Karlsruhe "Skandalöser Vorgang"

Die sonnigen Zeiten für den Karlsruher SI-Standort sind vorbei (Archivfoto: pr)
Das Ringen um den Erhalt des Standortes Karlsruhe der Sparkassen Informatik (SI) war vergebens. Auf der gestrigen Gesellschafterversammlung wurde beschlossen, vier SI-Standorte in Deutschland zu schließen, darunter auch der in der Fächerstadt. 430 Arbeitnehmer sind hier davon betroffen. Wenn mindestens die Hälfte davon kündigen, geht die makabre Rechnung der Gesellschafter auf.

In Karlsruhe will der Betriebsrat jedoch nicht ohne Weiteres diese Entscheidung akzeptieren. Marco Tamburlin, Vorsitzender der Arbeitnehmervertretung, erklärte gegenüber dem Sender Hit1, es lohne sich für den Erhalt des Standorts zu kämpfen. "Wir haben Zahlen und Fakten, die belegen, dass es sich lohnt", so Tamburlin wörtlich. Schon zu Beginn der Spekulationen um eine drohende Schließung des Standortes zeigte sich der Betriebsrat kämpferisch, fühlte sich indes aber auch verlassen von der Politik.

"Schließung schwer nachvollziehbar"

Vor einem knappen Jahr kritisierte der Betriebsrat bereits die Haltung der Politik und der Stadtverwaltung Karlsruhe (ka-news berichtete). Die Interessen des Firmenstandorts Karlsruhe würden nicht gewahrt werden, lautete der schwerwiegende Vorwurf. "Man muss die Region wachrütteln!", appellierten Arbeitnehmervertreter. Schon damals befürchtete man den Verlust vieler Arbeitsplätze in Karlsruhe. Dass die Sorgen nicht aus der Luft gegriffen waren, zeigt sich nun heute.

Auch in der Politik stößt die Entscheidung auf Unverständnis. "Es ist schwer nachvollziehbar, wieso der Standort geschlossen wird", urteilt die Landtagsabgeordnete Katrin Schütz (CDU). Gerade mit der erst kürzlich prämierten Elite-Uni im Hintergrund biete Karlsruhe beste Bedingungen für Hightech-Unternehmen, da sie ihren Nachwuchs direkt aus Uni-Abgängern rekrutieren könnten. Es lohne sich, für den Standort auch weiterhin zu kämpfen, meint sie hinsichtlich Tamburlins Absichten, auch wenn sie es für sehr schwierig hält, die getroffene Entscheidung wieder rückgängig zu machen. Aber: "Jeder Arbeitsplatz, der die Region verlässt, ist eine Schwächung" und hier handle es sich, so formuliert Schütz es salopp, um einen "Haufen Arbeitsplätze."

Politischer Druck muss bleiben

Wie Schütz haben sich auch andere Landtagsabgeordnete für den Erhalt des Standortes eingesetzt, darunter die Karlsruher Abgeordneten Manfred Groh (CDU), Johannes Stober (SPD), Renate Rastätter (Grüne) und Gisela Splett (Grüne). In einer gemeinsamen Erklärung zweifelten die Politiker daran, dass von den beteiligten Sparkassenverbänden und Gesellschaftern in der Region längst nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft wurden (ka-news berichtete). In dieser Erklärung wurde auch für den Erhalt des Fellbacher Standortes der SI plädiert. Fellbach ist nicht unter den vier geschlossenen Standorten.

Stober (SPD) versucht zu retten, was zu retten ist (Foto: ka-news)
Mit der getroffenen Entscheidung zeigt sich der SPD-Abgeordnete Stober äußerst unzufrieden. "Ich bin entsetzt", so erklärt er gegenüber ka-news. Gerade weil, so Stober, die Sparkassen Teil der öffentlich-rechtlichen Hand seien und viele kommunale Gesellschafter in den Gremien säßen. Verantwortung für den Erhalt der Einrichtung sei hier nicht wahrgenommen worden, urteilt Stober. Die eigenen Möglichkeiten als Abgeordneter haben man ausgereizt, verweist Stober auf die gemeinsame Erklärung der Abgeordneten. Der politische Druck müsse jedoch jetzt aufrecht erhalten bleiben, um in Karlsruhe noch zu retten, was zu retten ist

Neben Karlsruhe werden auch die Standorte Mainz, Köln und Duisburg geschlossen. Insgesamt sind davon 1.400 Mitarbeiter betroffen. Für diese gilt eine Beschäftigungsgarantie bis 2011. Ihnen bleibt jedoch nur der Umzug an andere Standorte. Im Vorfeld rechnete die Unternehmensberatung Booz Allen Hamilton den Gesellschaftern der SI vor, es ließen sich bis zu 71 Millionen Euro durch die Schließungen sparen. Das Kalkül war, dass etwa die Hälfte der Beschäftigen nicht an einen neuen Standort umziehen würden und statt dessen das Unternehmen verließen - Spekulationen mit dem Schicksal der Arbeitnehmer, die für Schober schlicht "skandalös" sind.

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