Rudi Banghard: Allroundkünstler

"Mit viel Fantasie und Farbe sein Ding umsetzen" ist die Devise von Rudi Banghard, Karlsruher Ausnahmekünstler aus dem Karlsruher Ortsteil Neureut Kirchfeld. Und die Liste seiner kreativen Ausdrucksmöglichkeiten ist lang: angefangen von Werken der Bildhauerei aller Art über Illusionsmalerei, Dokumentar-und Zeichentrickfilme, Logos, Design,Fotografie, Gartengestaltung, Dekorationsbauten bis hin zur Musik, ein Hobby, dem er die nächsten 50 Jahre treu bleiben möchte. "Ich bin jetzt in der glücklichen Lage, pensioniert zu sein und zu tun, was mir Spaß macht - mit Freunden gemütlich in Kneipen sitzen und dem Klang meiner Gitarre nachspüren."

Das Lieblingsthema des am 31. August 1948 in Flehingen auf die Welt gekommenen Künstlers ist "Raum und Zeit" - veranschaulicht an einer in einer Schraubzwinge gefangen gehaltenen, in Polyester eingegossene Ausgabe der Wochenzeitung "Die Zeit" (Titel: Der Zeitdruck). Diese ist eines der Prunkstücke seines weitläufigen Gartens, in dem jede Ecke an sein Dasein als Künstler erinnert. "Ich bin da und auch nicht. Mal halte ich mich im Keller, mal in meinem künstlerischen Reich im Garten auf. Meine Frau hat oft nicht viel von mir", schmunzelt Banghard, der sich selbst als Einzelgänger beschreibt. Mit einigen Künstlern hat er allerdings ein Problem.

"Kunst ist kein Ding der Überheblichkeit. Ich habe ein Problem mit Künstlern, die mir arrogant, überheblich und belehrend entgegen treten", kritisiert er den zunehmenden Hang einiger Künstler, sich selbst zu inszenieren. Er selbst wurde nach seiner Bewerbung an der Kunstakademie Karlsruhe in den 70er Jahren von dieser abgelehnt. Infolgedessen eignete er sich sein künstlerisches Können als Autodidakt an. 1972 folgte dann eine Festanstellung als Theatermaler und -plastiker am Badischen Staatstheater, dem er bis zum Jahre 1981 treu blieb. Im Folgejahr verschlug es ihn nach Basel, wo er wiederum als Theatermaler am dortigen Stadttheater bis 1986 tätig war. Leiter der Bildhauerei beim Hessischen Rundfunk in Frankfurt am Main wurde er ein Jahr später. 13 Jahre lang übte er diese Tätigkeit aus, bis er im Jahr 2000 aus gesundheitlichen Gründen in den Ruhestand ging.

Zu seinen interessantesten Werken gehören Büsten von Platon, Goethe sowie Kapitellen und Ornamenten in Fernsehstudio-Qualität. 1997 entwarf er für die Musiksendung des Hessischen Rundfunks "Der weiße Löwe" den Preispokal, der nach seinem Entwurf in weißem Porzellan gefertigt wurde. Gunther Emmerlich verlieh diesen Preis im Rahmen der oben genannten Sendung an die Sieger des volkstümlichen Talentwettbewerbs. Drei Jahre zuvor wurde das Modell seines vier Meter großen Grizzlybärs in der ARD-Show "Die Wunder der Erde" gerühmt. Die Besucher der Feier anlässlich des fünfzigsten Geburtstags der Städtepartnerschaft zwischen Karlsruhe und Nancy begeisterte er mit zwei Modellen aus Metall und Pappkarton, die Gegenstand einer Recycling-Modenschau waren. Zu seinen Kunden, die von seinen Masken profitieren, zählen unter anderem auch der Europapark Rust und und das Kindertheater "Papageno" in Frankfurt am Main.

"Die Erleuchtungserfahrung, die man innerhalb einer Zen-Meditation erfährt, lässt sich schwer beschreiben. Man erlebt eine Zeitverschiebung - nein, eine ganz andere Zeit", bringt der Künstler sein Lieblingsthema zur Sprache. So ist es in der einschlägigen Literatur nachzulesen. Das Beeindrukende am Zen ist im Hier und Jetzt zu leben, ohne an Vergangenheit und Zukunft zu denken", fasst Banghard die Gedanken des Zen, die er zu einem Teil seiner Lebensphilosophie gemacht hat, in Worte. "Das Beeindruckende am Zen ist im Hier und Jetzt zu leben, ohne zu denken."

