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Karlsruhe Raucher-Krankheiten und Schockfotos: Karlsruher Arzt redet Klartext

Sebastian Stier ist Lungenarzt im Städtischen Klinikum Karlsruhe und bekommt täglich mit, welche Konsequenzen Rauchen für die Karlsruher hat. Welche das genau sind, ab welchem Ausmaß rauchen bedenklich ist und was er von den Schockfotos hält, die ab dem Frühjahr 2016 auf Zigarettenpackungen zu finden sein werden, verriet er im Gespräch mit ka-news. Auch die ka-news-Leser haben in unserer Umfrage ihre Meinung dazu geäußert.

Genaue Zahlen, wie viele Karlsruher pro Jahr Tabakkonsum das Leben kostet, liegen Sebastian Stier, Sektionsleiter für Pneumologie am Städtischen Klinikum, nicht vor. "Legt man aber deutschland- beziehungsweise weltweite Statistiken zugrunde, werden in der Fächerstadt mit ihren rund 300.000 Einwohnern jährlich zwischen 400 und 500 Menschen an den Folgen des Rauchens sterben", so Stier. 

Die häufigsten Beschwerden, die im Karlsruher Klinikum aufgrund von Tabakkonsum diagnostiziert werden, sind Stier zufolge Lungenkrankheiten und Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems. Darunter fallen insbesondere die chronisch-obstruktive Lungenkrankheit (COPD) und Lungenkrebs sowie Herzinfarkte, Schlaganfälle und Arterienverschlüsse an Extremitäten oder Organen. Zusätzlich kämen in Karlsruhe auch Tumorerkrankungen des Kopf-Hals-Bereiches als Folge von Tabakkonsum vor.  

400 bis 500 Tote durch Rauchen in Karlsruhe

Doch es gibt nicht nur Langzeitfolgen. Der Karlsruher Lungenarzt warnt davor, wie schnell Rauchen sich auf die Gesundheit auswirken kann: "Durch die verschiedensten Substanzen im Tabakrauch kann jede einzelne Zigarette bereits zu Irritationen im Bronchialsystem führen und somit beispielsweise ein Asthma bronchiale verschlimmern. Dies betrifft leider auch Kinder, die als Passivraucher in Raucherhaushalten leben", erklärt Stier.

Das Sterblichkeitsrisiko werde bereits durch dauerhaften Konsum von ein bis vier Zigaretten pro Tag erhöht, so der Pneumologe weiter. Ein weiteres Problem: Die schweren Erkrankungen, die Tabakkonsum nach sich ziehen kann, sind oft schwer zu erkennen. "Die Erstsymptome oft ernster rauchbedingter Erkrankungen sind leider meist unspezifisch und abhängig vom betroffenen Organ. So sind dies bei schweren Lungenerkrankungen Symptome, die zunächst an einen grippalen Infekt denken lassen", berichtet Stier. 

Auch bei seit 2008 frei verkäuflichen E-Zigaretten ist Vorsicht geboten. "Diese sind auf keinen Fall unbedenklich. Ein Problem sind die unüberschaubare Vielfalt, der unregulierte Markt dieser Produkte und die daran gemessene bisher zu geringe Untersuchung der gesundheitlichen Risiken", warnt der Oberarzt.

Was bringen Schockbilder auf Zigarettenpackungen?

Können Schockfotos, wie sie ab dem Frühjahr auf Zigarettenpackungen abgedruckt sein werden, die nötigen Bedenken hervorrufen, die Stier anmahnt? Das könne man laut Stier erst in der Zeit nach der Einführung der Bilder sicher bewerten. Es gebe jedoch zahlreiche andere Maßnahmen, die sich bereits zur Prävention und Entwöhnung als wirksam erwiesen hätten; die Erhöhungen der Tabaksteuer, Schutz vor Passivrauchen - etwa durch rauchfreie Arbeitsplätze und Rauchverbot in öffentlichen Einrichtun­gen, Informationskampagnen, umfassende Tabakwerbeverbote und ein breites Angebot von Tabakentwöh­nungstherapien.

