Karlsruhe Sören Anders: jüngster Sternekoch Deutschlands

Ein Blick in den "Guide Michelin" genügt, um sich zu überzeugen: Karlsruhe hat einen Sternekoch - und zwar den jüngsten Deutschlands. Sören Anders heißt der erst 25-jährige Meisterkoch, der seine kulinarischen Kreationen den Gästen in der Oberländer Weinstube serviert. Trotz des Medienrummels hat der neue Stern am Kochhimmel keine Starallüren: "Ich steh' auch mal an der Spüle."

Locker und fröhlich kommt Sören Anders zum Interview. Doch schnell wird klar: Der junge Koch hat seine Küche fest im Griff. Das muss er auch. Schließlich erfüllt er höchste Ansprüche und beweist, dass der Stern keinesfalls ein Zufall ist. "Es ist ein ziemlich hoher Druck, denn die Gäste erwarten immer etwas Besonderes", weiß Anders. "Jeden Tag muss ich mit meinem Team eine perfekte Leistung bringen. Mit Passion und Disziplin klappt das auch."

"Wie kann man's Anders machen?"

Neben der Disziplin sind Respekt und Ehrgeiz die wichtigsten Dinge für Anders. Aber auch der Spaß darf nicht zu kurz kommen. Weder in der Küche, noch bei seinen Gästen. "Wenn unsere Gäste vergnügt sind, dann habe auch ich mein Vergnügen." Das will er mit seinen Kreationen auch erreichen. Sei es "Pfälzer Lammrücken mit Süßkartoffeln und Kümmel-Lakritz-Aromen" oder "Entrecôte mit Pastinaken, geschmorter Askalon Zwiebel und Mohrenpfefferjus".

Seine Gerichte kreiert er spontan: "Da geht man über den Markt und sieht, heute gibt's Topinambur, grünen Apfel und rote Bete. Da setzen wir noch eine Jakobsmuschel dazwischen und schon haben wir ein perfektes Gericht." Bevor es in der Speisekarte steht, experimentiert Sören Anders mit seiner riesigen Gewürzsammlung. Kräuter, Gewürze und Essenzen sind seine wichtigsten Zutaten. "Ich koche zum Beispiel sehr gern mit Lakritz. Natürlich lege ich da keine Lakritzschnecke auf den Teller." Vielmehr sucht Anders nach ganz eigenen Mischungen. So beantwortet sich dann auch die Frage "Wie kann man's anders machen?" - und das eben im doppelten Sinne.

Schon mit drei Jahren schwang Anders in der heimischen Küche im hessischen Haiger den Kochlöffel. Seine Eltern waren allerdings nicht sonderlich begeistert, dass der Sohn sein Hobby zum Beruf machen wollte. Trotzdem ging der Filius für seine Kochlehre in den Westerwald.

"Newcomer des Jahres" und "Gentleman des Monats"

Von da an pflasterten erfolgreiche Sterne seinen Weg. Von Jörg Sackmann in Baiersbronn ging er zu Thomas Bühner ins "La Vie" nach Osnabrück und zu Helmut Thieltges nach Wittlich ins "Sonora". Nach der Meisterschule in Heidelberg kam der Spitzenkoch im Februar 2010 nach Karlsruhe in die Oberländer Weinstube. Schon im November adelten ihn die Tester des "Guide Michelin" mit dem Stern. Seitdem häufen sich die Auszeichnungen: "Newcomer des Jahres" im "Gusto" und der "Focus" präsentiert ihn als einen der 100 einflussreichsten Deutschen - gleich hinter dem Papst, Helmut Schmitt und Angela Merkel. In der Frühjahrsausgabe der "GQ" steht er als "Gentleman des Monats".

"Bei mir selbst hat sich nur wenig geändert", sagt Sören Anders über sein Leben seit den letzten Monaten. "Und doch ist alles anders geworden." Besonders was das öffentliche Interesse angeht. "Noch vor einem halben Jahr hätte keiner wegen eines Interviews angerufen." Jetzt sitzt er bei Frank Elstner in "Menschen der Woche" und kocht in vielen Töpfen, die auf prominenten Bühnen stehen – zum Beispiel mit Harald Wohlfahrt und Lea Linster. Eine TV-Kochsendung ist noch nicht dabei. Allerdings würde der junge Sternekoch nicht "nein" sagen, wenn sich Markus Lanz morgen bei ihm meldete.

