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Karlsruhe-Durlach Riesenrutsche am Turmberg? Durlacher Kids "spielen" Ortschaftsrat

Während anderswo das Wahlrecht für 16-Jährige nur diskutiert wird, geht Karlsruhe in Sachen politische Bildung mit gutem Beispiel voran: So können die Kids beispielsweise im Rahmen einer U18-Wahl "fiktiv" einen neuen Oberbürgermeister für die Fächerstadt bestimmen. Auch in Durlach ist man diesbezüglich fortschrittlich: Schon seit vielen Jahren erleben Schüler der Pestalozzischule im Rahmen eines "Politik-Kurses" drei Monate lang Verwaltung und Kommunalpolitik hautnah. Am Dienstag beispielsweise nahmen sie an einer "fiktiven Ortschaftsratssitzung" im Durlacher Rathaus teil.

14 Schüler der siebten, achten und neunten Klassen hatten vor der Sitzung innerhalb ihrer "Fraktionen" Themen in Form von Anträgen formuliert und brachten diese nun innerhalb ihrer Ortschaftsratssitzung im Durlacher Rathaus vor. Zur Seite standen ihnen dabei pro Fraktion ein  "echter" Durlacher Ortschaftsrat, geleitet wurde die Sitzung von Ortsvorsteherin Alexandra Ries, die sichtlich Spaß am Engagement der jungen Leute hatte.

Themen, die die Jugendlichen wirklich interessieren

Und damit sich die Kids auch so richtig ins Zeug legen, hatten sie mit Themen zu tun, die im wahrsten Sinne "aus dem Leben gegriffen" waren. Auf der Tagesordnung standen: ein Fastfood-Restaurant für Durlach, Spinde für die Durlacher Schulen, eine Riesenrutsche am Turmberg und ein Elektronikfachmarkt mitten in der Markgrafenstadt.

Wer aber nun einstimmige Abstimmungen und gelangweilte Diskussionen erwartet hatte, lag ziemlich falsch. Engagiert und motiviert diskutierten die Kids miteinander und lernten so auch, anderen Meinungen mit Respekt und Disziplin zu begegnen. Die Frage, zum Beispiel, ob Durlach ein Fastfoodrestaurant braucht, wurde heftig diskutiert und denkbar knapp mit sechs Pro- und acht Kontrastimmen entschieden: Es gebe in Durlach viele leerstehende Restaurants und Geschäfte, so ein Argument der Fastfood-Befürworter, außerdem habe man dann eine Anlaufstelle für die Mittagspause in der Schule. Die Fatsfoodgegner hingegen finden, man könne auch die schon existierenden Restaurants nutzen und außerdem sei Fastfood ungesund und sorge für zusätzlichen Müll in Durlach.

Auch in Sachen "Spinde für Durlacher Schulen" war man sich nicht einig. Von einigen heiß befürwortet, von anderen als unnötig empfunden, schaltete sich Ortsvorsteherin Alexandra Ries zu diesem Tagesordnungspunkt vermittelnd ein. Man könne die Entscheidung auch vertagen und ersteinmal die involvierten Stellen nach einer Kostenaufstellung und eventuellen Umsetzungsmöglichkeiten fragen. "So würde das auch der echte Ortschaftsrat in solch einer Situation machen", erklärte die Ortsvorsteherin den Teenagern.

"Turmbergrutschbahn" und Elektronikfachmarkt

Richtig deutlich haben sich die Durlacher Kids gegen eine Rutschbahn am Turmberg und einen Elektronikfachmarkt in Durlach ausgesprochen. Ein großer Bau, wie ihn ein Elektronikfachmarkt benötigen würde, wäre in Durlach nicht schön, würde nicht nach Durlach passen und viel Konkurrenz für Durlacher Geschäfte bedeuten, war sich ein Großteil der Schüler einig. Natürlich wäre es aber schon toll, wenn man seine Spiele und Elektrogeräte direkt in Durlach kaufen könnte, auch Arbeitsplätze würden so geschaffen werden, meinten die Befürwortet. Eine Rutschbahn entlang der Turmbergbahn würde zwar Spaß machen und Einnahmen bringen, könnte aber auf Dauer langweilig werden und Verletzungsgefahren mit sich bringen.

