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Karlsruhe/Salem Rettung für Salem?

Schloss Salem sorgt wieder einmal für Wirbel (Foto: pr)
An der Rettung von Schloss Salem am Bodensee (ka-news berichtete) sollen sich das Land Baden-Württemberg und das Haus Baden gleichermaßen beteiligen. Das entschied nun ein kleiner FDP-Parteitag am vergangenen Samstag in Salem. Außerdem sollen Kunstschätze "von nachrangiger Bedeutung" verkauft werden. Bei Ministerpräsident Günther Oettinger und der Badischen Landesbibliothek in Karlsruhe stieß der Vorschlag nicht auf Zustimmung.

Dem Antrag des FDP-Landesvorstands stimmten die 100 Delegierten mit großer Mehrheit zu. Die Partei will mit Hilfe einer öffentlich-rechtlichen Stiftung das Schloss dauerhaft sichern und weiterhin der Öffentlichkeit zugänglich machen. Um Stiftungskapital zu gewinnen, soll der Verkauf von Kunstschätzen aus bestehenden Sammlungen geprüft werden. Es komme jedoch nur ein Verkauf von Gütern in Betracht, die für das Land und die betreffende Sammlung "von nachrangiger Bedeutung" seien, betonte die FDP-Landesvorsitzende Birgit Homburger.

"Man kann auch warten, bis das Kind in den Brunnen gefallen ist"

Lehnt den Vorschlag gänzlich ab: Günther Oettinger
(Archivfoto: ka-news)
Wenig begeistert von der Idee zeigte sich Oettinger. Er lehnte am Rande des Parteitags des CDU-Bezirksverbandes Südbaden den Vorschlag gänzlich ab. Für konkrete Vorschläge sei es zu früh, das Land müsse zunächst die beiden in Auftrag gegebenen Gutachten zu den strittigen Eigentumsverhältnissen zwischen dem Land und dem Adelshaus Baden abwarten, so der Ministerpräsident. Bis dahin solle sich die FDP zurückhalten.

Homburger konterte: "Man kann auch warten, bis das Kind in den Brunnen gefallen ist." Die Zeit dränge, das Haus Baden müsse den Banken bis zum Jahresende 30 Millionen Euro zurückzahlen, die in die Sanierung geflossen seien. "Wir haben seit Monaten Stillstand", kritisierte sie. Einen "Einzelvorschlag" hatte Oettinger vor einiger Zeit bereits selbst gemacht, indem er den Kauf des Schlosses durch das Land ins Spiel brachte. Homburger wies den Vorschlag damals jedoch als zu unkonkret zurück. Wer das Schloss kaufen wolle, müsse auch klären, mit welchen Folgekosten man zu rechnen habe.

Landesbibliothek: So geht das nicht

Besorgte Töne dringen aus der Badischen Landesbibliothek (Foto: ka-news)
Die Idee der FDP kassierte auch Kritik aus der Badischen Landesbibliothek. Deren Leiter Peter Michael Ehrle zeigte sich gegenüber dem SWR besorgt über die neue Diskussion zum Verkauf von Kulturgütern des Landes und betonte: "Wer mit dem Verkauf von Kulturgütern wirklich größere Beträge erzielen will, kann keinen Kleinkram anbieten, sondern muss sich von Preziosen trennen."

Zudem könne man einzelne Kulturgüter nicht ohne weiteres aus Landessammlungen herauslösen. "Schließlich weisen alle Sammlungen einen Bezug zum Land auf", so Ehrle. Beispiele seien die Türkenbeute oder die große Münzsammlung im Badischen Landesmuseum. Natürlich könne bei oberflächlicher Betrachtung bei einer alten römischen Münze kein Bezug zum Land Baden-Württemberg hergestellt werden. Dadurch, dass die Markgrafen sie jedoch erworben hätten, gehörten sie wieder zum heimischen Kulturgut. Ehrle unterstrich: "Man kann nicht ein Kulturgut wie das Schloss Salem dadurch retten wollen, das man andere wichtige Kulturgüter einfach dafür hergibt."

Aus Fehlern lernen

In die Diskussion schaltete sich auch der mittelbadische FDP-Bundestagsabgeordnete Patrick Meinhardt ein: "Ein Ausverkauf von Schloss Salem darf es nicht geben, es war schon eine Katastrophe, dass dieses beim Schloss Baden-Baden stattgefunden hat." Hier habe der damalige Ministerpräsident vollständig versagt - bei der Zukunft des Schloss Salem und bei dem Erhalt der badischen Handschriften versage jetzt der amtierende Ministerpräsident. "Aus Fehlern sollte man lernen. Wir brauchen unter allen Umständen eine Stiftungslösung, bei der auch das Haus Baden seinen Beitrag leisten muss", forderte Meinhardt.

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