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Karlsruhe Reingelegt: Warum Polizei nicht immer Polizei ist

Die meisten Bürger sind mit der Arbeit der Polizei zufrieden. So löst der Begriff "Polizei" auch nach wie vor Respekt bei der Bevölkerung aus. Wer bei der Polizei arbeitet, gilt als seriös, ehrlich, zuverlässig. Doch nicht überall, wo Polizei draufsteht, ist auch tatsächlich Polizei drin. Das gute Image der Behörde haben sich dubiose Verlage und Agenturen zu Nutzen gemacht, um scheinbar im Namen der Polizei Werbung zu akquirieren, die keiner polizeilichen Einrichtung, sondern nur dem jeweiligen privaten Geldbeutel zugute kommt.

Im alltägliche Geschäftstrubel erhält eine Bäckerei ein Fax, in dem dafür geworben wird, sich gegen Drogenmissbrauch oder Kindesmissbrauch auszusprechen - gegen einen finanziellen Beitrag, der augenscheinlich der "Polizei" zugute kommen soll. "Auch ich setze mich für den Kampf gegen Drogenmissbrauch ein", soll in der Anzeige stehen, versehen mit dem Namen der Bäckerei und vielleicht einem Foto.

Werbung mit dem guten Namen

Ein kurzes Antwort-Fax und schon hat die Bäckerei einen Vertrag abgeschlossen, von dessen finanziellen Leistungen die Polizei jedoch am wenigsten hat. Hinter solchen Anschreiben stecken sogenannte Polizei-Verlage, die mit dem Namen der Polizei, Anzeigenabos an Firmen verkaufen möchten und diese glauben machen, damit die Ordnungshüter zu unterstützen.

"Damit unterstützen sie höchstens die privaten Geldbeutel dieser Verlage", betont Fritz Bachholz vom Polizeipräsidium Karlsruhe. "Die Polizei finanziert sich ausschließlich aus Steuergeldern" und generiere keine Einnahmen durch Anzeigen. Gleichzeitig nutzen die Unternehmen aus, dass viele Firmen in ihrem hektischen Alltagsgeschäft kaum Zeit haben, sich solchen Angeboten intensiv zu widmen und daher oftmals einfach akzeptierten.

"Der Begriff Polizei ist rechtlich nicht geschützt"

Oberflächlich lesen sie die Angebote, nehmen vielleicht noch wahr, dass sie mit einer Anzeige scheinbar die Polizei unterstützen und finden es verlockend, mit dem positiven Image der Polizei in Verbindung gebracht zu werden. Ohne das Kleingedruckte gelesen zu haben, stimmen sie zu. Selbst wenn das Vorgehen der "Polizei-Verlage" auf den ersten Blick einen Betrug vermuten lässt, geht zumindest rechtlich alles mit rechten Dingen zu.

"Wir bewegen uns hier in einem Graubereich", erklärt Bachholz im Gespräch mit ka-news. "Denn der Begriff Polizei ist rechtlich nicht geschützt." Das bedeutet, dass jeder den Begriff nutzen kann. Regularien, dass sich Abos automatisch ändern oder erweitern, wenn man keinen Einspruch erhebt, sind durchaus in den Verträgen vermerkt - allerdings im Kleingedruckten, dass viele Menschen eben nicht lesen. Somit seien diese Verlage rechtlich auf der sicheren Seite.

Nicht vergessen, das Kleingedruckte zu lesen

Der Grund, warum es überhaupt funktioniert mit dem Begriff "Polizei" Werbung zu akquirieren, ist ihr Image. "Die Polizei genießt einen guten Ruf", so Bachholz. "Wer gute Dinge tun will, soll sich bei der Polizei erkundigen, ob die jeweilige Einrichtung seriös ist", rät er. Es gebe auch polizeinahe Gruppierungen, die in Sonderveröffentlichungen um Unterstützung in eigener Sache werben. Dazu gehörten beispielsweise das Polizei-Musikcorps oder die drei Polizei-Gewerkschaften im Land. Das seien seriöse Institutionen, die nicht in die eigene Tasche wirtschafteten, erläutert er.

In den letzten Jahren sei es ruhig um die dubiosen Verlage geworden. Das liege womöglich auch daran, dass die Polizei die Bevölkerung, unter anderem in Form von Broschüren, über die Geschäfte dieser Firmen informiere. Grundsätzlich rät die Polizei, bei Werbeangeboten genau hinzuschauen. "Ist das tatsächlich etwas, was mit der Polizei in Verbindung steht oder jemand der als Nepper, Schlepper, Bauernfänger agiert?" Bevor ein Unternehmen eine Anzeige schaltet, sollten es sich überlegen, ob das Angebot das ist, was sie möchten. Und auf keinen Fall sollte es vergessen, das Kleingedruckte zu lesen.

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