"Im Vergleich der Tabakkontrolle in anderen europäischen Ländern hat Deutschland noch deutliches Verbesserungspotential", meint Stier. Die Einführung von Schockbildern auf Zigarettenpackungen hält er für einen "Schritt in die richtige Richtung". Diese Meinung teilen nur 6 Prozent der Teilnehmer unserer nicht repräsentativen Umfrage. Sie denken, dass die Fotos wirksam sind. "Einen Hardcoreraucher werden diese Bilder nicht abhalten, seine Gesundheit weiter zu ruinieren. Es wird aber junge Menschen vielleicht zum Nachdenken bringen, erst gar nicht damit anzufangen", meint ka-news-Leser tkfischer

Eine deutliche Mehrheit der Teilnehmer ist dagegen skeptisch. 71,66 Prozent glauben, dass sich kaum ein Raucher davon beeindrucken lassen wird. "Mir ist das völlig egal was da für Bildchen drauf sind. Deswegen lass ich mir das Rauchen doch nicht vermiesen", kommentiert ka-news-Leser kritiker_2014. Etwa ein Fünftel der Teilnehmer ist nur halb überzeugt. 20,84 Prozent halten die Schockfotos für einen guten Anfang - allerdings müsste auch die Zigarettenwerbung aus der Öffentlichkeit verschwinden. Keine Meinung zu diesem Thema hatten 1,50 Prozent der teilnehmenden Leser. 

 

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Kommentare (25)
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  •   Shadowdreams
    (193 Beiträge)

    11.01.2016 18:42 Uhr
    Ja rauchen ist ungesund
    Essen ist ungesund (Zucker, Fette, Mastfutter, Keime usw) , Trinken ist ungesund (Plastikflaschen, Zuckerhaltige Getränke, ebenfalls auch Keime), Arbeiten (Stress, Leistungsdruck), Luft atmen (Industrie-, Autoabgase usw) , Sport (Gelenke) , Sex (Keime,Geschlechtskrankheiten), usw usf. selbst zuviel schlafen (neue Studie) ist ungesund und alles was ich noch so in letzter Zeit lesen musste. Deswegen wäre ich für einen Plan der unser aller Leben bestimmt, der optimal das ausgewogene Verhältnis schafft. /Ironie off

    Und noch ein kleiner, den ich fast vergessen hätte : unglücklich leben, weil man nichts mehr darf ist auch ungesund. Die Psyche spielt nämlich auch im Körper eine Rolle.
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  •   Dumme_Gans
    (123 Beiträge)

    11.01.2016 17:58 Uhr
    Diese umfängliche Bevormundung
    und Umerziehung durch Regierung und Staat geht mir gehörig auf den Senkel. Dass Rauchen nicht körperlich Gesundheitsfördernd ist, wissen alle. Auch die hässlichen Bildchen zur Abschreckung sind eine Lüge, ich kenne viele Raucher – aber keinen einzigen, der die auch nur im geringsten der abgebildeten Symptome aufweist. All diese Schockbildchen sind eher Zeichen mangelhafter Hygiene, und nur ganz extrem starke Raucher können solche Zustände überhaupt erreichen.
    Das angedrohte Verbot von E-Dampfen ist ein weiterer Schritt in zur totalen Unterwerfung in die Unmündigkeit der Bürger. Ganz im Zeichen des übermoralischen linksfaschistischen Reperssionsstaates.
    Es geht den Staat einen Schei...dreck an, ob die Menschen Rauchen wollen, dampfen, Zucker essen, Alkohol trinken oder andere Drogen nehmen wollen.
    Nur ehrliche Aufklärung ist gefragt; Hilfe bei Sucht, und ansonsten Entkriminalisierung aller Drogen.
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  •   Leachim
    (15 Beiträge)

