Pierre M. Krause: Fernsehmoderator

Samstag Nacht 0 Uhr, das ist Pierre Krauses Auftritt in seiner "SWR3 Ring Frei"-Sendung im Südwest Fernsehen. Viele kennen den Moderator noch von Das Ding-TV. Doch bevor es den TV-Star zum Fernsehen verschlug, widmete er sich dem Geld und absolvierte drei Jahre lang seine Ausbildung zum Bankkaufmann. Warum sich Krause dafür entschieden hat, dass weiß er bis heute nicht: "Ich war jung und brauchte eine Ausbildung. Hier habe ich gelernt, dass zwischen mir, den Menschen bei der Bank und dem Beruf Bankkaufmann Welten liegen - ganze Universen gar." Schon am ersten Tag fühlte er sich recht deplatziert. Der Moderator, der am 5. Oktober 1976 in Karlsruhe geboren wurde, beschloss die Ausbildung zu beenden.

1999 arbeitete der Karlsruher als Zivildienstleistender bei der AWO Karlsruhe in einem Pflegeheim. Während seiner Zeit als Zivi hatte er in einer Zeitung vom Klinikfunk gelesen. Bei diesem Radiosender wird die Sendung ehrenamtlich moderiert. Also rief Krause, der in seiner Freizeit gerne kocht und isst, dort an und "Schwups - habe ich dort fast jedes Wochenende moderiert", erzählt der Karlsruher. Früher produzierte der nachdenkliche Krause Kurzfilme, für die er mehrere nationale und internationale Preise erhielt. Während seines Sprachstudiums in Köln stellte er fest, dass dieses Studium nichts für ihn war. Sein Fokus war immer das Filmemachen. Weil der Moderator im Studium nicht glücklich wurde, bewarb er sich mit einem Film bei mehreren TV-Sendern und Produktionsfirmen. Jedoch hagelte es nur Absagen. Doch dann kam der Anruf vom damaligen Chef von Das Ding.

Ihm gefielen die Filme von Pierre Krause, und er wollte eine TV-Sendung auf die Beine stellen. Der Karlsruher - der gerne liest, beobachtet oder einfach nichts macht - wurde gefragt, ob er das ganze konzipieren könne. Nach vier Semestern brach Krause sein Studium ab und ging das Risiko ein, in Baden-Baden bei Das Ding eine Fernsehshow zu produzieren. Nach dem ersten "Pierrereport" stand er zusammen mit Domenica Berger vor der Kamera, die zuvor die Sendung alleine moderierte. Von da an sahen die Zuschauer beide gemeinsam vor der Kamera. Das Ding-TV war geboren. Nach drei Jahren Live-Show kam die Zeit um Platz zu machen. "Man soll gehen, wenn es am schönsten ist. Und es war sehr schön!", erzählt der Moderator. Er erhielt das Angebot "SWR3 Ring Frei" zu moderieren. Mit ihm erhielt die Show am 15. Januar 2005 ein neues Konzept und Gesicht.

Beschreiben Sie sich mit drei Worten:
In drei Worten? Okay: "Das geht nicht."

Was ist Ihre größte Stärke?
Meine nicht mit Gleichgültigkeit zu verwechselnde Toleranz.

Was ist Ihre größte Schwäche?
Meine zweiflerischen Züge, die Entscheidungen oft zu sehr schweren Geburten machen. Schließlich heißt es "Cogito, dubito, ergo sum" ("Ich denke, ich zweifle, also bin ich").

Was war als Kind oder Jugendlicher Ihr Traumberuf? Haben Sie damals jemals daran gedacht, das zu werden, was Sie heute sind?
Ich hatte viele Traumberufe als Kind. Als kleiner Junge wollte ich lange entweder Polizist oder Zauberer werden. Dann hat mich irgendwann das Schauspielern gepackt. Als Jugendlicher kam dann ein großes Interesse am Journalistischen dazu. Später entdeckte ich das Filmemachen und hiermit auch eine große Leidenschaft vor und hinter der Kamera. Heute bin ich so etwas ähnliches, wie alles in einem - außer eben Polizist. Gott sein Dank.

Was würden Sie im Leben gerne noch erreichen?
Ein guter, ausgeglichener Mensch zu sein.

Was nervt Ihre/n Partner/in am meisten an Ihnen?
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Auf welchen Gegenstand möchten Sie im Leben nicht verzichten?
Ein Leben ohne Musik wäre tatsächlich unakzeptabel. Also alles, wo Musik rauskommt.

