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Karlsruhe Presserat missbilligt "Bild"-Artikel über Karlsruher Computerspiel

"So widerwärtig!" Mit diesem Urteil berichtete Bild-Online über das Computerspiel "1378(km)" des 23-jährigen Karlsruher HfG-Studenten Jens Stober. Zu unrecht, wie der Deutsche Presserat nun feststellte. So sprach dieser nun seine Missbilligung gegenüber dem Springer-Medium aus.

Die Missbilligung betrifft laut einem Schreiben des Presserats, das der Karlsruher Hochschule für Gestaltung (HfG) vorliegt, einen Bericht auf Bild-Online mit dem Titel "Wird das widerwärtige DDR-Ballerspiel verboten?" sowie einen Bericht in Bild, der unter der Schlagzeile "Widerwärtig! DDR-Todesstreifen als Ballerspiel" veröffentlicht wurde. Wie aus dem Schreiben des Presserats zu entnehmen ist, erkannte der Beschwerdeausschuss in beiden Texten eine Verletzung der journalistischen Sorgfaltspflicht.

In den Berichten wurde den Angaben zufolge behauptet, dass der Spieler als DDR-Grenzsoldat Republikflüchtlinge töten müsse. Dies entspricht jedoch nicht den Tatsachen und veranlasste den Presserat zu seinem Schritt. Zudem hatte Bild in dem zweiten Bericht behauptet, dass, wer auf Flüchtlinge schießt, in dem Spiel Punkte erhalte. Auch diese Darstellung hatte sich nach den Recherchen des Presserats als unhaltbar erwiesen.

Die Missbilligung ist eine von drei Möglichkeiten des Deutschen Presserats, Verstöße gegen publizistische Grundsätze zu ahnden. Wurde eine Missbilligung ausgesprochen, besteht im Gegensatz zur "Rüge" für das betroffenen Medium jedoch keine Pflicht, die Missbilligung oder eine Richtigstellung zu publizieren.

"Es macht keinen Sinn, mit der Bild zu sprechen"

Klaus Heid von der Öffentlichkeitsarbeit der HfG zeigt sich über die Entscheidung erleichtert. "Vielleicht gibt das dem einen oder anderen noch mal einen Denkanstoß", hofft er und meint damit eine weitere Versachlichung der Diskussion um das publizierte Computerspiel "1378(km)", die bereits seit der letzten Veranstaltung am Freitag vor einer Woche eingesetzt habe. Im Nachgang der Bild-Kampagne seien mehrfach Drohbriefe bei der HfG eingegangen, weshalb für die letzte Präsentation ein Sicherheitsdienst engagiert werden musste .

"Das war eine ganz linke Tour", erzürnt sich der HfG-Sprecher noch immer, wenn er an die Entstehung des Problems denkt. "Es war nie einer von Bild bei uns im Haus", so Heid. Vielmehr habe sich ein Mitarbeiter des Springer-Mediums per Telefon über das Spiel erkundigt. Dieser habe dann versucht, eine vertrauliche Atmosphäre aufzubauen. "Ich bin selbst Gamer", habe er gesagt und "einen auf Kumpel gemacht", so Heid. Nach Veröffentlichung der Artikel hatte sich Heid dann direkt an den Presserat gewandt. "Es macht ja keinen Sinn, mit der Bild zu sprechen", resümiert der HfG-Sprecher.

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Kommentare (20)
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  • unbekannt
    (1 Beiträge)

    20.12.2010 15:27 Uhr
    Naja
    Die Qualität einer sogenannten Zeitung zeichnet sich unter anderem durch ihren Wahrheitsgehalt, gute Recherche und Neutralität aus. Diese Kriterien erfüllt die Bild nunmal einfach nicht. Der Punkt Neutralität sollte eigentlich jedem auffallen, der sich die Schlagzeilen und "Artikel" mal genauer durchliest. Ständig sehr (!) wertende Bezeichnungen und eindeutige Hetze gegen bestimmte Personen. Gut recherchiert sind die Beiträhe fast nie wie man an diesem Beispiel sehr gut sehen kann. Und Bildblog hilft um den Wahrheitsgehalt zu überprüfen. Die liefern auch Quellen und belegen ihre Kritikpunkte.
    Achso: Meine Mutter kauft sich manchmal die Bild. Deshalb bekomme ich sie auch zu Gesicht und lese sie dann auch schonmal. Ich berufe mich von daher auch auf persönliche Erfahrungen. Und mal ganz ehrlich: Wer schafft es schon der Bild komplett aus dem Weg zu gehn? Die Schlagzeilen sind doch überall zu lesen
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  •   runsiter
    (11986 Beiträge)

    20.12.2010 11:08 Uhr
    Eine
    bessere Werbung kann man sich kaum wünschen. Wer will sich schon von einem Computerspiel erziehen lassen? Keiner!

