Karlsruhe Projekt "Sicheres Nightlife"

Peter Kremer steht für "Sicheres Nightlife" ein (Foto: ka-news)
Mit dem Projekt "Sicheres Nightlife" wollen Stadtverwaltung, Polizei und die City Initiative Karlsruhe (CIK) sowie ein Zusammenschluss Karlsruher Gastronomen deutliche Zeichen gegen allabendliche Störenfriede setzen. Durch verbesserte Zusammenarbeit der genannten Institutionen wollen sie vor allem Gewalttäter aus den Kneipen und Diskotheken fernhalten und somit den friedlichen Besuchern ein sichereres Umfeld bieten.

Präsentiert wurde das Projekt von Dieter Behnle, Amtsleiter Bürgerservice und Sicherheit (BuS), Citymanager Sascha M. Binoth und Peter Kremer, Leiter des Polizeireviers am Marktplatz. Weiterhin sprachen Alexander Zosel, Vorstand der City Initiative Karlsruhe (CIK) und Geschäftsführer der Diskothek Unterhaus und Rechtsanwalt Axel Knittweis, Sprecher des Arbeitskreises CIK "Sicheres Nightlife", welcher auch die rechtliche Grundlage der Satzung des Projekts lieferte. Diese sieht unter anderem vor, dass ein in einer Einrichtung an einen störenden Gast ausgesprochenes Hausverbot auch in allen anderen Lokalen gilt.

Das persönliche Sicherheitsgefühl sei ein wichtiges Kriterium für die Bewertung des Nachtprogramms einer Stadt. Stadtsoziologische Beobachtung zeigten zudem, dass ein sicheres Nachtleben in direktem Kontext zum Image der Stadt stünde. Man rechnet vor allem am Wochenende je nach Wetter mit 5.000 bis 10.000 Nachtschwärmern, von denen spätestens zur Sperrstunde um 5 Uhr morgens viele noch in der Karlsruher Innenstadt unterwegs sind, anstatt nach Hause zu gehen. Dies begrüßt die Stadt Karlsruhe selbstverständlich, so lange die Gäste friedlich bleiben, da man auch vor allem für junge Leute eine attraktive Stadt sein möchte. Von daher hat die offizielle Sperrstunde in der Karlsruher Innenstadt sowieso kaum eine Bedeutung.

"Absaufpartys" bergen großes Aggressionspotential

Sascha M. Binoth präsentiert das T-Shirt zum Projekt (Foto: ka-news)
An der Aktion beteiligen sich die folgende Lokalitäten: Agostea, Allvitalis, das Badische Brauhaus, Brasil, Carambolage, CO2, Cubus, E-der Club, Gelbe Seiten, Gotec, K5, Kroko-Keller, La Cage, Mood Lounge, Nachtcafé, Nachtflieger, Panama, SPA, Titanic und das Unterhaus. Die Initiatoren hoffen auf eine Beteiligung der übrigen Locations in absehbarer Zeit. Es sei einmalig und richtungsweisend, dass sich so viele Gastronomen zu einer Organisation zusammenschließen, um die Sicherheit ihrer Gäste besser gewährleisten zu können. Der Karlsruher Rotlichtbereich ist in der Aktion jedoch nicht inbegriffen.

Ein weiteres großes Problem sieht die Polizei vor allem in den so genannten "Absaufpartys", die mittlerweile in beinahe jeder Location angeboten werden. Es ist eine eindeutige Trendwende im Partyverhalten junger Leute in den jüngsten Jahren zu erkennen. Im Vergleich zu früher, als noch in der Happy-Hour eine Stunde lang zwei Getränke mit niedrigem Alkoholgehalt zum Preis von einem angeboten wurden, gibt es mittlerweile den ganzen Abend für rund einen Euro pro Getränk hochprozentige Spirituosen. Das Konzept kommt bei den meisten jungen Erwachsenen sehr gut an. Genau deshalb ist das Problem aber auch für die Betreiber kaum zu lösen. Wer sich von diesem System lossagt, um wieder die alte Methode anzuwenden, habe in absehbarer Zeit keine Kundschaft mehr. Es würde nur funktionieren, wenn sich die Gastwirte auf eine gemeinsame Linie einigten. Dann würde die potentielle Kundschaft jedoch in andere Städte ausweichen, um weiterhin Geld zu sparen.

Erfolge sind bereits deutlich spürbar

Die meisten Lokalitäten befinden sich rund um den Marktplatz (Foto: ka-news)
In der Fächerstadt herrscht zudem die Problematik, dass sich beinahe alle Kneipen, Clubs, Diskotheken und Bars rund um den Europaplatz beziehungsweise in der Kaiserstraße befinden und sie somit alle im Zuständigkeitsbereich des Polizeireviers am Marktplatz liegen. Dies sei für die Beamten des Reviers vor allem am Wochenende in den frühen Morgenstunden eine hohe Belastung. Um dem entgegenzuwirken, sollen im Rahmen des Projekts Schulungen für Türsteher und Barpersonal abgehalten werden. Vor allem eine bessere Zusammenarbeit der beiden Ordnungshütergruppen steht an oberster Stelle. Die Besitzer der Etablissements sind zudem dazu angehalten, selbst bei kleinerem Ärger sofort die Polizei zu rufen, anstatt die Situation selbst durch ihre Türsteher klären zu lassen. Dies erleichtere unter anderem die Strafverfolgung auffällig gewordener Gäste. "Wenn ein einer Lokalität auf unser Projekt hingewiesen wird, kann man dies als Gütesiegel für die Sicherheit der Gäste betrachten", kommentierte Revierleiter Kremer.

Der bisherige Erfolg des Projektes ist für die Polizei bereits messbar. Von rund 110 ausgesprochenen Hausverboten in Karlsruhe, welche nicht bei der Polizei, sondern bei den Inhabern der Lokalitäten vermerkt sind, waren fast 60 Personen schon vorher bei der Polizei als Straftäter bekannt. Seit diese jedoch von den Gastwirten einen Denkzettel bekamen, sei nur noch eine einzige Person wieder strafrechtlich in Erscheinung getreten. Ein ausgesprochenes Hausverbot gilt zwei Jahre lang in allen sich beteiligenden Örtlichkeiten. "Als Faustregel kann man sagen, dass immer wenn man die Polizei zur Hilfe rufen muss, ein örtliches Hausverbot angebracht ist", führte Knittweis aus.

Das Projekt wurde im September 2003 von vier Lokalitäten gestartet. Auch andere Städte wie beispielsweise Pforzheim haben mittlerweile ihr Interesse angemeldet und beobachten den Verlauf in Karlsruhe sehr genau.

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