Auch in dieser Frage, die letztendlich mit neun Stimmen abgelehnt wurde (gegen vier Befürworter und eine Enthaltung) wurde heftig aber stets fair diskutiert. "Das sind richtig gute Gespräche", freute sich Alexandra Ries und fügte mit einem Schmunzeln hinzu: " Und wenn euer Antrag abgelehnt wird, macht ihr es einfach wie der richtige Ortschaftsrat: Eine Weile warten und den Antrag einfach noch einmal stellen."

Wahlfach an der Pestalozzischule

Die Durlacher Pestalozzischule ist eine Grund- und Hauptschule mit Werkrealschulzug. In dreimonatigen Kursen können die Schüler der siebten, achten und neunten Klasse Fächer wählen, die den "normalen" Unterricht ergänzen. Jeder Schüler muss einen Kurs belegen, die Angeboten reichen aber von Sport, Kunst und Geschichte über Technik bis hin zur Kommunalpolitik. Initiiert wurde der Kurs vor einigen Jahren schon von Gerhard Stolz, Lehrer an der "Pesta" und gleichzeitig Ortschaftsrat der Grünen. Durch ihn kam die enge Verbindung zum Stadtamt zustande, er ermöglicht dem Kurs seit Jahren exklusive Einblicke in die Arbeit der Durlacher Verwaltung. Vom Besuch beim Gartenbau- oder Friedhofsamt bis hin eben zur fiktiven Ortschaftsratssitzung. 

Erreicht werden soll damit nicht nur ein gewissen Politikverständnis bei den Jugendlichen, auch eine engere Beziehung zum Heimatort Durlach soll so hergestellt werden. Den Jugendlichen hat es zumindest richtig viel Spaß gemacht, einmal "Politik" zu machen - obwohl sie sich eine Karriere im Ortschaftsrat wiederum eher nicht vorstellen können.

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Kommentare (3)
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  • unbekannt
    (14337 Beiträge)

    07.11.2012 20:12 Uhr
    Naja....
    //Die Fastfoodgegner hingegen finden, man könne auch die schon existierenden Restaurants nutzen... //
    Ein King-Mac wäre auch mögliche Konkurrenz zu den Döner- Restaurants zwinkern
    //... und außerdem sei Fastfood ungesund //
    Jau! ... sehen auch ziemlich "gesund" aus auf den Bildern grinsen
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  •   runner
    (340 Beiträge)

    07.11.2012 16:33 Uhr
    Lobenswert!
    Zitat von ka-news Die Frage, zum Beispiel, ob Durlach ein Fastfoodrestaurant braucht, wurde heftig diskutiert und denkbar knapp mit sechs Pro- und acht Kontrastimmen entschieden: Es gebe in Durlach viele leerstehende Restaurants und Geschäfte, so ein Argument der Fastfood-Befürworter, außerdem habe man dann eine Anlaufstelle für die Mittagspause in der Schule. Die Fatsfoodgegner hingegen finden, man könne auch die schon existierenden Restaurants nutzen und außerdem sei Fastfood ungesund und sorge für zusätzlichen Müll in Durlach.

    Ich bin positiv überrascht, denn ich hätte, ehrlich gesagt, nicht erwartet, dass doch die Mehrheit dieser Teens zu vernünftigen Entscheidungen fähig ist. zwinkern
    Es ist scheinbar doch noch nicht Hopfen und Malz verloren.
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  •   ralf
    (3535 Beiträge)

    07.11.2012 16:21 Uhr
    Riesenrutsche am Turmberg
    Die hätte ich als Erwachsenenverweigerer aber gerne. Die Durlacher Kids benehmen sich ja schon ganz schön erwachsen...
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