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Karlsruhe Polizei Karlsruhe warnt vor Taschendieben: Doppelt so viele Langfinger unterwegs

Von Januar bis Mai 2012 wurden 462 Taschendiebstähle bei der Karlsruher Polizei angezeigt - 2013 hat sich die Zahl im gleichen Zeitraum mit 869 fast verdoppelt. Vor allem in der Innenstadt geht es dabei hoch her, hinter der Großzahl der Delikte stecken Profi-Langfinger aus Osteuropa. Seit Montag läuft deshalb eine Aufklärungsaktion der Beamten: In der Karlsruher City sprechen sie mit Passanten über die Gefahr und verteilen Flyer. Auch sind ihnen bereits zwei Diebinnen ins Netz gegangen.

"Wenn ihnen jetzt jemand die Tasche von der Schulter reißen möchte, hat er leichtes Spiel", erläutert Andreas Ott von der Karlsruher Polizei im Gespräch mit einer Passantin. Zusammen mit seinen Kollegen Rainer Häfner und Remigius Kraus führt er am Freitag Journalisten durch ein Karlsruher Einkaufszentrum.

"Es gibt keine vordefinierten Opfer"

Dort sind die Beamten in Zukunft häufiger unterwegs, genau wie überall rund um die Innenstadt. Denn vor allem in den vergangenen Monaten haben organisierte und "brutal gut geschulte" Taschendiebe vermehrt in Karlsruhe zugeschlagen, wie Kraus erklärt. Er ist vor allem in der Kriminalprävention für Senioren tätig und kennt die Tricks der Diebe. "Es gibt keine vordefinierten Opfer", weiß er. Bei Langfingern mache einfach Gelegenheit Diebe.

Wer mit offenem Rucksack rumlaufe, seine Tasche nicht im Blick behalte oder gar Wertsachen mit dem Mantel über den Restaurantstuhl hänge, gehe ein großes Risiko ein beklaut zu werden. Im Vergleich mit 2012, als von Januar bis Mai im Stadt- und Landkreis Karlsruhe 462 Fälle zur Anzeige kamen, wurden in den ersten fünf Monaten dieses Jahres 869 und damit fast doppelt so viele Fälle registriert. Allein 741 Taten entfielen dabei auf das Stadtgebiet und hier insbesondere auf die Innenstadt von Karlsruhe. "Obwohl man kaum ein anderes Delikt so leicht verhindern kann, haben die Langfinger durch die Gedankenlosigkeit, manchmal aber auch den Leichtsinn ihrer Opfer immer wieder leichtes Spiel", so die Beamten.

Dies wollen sie den Passanten in einer Sonderaktion bewusst machen. Schon seit Montag klären sie rund um die Innenstadt auf, sind verstärkt in Uniform und auch in Zivil präsent und arbeiten dabei mit Kaufhäusern und den Verkehrsbetrieben zusammen. So nehmen die Ordnungshüter bei ihren Streifengängen mit Fußgängern, Stadtbesuchern, Einkaufenden und Nutzern öffentlicher Verkehrsmittel gezielt Kontakt auf und machen sie auf die Tricks der Taschendiebe aufmerksam. Um den Langfingern das Handwerk zu legen, wird das Polizeipräsidium neben der Bundespolizei auch von Kräften der Bereitschaftspolizei unterstützt, zudem informiert die Polizei mit Plakaten und Informationsständen.

Die Aktion hat sogar schon Früchte getragen: Am Mittwoch fasste die Polizei in der Kaiserstraße zwei gewerbsmäßig agierende Taschendiebinnen. Die 18 und 32 Jahre alten Bulgarinnen waren vom Ortenaukreis aus mit der Bahn nach Karlsruhe gereist, um hier gezielt einkaufende Frauen zu bestehlen. Als sie sich kurz nach 10 Uhr in einem Bekleidungshaus mehreren älteren Kundinnen näherten und einer Frau den Geldbeutel klauten, gingen sie zivil gekleideten Beamten der in die Aktion eingebundenen Bundespolizei ins Netz.