    11.01.2016 12:36 Uhr
    na und ??
    meinetwegen Schockbilder, ich würde mich davon nicht abhalten lassen wenn ich gerne rauche. Ich weiß um das Potential und damit ENDE. Erwachsene sollten über ihr Leben selbst bestimmen dürfen und müssen nicht permanent von Staat erzogen werden. Am Meisten geht mir das dekadente Geheule wegen der auch ach so gefährlichen, angeblich unerforschen E-Zigarette auf die Nerven. Gemessen an der Schädlichkeit von abgebranntem Tabak ist Diese doch Pippifax!
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  •   Bernd
    (334 Beiträge)

    11.01.2016 08:21 Uhr
    David Bowie
    David Bowie ist tot. Der Musiker wurde 69 Jahre alt. Wie auf seiner offiziellen Facebook-Seite mitgeteilt wird, starb Bowie friedlich im Kreise seiner Familie, nachdem er 18 Monate lang gegen Krebs gekämpft hatte.
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  •   myopinions
    (798 Beiträge)

    10.01.2016 13:20 Uhr
    ............rauchen kann schädlich
    sein. Das weiß man hinlänglich. Wenn ein junger Mensch unbedingt rauchen will, dann macht er das auch. Da halten ihn "Schockbilder" nicht davon ab, zumal die meisten denken, die Bilder sind Fake.

    Wer das Rauchen aufgeben will, soll es einfach tun. Ad hoc.
    Und: das funktioniert!
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  •   urraco
    (563 Beiträge)

    10.01.2016 13:43 Uhr
    Ja,
    das funktioniert. Aber stark muss man schon sein, zumindest ein paar Monate entlang.
    Und man muss es wirklich wollen.
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  •   JuliusM
    (1995 Beiträge)

    10.01.2016 17:38 Uhr
    Ich habe
    25 Jahre geraucht und war zum Schluß Kettenraucher (4-5 Schateln am Tag! Ja am Tag!) Ich weiss nicht was der Auslöser für mein neues Nichtraucherdasein war - ich weiss nur, dass ich einfach nicht mehr wollte. Ich machte die Zigarette aus und rührte niemehr eine an. Ich habe weder Ascher noch Zigaretten und Feuerzeug weggeräumt. Alles lag rum wie immer, aber ich habe niemehr zugegriffen. Ich hatte auch kaum Entzug, denn ich habe eine Familie die mich bestärkte und siehe da - seit 18 Jahren bin ich Nichtraucher und immer noch stolz darauf.
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  •   DreiFragezeichen
    (1402 Beiträge)

    10.01.2016 18:30 Uhr
    Ich hab auch das Rauchen aufgegeben.
    An Silvester um 23:55 Uhr.
    Mach ich jedes Jahr so.
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  •   Crackerjack
    (1418 Beiträge)

    10.01.2016 19:55 Uhr
    LOL
    grinsen
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  •   jeverlite
    (368 Beiträge)

    10.01.2016 12:18 Uhr
    Hab vor 18 Monaten aufgehört
    und bin auf die E-Zigarette umgestigen, somit nun Dampfer und nicht mehr Raucher. Ging nach 30 Jahren von jetzt auf nachher. Untersucht sind die auch, Stadtluft ist schadstoffträchtiger.

    Nikotin gilt laut WHO übrigens nicht als krebserregend (im Gegensatz zu Koffein). In der Kippe entstehen durch Pyrolyse über 5000 neue Substanzen, über 100 davon krebserregend, insbesondere PAK und ähnliches KW-Zeugs.

    Die e-Zig macht physikalisch Dampf, da kann chemisch gar nix neues entstehen. Man sollte aber bei den Liquids auf die Herstellung und Herkunft achten. Billiger chinesischer Hinterhof ist vielleicht nicht so prall zwinkern

    Die Ergebnisse dieser Untersuchungen passen allerdings nicht so recht in das Erwartungsprofil des Finanzministers, da Tabaksteuern wegfallen und man dem Kerl vielleicht sogar noch länger Rente zahlen muss grinsen
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