Karlsruhe Profit gegen Profil

Die Empfehlung der Landesanstalt für Kommunikation (LfK), die Sendelizenz der Frequenz 101,8 für das Jahr 2003 anstelle des Privatsenders "die Welle" an "RTL Radio" zu vergeben, stößt vielerorts auf großes Unverständnis. Wie "Welle"-Geschäftführer Tom Otto mitteilt, erreiche den Sender seit der LfK-Bekanntgabe viel positives Feedback vonseiten zahlreicher Entscheidungsträger aus Wirtschaft und Politik. Aber vor allem auch die Hörer selbst sprächen der "Welle" gut zu. Der stellvertretende LfK-Präsident Frank Scherer wollte sich bei ka-news-Anfrage nicht über die letztlich ausschlaggebenden Entscheidungskriterien äußern. Allerdings erklärte er die zwei gesetzlichen Kriterienrichtlinien für ihre Empfehlung.

"Ein Sender muss zur Programmvielfalt beitragen", so Scherer. Außerdem müssten sich die Hörer im entsprechenden Verbreitungsgebiet mit dem Sender identifizieren. Die Marktanalysen zeigten, dass "die Welle" keineswegs das Vertrauen seiner Region hätte. "Die LfK muss kaufmännisch entscheiden", meint er weiter. Vergleicht man dem entgegen die Mediendaten einzelner Radiosender, rangiert der Karlsruher Privatsender tatsächlich aber auf Platz vier der Regionalsender, schlüsselt Otto die Analysedaten auf. Zur zweiten Jahreshälfte des Vorjahres hat "die Welle" sogar um 0,1 Prozentpunkte auf 1,5 Prozent Höreranteil zugelegt.

Dass der Lokalsender im Vergleich zu den "großen" Öffentlich-Rechtlichen wie dem SWR eher in der Region Karlsruhe gehört wird, scheint ausschlaggebend für die Entscheidung des fünfköpfigen LfK-Vorstandes. "Das ist unsinnig. Wir überzeugen unsere Hörerschaft im Umland doch besonders durch unseren Lokalesprit", empört sich Otto über Scherers Argumentation. Aus den Unterstützerschreiben ist ersichtlich, dass sich "die Welle" besonders bei Sportstätten und Kulturgruppen durch ihre Aktionen, Präsentationen und Berichterstattungen auszeichne.

Kein Statement von OB Fenrich bis zur Entscheidung

Bei ka-news-Anfrage im Hause Röser war niemand zu einer Stellungnahme hinsichtlich der Situation der "Welle" bereit. Die Röser AG ist sowohl Gesellschafter des RTL Radios als auch der "Welle". Dies sieht die LfK als Indiz, so der "Welle"-Geschäftsführer, dass in den Gesellschafterkreisen Uneinigkeit zu herrschen scheine. Als legitime "Doppelstrategie" wertet Otto dieses Vorgehen der mit 20 Prozent beteiligten kleineren Gesellschafter. Und dies sei ein ganz normaler Vorgang.

Auch Karlsruhes Oberbürgermeister Heinz Fenrich hält sich bis zur entgültigen Entscheidung der Lizenzvergabe durch den Medienrat am 18. März bedeckt. "Bis zu diesem Zeitpunkt wird es von unserer Seite aus zu diesem Thema keine Stellungnahme geben", heißt es aus dem Oberbürgermeisteramt. Kulturdezernent Ullrich Eidenmüller versucht, diese Passivität zu erklären: "Es ist sehr schwierig für eine Stadt, sich in die Medienlandschaft einzumischen."

Daher hätten sich die Bürgermeister in ihrer Konferenz unter dem Vorsitz des Ersten Bürgermeisters Siegfried König am heutigen Freitagmorgen daraufhin verständigt, erstmals eine gemeinsame Linie zu finden und solange abzuwarten. Der ehemalige Bundesaußenminister Dr. Klaus Kinkel begrüßte indes bereits im Dezember letzten Jahres die Bewerbung um die Verlängerung der Sendelizenz für das baden-württembergische Sendegebiet L2. "Die Welle" sei nach seiner Aussage für die "Bevölkerung der Technologieregion Karlsruhe ungeheuer identifikationsstiftend."

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