    Aber so ein skandalträchtiges Ballerspiel - das ist doch viel interessanter.

    Dass es etwas anderes ist, merkt man erst hinterher.
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  • unbekannt
    (622 Beiträge)

    18.12.2010 10:23 Uhr
    Was soll dieses Theater eigentlich?
    Da wird ein Riesen-Wirbel um ein "Spiel" gemacht, wovon es Dutzende noch ganz andere auf dem Markt gibt.
    Ich könnte mich z.B. auch angepisst fühlen, dass es Spiele wie z.B. "Call of Duty" gibt, schließlich sind auch Verwandte von mir bei einem der unglückseligen Kriege (2. Weltkrieg) um's Leben gekommen ....
    Und "erzieherisch wertvoll"? *ROFL* Quark mit Sosse ...
    Entweder habe ich gelernt bzw. bin aus gesundenem Menschenverstand zu der Erkenntnis gekommen, dass es nicht die feine Art ist, andere Lebewesen zu töten (ok, abgesehen von Notwehr) oder eben nicht - und die, welche kein Problem damit hätten, Leben "einfach mal so oder aus Lust und Laune" auszulöschen, da hilft auch solch ein "Spiel" nicht - also meines Erachtens wieder mal viel Rauch um Nichts.
    Ich muss mir das Ding ja nicht antun, wem's "gefällt", viel Spass dabei und immer sauber bleiben und was die Blöd-Zeitung angeht, da erübrigt sich für Menschen mit einem IQ oberhalb der Raumtemperatur jeglicher Kommentar.
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  •   g96b
    (117 Beiträge)

    18.12.2010 01:39 Uhr
    auch schlechte presse ist gute presse
    abgesehen davon sollten wir als ka-news leser uns nicht allzu sehr über bild-leser erheben. vor allem nicht als ka-news-leserkommentar-leser. besser ist das sicherlich nicht.

    an die redaktion: nix für ungut! ihr tut bestimmt euer bestes!
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  • unbekannt
    (29986 Beiträge)

    18.12.2010 01:53 Uhr
    Wenn du
    ein gottesfürchtiger Mensch wärst würdest du so etwas nicht sagen. Da besteht noch Aufklärungsbedarf.
    Bild Leser sind auch Gottes Geschöpfe.
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  • unbekannt
    (622 Beiträge)

    18.12.2010 10:27 Uhr
    Hey hetfield,
    kann es irgendwie sein, dass Bonfire Dirch mehr beeinflusst als Du wahrhaben willst?
    Keine Lritik und vor allem nicht böse gemeint, fällt mir irgendwie einfach auf ... zwinkern
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  • unbekannt
    (4144 Beiträge)

    18.12.2010 00:22 Uhr
    Die haben aber jetzt auch nicht gesagt,
    dass 1378 ein erzieherisch wertvolles Computerspiel ist, oder? Ausserdem war der Artikel doch die beste Werbung fuer diesen Schrott, warum regen die Gestalter sich eigentlich auf? Haette sonst keine S.. gekauft und jetzt habe es alle Ossies im Schrank stehen und aergern sich, dass sie das schoene Geld ausgegeben haben fuer ein Spiel bei dem man noch nicht einmal als Vopo auf Republikfluechtlinge schiessen darf.
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  • unbekannt
    (178 Beiträge)

    17.12.2010 23:12 Uhr
    auwei
    das hat die Bild jetzt bestimmt ganz doll beeindruckt.
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  •   Xapoklakk
    (650 Beiträge)

    17.12.2010 17:37 Uhr
    Wenn ich mich nicht irre
    ist Bild die Zeitung mit der höchsten Auflage. Um diese Auflage zu erhalten, muss Bild schreiben, was die Mehrheit der Deutschen höhren will. Das ist doch rational, warum also aufregen?? McDonalds kocht doch auch, was die meisten gerne essen.
    Und woher wollt Ihre eigentlich wissen, wie gut oder schlecht Bild ist? Hier liest doch jeder ausschließlich die "Zeit" oder so.
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  •   Xapoklakk
    (650 Beiträge)

    17.12.2010 17:39 Uhr
    Für die Germanisten hier:
    das h in höhren, nehme ich mit dem Ausdruck des Bedauerns zurück.
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