Eben deshalb zählt das Kyudo zu einer Lebensweise, die der Ausnahmekünstler noch heute praktiziert. Diese ist eine asiatische Form des Bogenschießens, welche die Anhänger der japanischen Budosportart gerne als "Auseinandersetzung mit sich selbst" beschreiben. Zusammen mit seinem inzwischen verstorbenen Freund Hans Zabojnik-Ihla trieb er 1977 die Kyudo-Bewegung voran. Inzwischen werden in Karlsruhe 70 Mitglieder gezählt. Hinsichtlich seines Themas "Raum und Zeit" spielen die Erfahrungen, die er auf seinen Reisen in andere Kulturen machte, eine nicht unerhebliche Rolle. "Die Ichlosigkeit des Zen und das Zeitgefühl, das nicht nach einem mit der Uhr geregelten Tagesablauf zusammen hängt, ist bewundernswert. Gehört Eigenwerbung zum Dasein eines Künstlers dazu, muss man Banghards Ansicht nach gegenüber der Aussage des Werks zurück stecken. Auch wenn die Liste der kreativen Ausdrucksmöglichkeiten wie in seinem Fall schier unendlich erscheint. (Jennifer Warzecha)

Beschreiben Sie sich mit drei Worten:
Gutmütig, tolerant, kreativ.

Was ist Ihre größte Stärke?
Die Fantasie zu haben.

Was ist Ihre größte Schwäche?
Manchmal zu gutmütig zu sein.

Was war als Kind oder Jugendlicher Ihr Traumberuf? Haben Sie damals jemals daran gedacht, das zu werden, was Sie heute sind?
Seefahrer. Ich habe nie daran gedacht, zu werden, was ich heute bin.

Was würden Sie im Leben gerne noch erreichen?
Nichts, es darf ruhig alles so bleiben wie es ist.

Was nervt Ihre/n Partner/in am meisten an Ihnen?
Oft bin ich daheim und doch nicht da, weil ich mich entweder im ersten Stock am Computer, im Keller, im Musikzimmer oder in meinem Freiluft-Atelier aufhalte.

Auf welchen Gegenstand möchten Sie im Leben nicht verzichten?
Auf meine Gitarre.

Wen würden Sie gerne auf den Mond schießen?
Ich fühle mich nicht so erhaben, dass ich irgend jemanden irgend wohin schießen würde und schon gar nicht auf den schönen Mond.

Welcher Mensch beeindruckt Sie?
So schnell niemand, am ehesten aber der Komiker Karl Valentin und seine Weisheit: "Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit."

Welche Musik (Interpret und Titel) und welcher Film haben Sie am meisten beeindruckt?
Film: Steven Spielbergs "Schindlers Liste", Musik: "The Slide Area" von Ry Cooder.

Welches Buch haben Sie als letztes gelesen?
"Das Tao der Physik - Die Konvergenz von westlicher Wissenschaft und westlicher Philosophie", geschrieben von Fritjof Capra.

Sie werden als Tier geboren. Als welches?
Als Katze - die hat ihren eigenen Kopf und lässt sich nicht dressieren.

Sie tauschen einen Tag mit einer Person des anderen Geschlechts - wer wäre das?
Mit Nofrete, da mich das alte Ägypten und die Pyramiden einfach faszinieren.

Was finden Sie an Karlsruhe reizvoll?
Die Geschichte der Stadt - hier wurde früh die Folter abgeschafft, hier hat die erste Frau studiert. Die Erfindungen wie die des Fahrrads; Automobil und Telekommunikation sowie die Demokratiebewegung finde ich beachtlich.

Was würden Sie an Karlsruhe ändern, wenn Sie Oberbürgermeister/in wären?
Die Kulturszene lebendiger gestalten und der Straßenszene samt der Straßenkünstler mehr Platz im kulturellen Ansehen einräumen.

Welches sind die markantesten Karlsruher / deutschen Köpfe?
Karlsruhe: Karl Friedrich Drais Freiherr von Sauerbronn, der Erfinder des ersten Zweirads.

Sie leben in einem anderen Land. Welcher Grund könnte Sie dazu bewegen beziehungsweise davon abhalten, nach Deutschland einzuwandern?
Die geringe Armut in Deutschland könnte mich dazu bewegen, hierher einzuwandern. Denn trotz Meer und Sonne ist die Armut in anderen Ländern erschreckend groß.

Es geht um das Glück der Republik. Welche Person, Gruppierung oder Idee sollte mehr Einfluss gewinnen?
Alles, was Kindern nützt und der Armut entgegenwirkt.

Wie und wo möchten Sie sterben?
Ruhig und gelassen, vielleicht in meinem Garten.

Kommen Sie in den Himmel oder in die Hölle?
Ich werde mich hüten, mir da schon selbst einen Platz zuzuweisen.

Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Links
Rechts
Das könnte Sie auch interessieren
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (0)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Der Kommentarbereich wird 7 Tage nach Publikationsdatum geschlossen.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.