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Karlsruhe-Neureut SPD: "Wir brauchen keine zweite Rheinbrücke!"

Mit dieser eindeutigen Aussage präsentierten sich der Karlsruher SPD Landtagsabgeordnete Johannes Stober und seine Parteigenossen Regina Schmidt-Kühner und Daniel Melchien am Mittwochabend in der Badnerlandhalle. Die drei Sozialdemokraten, die sich alle für eine Kandidatur um ein Landtagsmandat im Wahljahr 2011 bewerben, nahmen öffentlich Stellung zu der umstrittenen Rheinquerung im Karlsruher Westen.

Klare Worte fand Johannes Stober für die Politik der Landesregierung, die keinen Lösungsvorschlag für die dringend sanierungsbedürftige Rheinbrücke habe. Denn auch mit einer zweiten, nördlich gelegenen Querung bleibe die Sanierungsnot der ersten Brücke ja bestehen. Zur Realisierung des Großprojekts sei zudem immer wieder in übler Art mit den Ängsten der Menschen gespielt worden.

Der Parlamentarier vermutet hinter dem Druck der Rheinbrücken-Befürworter andere Interessen: "Hier geht es darum, dass der transeuropäische Verkehr auf einer Autobahn-ähnlichen Straße durch die Stadt Karlsruhe geführt werden soll". Dabei zeigte sich Stober verärgert, dass im gleichen Atemzug dem Bau des Rastatter Eisenbahntunnels, der für den Fernverkehr extrem wichtig sei, von Landes- und Bundesebene eine Absage erteilt wurde. So werde das Ziel verfehlt, möglichst viel Güterverkehr auf die Schiene zu bringen. Stober: "Das ist unredliche und unseriöse Politik!"

Regina Schmidt-Kühner aus der Karlsruher Weststadt stellte die Notwendigkeit einer zweiten Rheinbrücke für Karlsruhe in Frage. Die Prognosen der Verkehrsentwicklung seien nicht eingetroffen. Statt 100.000 Fahrzeugen pro Tag im Jahr 2010 seien es laut aller Zählungen 20 bis 25 Prozent weniger, die den Rhein täglich überqueren.

Notwendig sei die neue Brücke nur für den Fernverkehr auf der Straßenlinie München/Stuttgart nach Saarbrücken. Die ehemalige Landtagsabgeordnete warnt besonders vor einem wachsenden Druck zu einer Nordtangente durch den Hardtwald. Durch den neuen Fernverkehrsweg würden zukünftig Forderungen nach zusätzlichen Straßen laut werden. Außerdem wäre Knielingen zwischen zwei Schnellstraßen in der Zange. "Das müssen wir verhindern", so Schmidt-Kühner.

"Keine nennenswerte Entlastung"

Daniel Melchien attackierte den Bundestagsabgeordneten und Vorsitzenden der CDU Karlsruhe Ingo Wellenreuther: "Herr Wellenreuther traut sich nicht, zu sagen, was er eigentlich möchte - nämlich den Hardtwald durchschneiden, da ein Tunnel zu teuer ist". Wellenreuther habe lediglich die Interessen seiner Klientel im Blick.

Melchien räumte ein, dass einige Stadtteile gegenwärtig durch die Südtangente strak belastet seien, jedoch hätten mehrer Gutachten ergeben, dass ein Abzweig mit neuer Rheinbrücke "keine nennenswerte Entlastung" bringen würde. Außerdem sei die Annahme eines stetig steigenden Verkehrs falsch, da dieser eher stagniere. Vielmehr könne man durch neue Wege auch neuen Verkehr schaffen. "Ich lehne ab", lautete das Votum des jungen Weststädters, das er mit dem Appell ergänzte: "Wir dürfen nicht zulassen, dass die Interessen der Stadtteile gegeneinander ausgespielt werden".

Alternative Brückenplanung bereits eingereicht

Die drei Sozialdemokraten waren zu Gast beim SPD-Ortsverein Neureut, der auf der Veranstaltung seinen Vorschlag zu einem alternativen  Sanierungskonzept der bestehenden Rheinbrücke präsentierte. Dabei soll zwischen die bestehenden Auto- und Eisenbahnbrücken eine Erweiterung um eine dreispurige "halbe Brücke" gebaut werden, über die der Verkehr in der Bauphase einer weiteren "halben Brücke" an der Stelle der bisherigen Brücke geleitet würde. Beide "Halbbrücken" zusammen ergäben am Ende die neue Rheinbrücke. Der Vorschlag wurde von Johannes Stober bereits bei der Landesregierung eingereicht.

Die Vorlage einer alternativen Planung sei die Voraussetzung, um gegen den Bau der zweiten Rheinbrücke vorzugehen, erklärte Regina Schmidt-Kühner. Zwar könne der Gemeinderat beliebige Beschlüsse fassen, diese könnten jedoch nur symbolisch sein, da das Projekt im Verwaltungsbereich von Bund und Land liege. Nach Johannes Stobers Einschätzung hätten die Karlsruher die Möglichkeit, gegen den Planfeststellungsbeschluss zu klagen. Daneben, betont Daniel Melchien, könne der Bürger seinen politischen Willen äußern, indem er Parteien mit einer entsprechenden Position unterstützt.

