Karlsruhe/Stuttgart Posse um Kulturgüter

Zehn Millionen Euro sollen die drei ins Blickfeld gerückten Gemälde wert sein, die sich in der Staatlichen Kunsthalle befinden (Archivfoto: ka-news)
Nach der Posse um den Kauf eines Gemäldes, das dem Land Baden-Württemberg bereits zu gehören scheint, blieb der Landesregierung jetzt eine weitere Blamage nicht erspart. Wie der Freiburger Historiker Dieter Mertens herausgefunden haben will, befinden sich auch zwei kleine Medaillons des Malers Lucas Cranach aus der Sammlung der Karlsruher Kunsthalle bereits in Landesbesitz.

Erst kürzlich war nach Recherchen von Mertens bekannt geworden, dass sich Hans Baldung Griens berühmte "Markgrafentafel", die dem Haus Baden für acht Millionen Euro abgekauft werden sollte, schon längst dem Land gehört (ka-news berichtete). Und nun haben die Nachforschungen des Historikers ergeben, dass das Land auch die beiden Fürstenporträts von Cranach nicht erst für je eine Million Euro erwerben muss. Sie gehören dem Land bereits. Beide Gemälde waren, wie schon Griens "Markgrafentafel", in jener Liste aufgeführt, die nach Auffassung der Landesregierung unbestritten im Eigentum der Familie der ehemaligen badischen Großherzöge seien.

Neue Arbeitsgruppe soll Besitzrechte klären

"Wir sind Herrn Professor Mertens sehr dankbar, dass er durch sein Engagement die Wahrheit ans Licht gebracht hat", kommentiert der Karlsruher SPD-Landtagsabgeordnete Johannes Stober die neuen Erkenntnisse. Für die Landesregierung hätte es aber ein Leichtes sein müssen, so Stober, selbst festzustellen, dass der badische Landtag am 1. April 1930 auf Betreiben des damaligen Innenministers Adam Remmele bereits abschließend Rechtssicherheit geschaffen hatte.

Wissenschaftsminister Peter Frankenberg leitet die interministerielle Arbeitsgruppe
(Foto: ka-news)
Das Land hat nun aus seinen Fehlern im Umgang mit den Kunstschätzen Konsequenzen gezogen. Eine internationale Arbeitsgruppe unter Leitung von Baden-Württembergs Wissenschaftsminister Peter Frankenberg befasse sich ab sofort mit einer Reihe strittiger Fragen zu den Kulturgütern aus dem Haus Baden. Dazu gehören nach Angaben des Ministeriums auch die rechtlichen Fragen des Eigentums an den Kulturgütern, um die sich bislang das Finanzministerium gekümmert hatte - oder besser gesagt: kümmern sollte. Dass die Federführung in der Arbeitsgruppe beim Wissenschaftsministerium liegt, sei als deutliche Kritik am Vorgehen des Finanzministeriums zu verstehen, schreibt die "Badische Zeitung". Nach Informationen der Zeitung soll das Finanzministerium fast zwei Jahre alten Hinweisen nicht nachgegangen sein, wonach die Eigentumsrechte an den erwähnten Bildern anders liegen als bisher angenommen.

Vogt: Oettinger nach Historiker-Befund "bis auf Knochen blamiert"

"Wir werden alle relevanten Fragen rasch klären und dazu neben Fachleuten aus unseren Häusern auch externe Experten aus den Bereichen Geschichts- und Rechtswissenschaften heranziehen", erklärte Wissenschaftsminister Frankenberg. Die Arbeitsgruppe werde sorgfältig, aber zügig vorgehen und so bald wie möglich dem Kabinett einen Bericht vorlegen. Im Vorfeld hatte die Landesregierung heftige Kritik einstecken müssen. Es sei erschütternd, wie schlampig und verantwortungslos der Ministerpräsident mit Vermögensinteressen des Landes umgehe, polterte die Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion, Ute Vogt.

Es sei besonders beschämend für die Landesregierung und den Ministerpräsidenten, so die SPD-Landtagsabgeordnete für den Wahlkreis Bretten, dass der Nachweis über das Eigentum des Landes nicht von der Landesregierung selbst erbracht, sondern von einem unabhängigen Historiker geführt worden sei. Der aktuelle Befund zeige, "dass Ministerpräsident Oettinger seinen Vergleichsvorschlag (ka-news berichtete) mit dem Haus Baden auf völlig ungesicherter Grundlage aufgebaut und dabei die Vermögensinteressen des Landes sträflich aus den Augen verloren hat", kritisiert Vogt.

Stober: "Oettinger soll von seinem obskuren Deal mit dem Haus Baden Abstand nehmen" (Foto: pr)
"Das Haus Baden ist in der Beweispflicht"

"Von den drei Objekten, die Ministerpräsident Günther Oettinger in der Landtagsdebatte am 11. Oktober 2006 unstrittig als Eigentum des Hauses Baden bezeichnet hatte, bleibt nun Gott sei Dank nichts mehr übrig", stellt der Karlsruher SPD-Abgeordnete Stober zufrieden fest. Dies gelte nicht nur für die "Markgrafentafel" von Hans Baldung Grien und die beiden Medaillons von Cranach dem Älteren, die heute in der Karlsruher Kunsthalle ausgestellt sind. Genauso sei damit auch für die Hinterlegung "Speculum humanae salvationis" in der Badischen Landesbibliothek, die ebenfalls Teil des Kupferstichkabinetts war, die Eigentumsfrage zu Gunsten des Landes Baden-Württemberg eindeutig geklärt.

Abgesehen von der so genannten "Türkenbeute" ist damit laut Stober für alle anderen umstrittenen Kulturgüter klar, dass sie Staatseigentum sind. Aber auch bei der "Türkenbeute", die heute im Badischen Landesmuseum ausgestellt ist, sei nicht das Land in der Beweispflicht, sondern das Haus Baden, wenn es tatsächlich einen Prozess anstrebe, fügt der SPD-Politiker an. "Ich hoffe deshalb, dass Herr Oettinger endlich Einsicht zeigt und von seinem obskuren Deal mit dem Haus Baden Abstand nimmt." Stattdessen müsse es jetzt endlich um eine vernünftige Lösung für die historische Schlossanlage in Salem gehen - "aber ohne immer wieder mit einem Griff in die wertvollen Bestände der Karlsruher Museen zu drohen", so Stober abschließend.

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