"Baden-Württemberg ist für mich ein Paradiesgarten"

Trotz aller Prominenz scheut sich Sören Anders nicht vor den einfachen Arbeiten in der Küche. "Heute habe ich Pastinaken, Karotten und Topinambur geschält. Und wenn nötig, puhle ich auch mal Muscheln." Abheben ist nicht die Sache des bodenständigen Hessen. "So bin ich nicht. So will ich nicht sein und auch nicht werden."

Urlaub war für ihn im vergangen Jahr ein Fremdwort: "Aber immerhin hatte ich zwei Tage frei." Mit dem Stern fällt es ihm schwer abzuschalten. Dass es ihm trotzdem so wenig auszumachen scheint, liegt auch an seinen "Jungs". Das Durchschnittsalter der Küchenbrigade liegt bei 21 Jahren. Anders ist mit 25 der Älteste. Mit ihnen teilt er nicht nur die Küche, sondern - wenn es passt - auch mal den Weihnachtsbaum: "Das ist wie eine Familie. Wir stehen zwölf oder vierzehn Stunden auf engem Raum in der Küche. Da weiß man vieles voneinander."

Sören Anders bezeichnet sich selbst als regionalen Produkt-Enthusiasten: "Ich freue mich, wenn ich schönes Gemüse sehe." Deshalb fühlt er sich in Karlsruhe gut aufgehoben. "Baden-Württemberg ist für mich ein Paradiesgarten, was die frischen Produkte angeht." Na dann, herzlich willkommen im Paradies.

Beschreiben Sie sich mit drei Worten.
Aktiv - verrückt - liebenswert

Was ist Ihre größte Stärke, was Ihre größte Schwäche?
Ausdauer und Ungeduld

Lerche oder Eule? Sind Sie Frühaufsteher oder Nachtmensch?
Eher ein Rund-um-die-Uhr-Vogel

Was war als Kind oder Jugendlicher Ihr Traumberuf? Haben Sie jemals daran gedacht, das zu werden, was Sie heute sind?
Koch … ich wollte noch nie was anderes werden.

Wenn Sie in Ihrem Leben etwas noch einmal machen könnten, was wäre das?
Eigentlich alles. Alles war bisher gut.

Sie schlagen morgens die Zeitung auf. Welche Schlagzeile würden Sie gerne über sich lesen?
Das ist mir nicht so wichtig. Aber vor kurzem die Schlagzeile "Karlsruhe isst Anders" fand ich schon cool.

Auf welchen Gegenstand möchten Sie im Leben nicht verzichten?
Zauberstab … der läuft und läuft und läuft!!!

Wen würden Sie gerne auf den Mond schießen?
Niemanden. Ich mag die Menschen um mich herum.

Wenn Sie Ihr eigener Mitarbeiter wären, was würde Ihnen besonders an Ihnen auffallen?
"Ohne Worte"

Sie tauschen einen Tag mit einer Person des anderen Geschlechts – wer wäre das?
Queen Mum, sie hat jeden Tag einen Gin Tonic getrunken und wurde damit 101 Jahre alt.

Was würden Sie ändern, wenn Sie König von Deutschland wären?
Brauchen wir einen König? Das geht doch auch Anders.

Sie werden als Tier geboren. Als welches?
Das muss nicht wirklich sein.

Was finden Sie an Karlsruhe reizvoll?
Die vielen interessanten Menschen hier.

Deutschland gilt auch als das Land der Nörgler und Perfektionisten – warum würden Sie dennoch einwandern?
Weil ich selbst einer dieser Perfektionisten bin.

Sekt oder Selters – welches Getränk geht bei Ihnen nie aus?
Hmm … beides nicht.

Was bewegt Sie dazu, vom Sofa aufzustehen?
Welches Sofa ….??

Meer oder Berge – Action oder Entspannung im Urlaub?
Beides wäre mal wieder gut.

Welche Sprache würden Sie gerne noch lernen?
Neuseeländisch, weil mich das Land fasziniert.

Kommen Sie in den Himmel oder in die Hölle?
Was soll ich im Himmel, Halleluja singen?

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