13 Wochen", erklärt Pressesprecher Volkmar Mrass auf ka-news-Anfrage, bislang aber sei noch nichts dergleichen eingetroffen. Auch künftig sei nach Einschätzung des Unternehmens nicht mit endkundenrelevanten Auswirkungen des Streiks, also Ausfällen oder Störungen bei Geldautomaten, Internetbanking oder Kontoauszugsdruckern, zu rechnen.

Verhärtete Fronten, widersprüchliche Aussagen

Die Verantwortung für eventuelle Schäden gibt Verdi der SI-Geschäftsführung. Ihr nämlich wirft die Gewerkschaft vor, sich bis heute zu weigern, Verhandlungen über einen "fairen Ausgleich der Interessen" aufzunehmen. Auch in diesem Punkt widerspricht Mrass. Verdi habe am 23. Mai ein Gespräch platzen lassen und rufe zudem trotz eines laufenden Einigungsstellungsverfahrens, an dem auch ein Verdi-Vertreter beteiligt ist, zum Streik auf. Die Geschäftsführung sei an einer Einigung sehr interessiert und habe einen Entwurf für einen Sozialplan für die betroffenen Beschäftigten vorgelegt.

Weiterhin sei die Verdi-Forderung, Änderungskündigungen bis 2017 auszuschließen, "nicht akzeptabel", da dies einer Verschiebung der unternehmerischen Entscheidung um zehn Jahre gleich käme. Dadurch würde die Umsetzung der "Standortbündelung", also der geplanten Schließung mehrerer Standorte, darunter Karlsruhe, faktisch verhindert. Sämtlichen Betroffenen habe man einen Arbeitsplatz an einem anderen Standort zu gleichen Konditionen angeboten.

Stellenabbau durch die Hintertür?

Doch genau dieser Darstellung mag Verdi nicht trauen: So wird vermutet, die SI-Geschäftsleitung spekuliere darauf, dass etwa 50 Prozent der Mitarbeiter nicht an andere Standorte wechseln würden. Auf diese Weise, so Verdi, könnte das Unternehmen versuchen, Personalkosten einzusparen (ka-news berichtete). Für das Scheitern der Verhandlungen im Mai indes macht die Gewerkschaft ihrerseits die Geschäftsführung des IT-Dienstleisters verantwortlich. Gerald Herrmann, Verdi-Bundesfachgruppenleiter Sparkassen, bezeichnete den SI-Sozialplan unlängst gegenüber ka-news als "in Teilen nicht marktfähig" und "ungenügend" (ka-news berichtete).

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