 

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Karlsruhes zweite Rheinbrücke | ka-news.de: Eine zweite Rheinbrücke für Karlsruhe wird schon lange diskutiert. Die Argumente der Rheinbrücken-Befürworter und der Rheinbrücken-Gegner in Karlsruhe, der Pfalz sowie den aktuellen Stand der Planung haben wir für Sie zusammengefasst.
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  •   kscgrufti
    (3729 Beiträge)

    22.04.2010 21:00 Uhr
    Hallo Redaktion,
    kleiner Hinweis: Nordtangente schreibt man mit einem "d" (siehe unter dem Artikel bei Mehr zu), oder wolltet ihr etwa No!Tangente schreiben, oder sogar Nottangente. grinsen
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  •   friend60
    (2573 Beiträge)

    22.04.2010 15:31 Uhr
    Meistens
    Meistens gehen die Leute nur auf die Strasse, wenn sie selbst davon betroffen sind. Wenn die Rheinbrücke 15km weiter gebaut werden würde, würde man von denen keinen Einzigen sehen, außer den grünen Politikern.
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  •   friend60
    (2573 Beiträge)

    22.04.2010 15:30 Uhr
    tok
    Also deine Mautideen sind ja mal sowas von idiotisch. Und was wäre daran schlimm, wenn sich mehr Leute in der Pfalz niederlassen? Eine Entlastung für Karlsruhe, so sehe ich das!
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  •   tok
    (7205 Beiträge)

    22.04.2010 15:50 Uhr
    das
    kann man so natürlich sehen, je nachdem welche Leute sich in der Pfalz neiderlassen grinsen

    Aber wenn die weiterhin in Karlsruhe arbeiten, ist es für eins, zwei, drei, fünf, öchzig Brücken über den Rhein nicht gerade eine Entlastung. Oder wie siehst Du das?

    Übrigens ist diese "idiotische Idee" nicht meine.

    Kinners, Kinners, mir dünkt noch keiner von euch hat jemals so eine richtig schön zersiedelte US-amerikanische Vorstadt erlebt, deren räumliche Organisation durch den ausschließlichen Leitgedanken zustande kam, Verkehrsprobleme durch Straßenbau zu lösen. Sonst würdet ihr wissen, welcher Aufwand notwendig ist, eine Stadt lebenswert zu halten, aber auch schätzen welchen Nutzen dieser Aufwand bringt und fürchten welchen Schaden es anrichtet, wenn man ihn nicht auf sich nimmt.
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  •   friend60
    (2573 Beiträge)

    22.04.2010 15:27 Uhr
    Dummgelaber
    Wer dauernd über die Rheinbrücke fahren muss, sieht doch, dass diese Brücke notwendig ist. Wenn ich nur mit Fahrrad oder Bahn fahren würde, wäre ich natürlich auch dagegen. traurig
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  •   kscgrufti
    (3729 Beiträge)

    22.04.2010 16:15 Uhr
    Nach deiner
    Logik muss also bei mehr Verkehrsaufkommen gleich eine neue Brücke her, super, dann bauen wir doch in ganz Deutschland überall, wo sichs in´m Berufsverkehr staut, alle Strassen 8 oder auch gleich 12-spurig aus, damit keiner mehr im Stau steht. Mann Gottes, da kaufen sich die Leut in der Pfalz ihr billig Häusle und maueln dann rum über immer mehr Verkehr.
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  • unbekannt
    (672 Beiträge)

    22.04.2010 12:23 Uhr
    Ludwig IV
    wollte den Rhein als Grenze zwischen Frankreich und Deutschland. Er hatte ja sowas von Recht.....
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  •   mueck
    (11758 Beiträge)

    22.04.2010 19:38 Uhr
    x
    Dann wäre ja alles noch schlimmer!
    Weil in Frankreich sind Immobilien noch günstiger als in der Palz, noch mehr Karlsruher würden rübermachen, aber es gäbe überhaupt keinen ÖV auf die andere Rheinseite ...
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  • unbekannt
    (672 Beiträge)

    22.04.2010 12:24 Uhr
    der XIV
    sollte es natürlich heissen....
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  •   Wahrheit
    (348 Beiträge)

    22.04.2010 12:19 Uhr
    20 % weniger Verkehr
    als gedacht.
    Warum wohl? weil es dort gerade für die Pendler Dauerstau gibt umfahren viele die Rheinbrücke großräumig.
    Das kostet Zeit und Geld und belastet die Umwelt durch höhere Fahrleistungen.
    Warum sollte es mehr Verkehr geben wenn die Verbindungen besser sind? Worauf begründet sich dieses Ammenmärchen das die Grünen mal in die Welt gesetzt haben?
    Niemand fährt zum Spaß hin und her nur weil die Strassen frei sind.
    Bei den heutigen Benzinpreisen und Wertverlust am Auto ziemlich unwahrscheinlich.
    Gut ausgebaute Strassen führen zur Entlastung anderer Strecken (Umwege), sparen Sprit und Zeit!!!!!!
    Warum das die Politiker nicht begreifen ist mir ein Rätsel???
    Muß wohl an der Partei liegen?
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