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Karlsruhe Reaktionen auf Kultur-Deal

Die Badische Landesbibliothek fürchtet Ausverkauf (Foto: ka-news)
Nachdem am vergangenen Mittwoch bekannt wurde, dass die Landesregierung sich mit dem Haus Baden auf eine Regelung der so genannten Herausgabeansprüche geeinigt hat, zeigt man sich an der Badischen Landesbibliothek "entsetzt" über die Pläne des Landes, die einzigartigen Handschriften zum Verkauf freizugeben (ka-news berichtete).

Nach Angaben des Direktors der Badischen Landesbibliothek, Dr. Peter Michael Ehrle, erfreuten sich gerade die kostbaren Handschriften regen Interesses seitens der Geschichts- und Sprachwissenschaft. "Wer eine Handschrift studiert, der braucht das Original", begründet Ehrle, warum die Sammlung auch weiterhin in öffentlicher Hand bleiben müsse. Seit dem Ende der Monarchie 1919 ist die Sammlung der Großherzoglichen Hofbibliothek in öffentlicher Obhut, ohne dass die Besitzfrage von Juristen abschließend geklärt werden konnte.Die ältesten Stücke der Sammlung kamen 1806 - durch die mit der Säkularisierung unter Napoleon einhergehende Verstaatlichung von Kirchenbesitz - in den Besitz des Hauses Baden.

Ehrle zeigt sich von der Landesregierung enttäuscht und wirft dieser vor, ihrem Kulturauftrag, die Kulturgüter des Landes zu erhalten, nicht gerecht zu werden. In anderen Bundesländern habe man in ähnlichen Fällen über Restitutionszahlungen an Adelshäuser Lösungen gefunden, um die Kulturgüter zu erhalten, erklärte Ehrle gegenüber ka-news. So sei auch in Baden-Württemberg im Falle des Hauses Fürstenberg eine Einigung erzielt worden.

Ehrle: Europäisches Kulturerbe

Buchmalerei aus dem 13. Jahrhundert: bald in Privatbesitz? (Foto: ka-news)
Die Sammlung sei zwar in der Badischen Landesbibliothek in Karlsruhe untergebracht, die Tragweite der Entscheidung reiche aber weit über die Region und Baden hinaus. "Es handelt sich um deutsches, um europäisches Kulturgut, das der Öffentlichkeit entzogen wird, wenn es in private Hand gerät", gibt Ehrle zu bedenken. Die Handschriften der Reichenau, Zeugnisse ottonischer Buchmalerei aus dem zehnten Jahrhundert und ebenfalls Teil der Sammlung, stehen sogar auf der Liste des Weltdokumentenerbes. Daher baut Ehrle nicht nur auf die Unterstützung der badischen Landtagsabgeordneten, wenn es bei der notwendigen Abstimmung im Landtag zum Schwur kommen sollte.

Es braucht die sprichtwörtlichen Samthandschuhe beim Umgang mit den Schriften (Foto: ka-news)
Am gestrigen Freitag bezogen auch die Parteien Stellung. Renate Rastätter (MdL) und Dr. Gisela Splett (MdL) verurteilten im Namen der Grünen die Verkaufspläne. Sie hielten es für "verhängnisvoll", dass hinter verschlossenen Türen seitens der Landesregierung bereits konkrete Zusagen an das Haus Baden gemacht worden seien. Der Vorsitzende der FDP/Aufbruch-Fraktion im Gemeinderat Michael Obert forderte seinerseits eine "Bündelung aller Kräfte zur Rettung der Handschriftensammlung". Auch der CDU-Kreisvorsitzende Ingo Wellenreuther (MdB) warnt gegenüber ka-news: "Die Landesbibliothek darf natürlich nicht geplündert werden." Vorher müssten genau die durchaus existierenden Eigentums- und Besitzansprüche des Hauses Baden gegenüber dem Land Baden-Württemberg im Detail geregelt werden, so der CDU-Politiker. Am Tag zuvor hatte bereits der SPD-Landtagsabgeordnete Johannes Stober Kritik am geplanten Verkauf geübt.

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