Diebe erzeugen künstliches Gedränge

Glück im Unglück: Das gerade gestohlene Portemonnaie mit 140 Euro konnte zurückgegeben werden. Gegen die beiden Bulgarinnen ist inzwischen auf Antrag der Staatsanwaltschaft Karlsruhe Haftbefehl ergangen. Trotz dieses ersten Aktionserfolges geht die Polizei davon aus, dass die Stadt, aber auch der Landkreis Karlsruhe weiterhin ein ausgesuchtes Ziel für Taschendiebe ist. Schließlich hatten die Beamten längst ihre Streifenschwerpunkte auf die drastisch zunehmende Zahl solcher Diebstähle abgestimmt und auch schon in der Vergangenheit vereinzelt Langfinger festnehmen können. Schwerpunktmäßig kommen die Diebe aus Ost- und Südosteuropa.

Wie Polizeihauptkommissar Norbert Vogel erklärt, erzeugen die meist gemeinsam vorgehenden Täter häufig beim Ein- und Aussteigen an der Straßenbahn oder beim Einkaufen am Wühltisch ein künstliches Gedränge und nutzen die Verwirrung für ihre Zwecke aus. Oft lenken sie ihre Opfer aber auch durch Anrempeln oder eine Ansprache unter einem Vorwand gezielt ab. Auch Gastronomiebetriebe bleiben nicht verschont. "Wer beim Essen nicht auf seine Wertsachen aufpasst und sie in der Jackentasche über der Stuhllehne oder in der Handtasche unter dem Tisch belässt, darf sich nicht wundern, wenn sie weg sind."Den Tätern geht es laut Polizei nicht nur um Bargeld, auch EC-Karten und Mobiltelefone sind begehrte Beute.

Die Polizei empfiehlt deshalb:

  • Tragen Sie Geld, Papiere und Wertsachen verteilt auf die verschlossenen Innentaschen Ihrer Kleidung oder in einer Gürtelinnentasche dicht am Körper.
  • Nutzen Sie insbesondere Rucksäcke möglichst nicht für den Transport Ihrer Wertsachen. · Führen Sie nur so viel Bargeld mit sich, wie Sie für Ihre Einkäufe unbedingt benötigen; überlegen Sie, ob Sie auf Ihre Bankkarten nicht kurzfristig verzichten können.
  • Bewahren Sie Ihre EC-Karte niemals zusammen mit dem PIN-Code auf.
  • Lassen Sie beim Ablegen der Jacke an einer Garderobe oder über einem Stuhl keine Wertsachen in den Taschen.
  • Legen Sie Taschen / Rucksäcke nie unbeaufsichtigt im Einkaufswagen oder im Restaurant unter dem Tisch bzw. auf dem Stuhl ab.
  • Seien Sie misstrauisch, wenn Sie angerempelt werden, Ihre Kleidung beschmutzt wird oder Sie allzu hilfsbereiten Mitmenschen begegnen

Wer beklaut wurde, sollte sofort die Polizei über die 110 verständigen und keine Zeit verstreichen lassen. Dabei können die Beamten bereits Hinweise auf den Täter aufnehmen. Außerdem gilt es, schnell Mobilfunkkarte, EC-, Bank- und Kreditkarten zu sperren sowie die Hausbank zu benachrichtigen.

Uns ist klar, dass die Zunahme der Taschendiebstähle insbesondere in Verbindung mit den Erkenntnissen der Polizei, dass hier Profi-Langfinger aus dem Ausland am Werk sind, für Diskussionen sorgen wird. Wir möchten aber darum bitten, bei der Diskussion sachlich zu bleiben. Pauschalverurteilungen oder fremdenfeindliche Kommentare haben unter dem Artikel nichts zu suchen.

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