Wen würden Sie gerne auf den Mond schießen?
Mich selbst – da wollte ich schon immer mal hin. Ich würde allerdings auch gerne wieder zurückkommen können.

Welcher Mensch beeindruckt Sie?
Vicco von Bülow, einer der größten Humoristen überhaupt.

Welche Musik (Interpret und Titel) und welcher Film haben Sie am meisten beeindruckt?
Gerade als Film- und Musikliebhaber fällt es mir sehr schwer, mich auf jeweils ein Werk zu beschränken. Dennoch hier ein Versuch: Musik: Am meisten beeindrucken mich klassische Musik und Jazz in fast allen Variationen. Film: Star Wars Wars Trilogy IV bis VI.

Welches Buch haben Sie als letztes gelesen?
"Deutschlandreise" von Roger Willemsen.

Sie werden als Tier geboren. Als welches?
Als Tiger oder Löwe. Ein Wunschzustand: Groß, stark, schnell, von allen respektiert - der Boss im Dschungel. Den ganzen Tag rumliegen, ab und zu brüllen und zweimal am Tag von der Dame frische Antilopen bringen lassen. Was für ein Leben!

Sie tauschen einen Tag mit einer Person des anderen Geschlechts - wer wäre das?
Alice Schwarzer. Ohne Ironie: Eine bewundernswerte, hochinteressante Frau. Wahrscheinlich würde ich mich nach der Zurückverwandlung klein und dumm fühlen. Aber immerhin könnte ich dann wieder im Stehen pinkeln.

Was finden Sie an Karlsruhe reizvoll?
Zum einen ist Karlsruhe meine Heimat – hier habe ich meine Kindheit verbracht und den Großteil meiner Freunde gefunden. Die Lebensqualität ist großartig. Viel Grün, trotzdem städtisch, ein wunderbarer Schlosspark, friedlich, viele Feste werden gefeiert (der Badener isst und trinkt eben gern) und sehr fahrradfreundlich.

Was würden Sie an Karlsruhe ändern, wenn Sie Oberbürgermeister/in wären?
Eine Innenstadt ohne Straßenbahn wäre fein. Ich würde sehr darauf achten, dass Kultur nicht dem Konsum weicht. So etwas schleicht sich gerne ein, wenn man immer mehr und immer größere Einkaufszentren baut.

Welches sind die markantesten Karlsruher / deutschen Köpfe?
Es gibt hier – wie in jeder Stadt - so viele "stille Helden". Diese Köpfe prägen eine Stadt mehr als man auf den ersten Blick wahrnimmt. Sie zu ehren gilt es in unserem Alltag. Vielleicht ein Stück wie sie zu werden in unserem Leben.

Sie leben in einem anderen Land. Welcher Grund könnte Sie dazu bewegen beziehungsweise davon abhalten, nach Deutschland einzuwandern?
Zunächst: Ich lebe gerne in Deutschland und ich mag meine Heimat. Schließlich liegen viele Vorteile auf der Hand, sie sind inzwischen nur selbstverständlich für uns geworden. Es geht uns gut – auch, wenn man nach manchen Aussagen oder Boulevard-Schlagzeilen manchmal glauben könnte, wir sind die ärmste und geplagteste Nation auf Erden. Nach Deutschland könnte mich bewegen: Ein (noch funktionierendes) soziales System, eine immer toleranter werdende Gesellschaft, die Freiheit, das Multi-Kulturelle, die Vielseitigkeit und das Bier. Von Deutschland abhalten könnte mich: Eine allgemeine negative Grundhaltung, das Wetter.

Es geht um das Glück der Republik. Welche Person, Gruppierung oder Idee sollte mehr Einfluss gewinnen?
Frauen. Ohne mich anbiedern zu wollen: Das sind die besseren Menschen – ich spreche aus Erfahrung, ich bin ein Mann. Seriöse Umweltschützer. Bitte nicht nur die, die sich langhaarig und Parka-tragend überall anketten. Sondern die, die Köpfe der Menschen erreichen. Umweltschutz muss einen höheren Stellenwert bekommen. Die Warnzeichen sind mehr als deutlich.

Wie und wo möchten Sie sterben?
Ich möchte nicht sterben. Und ich möchte mir keine Gedanken darüber machen. Zumindest nicht jetzt. Und wenn sterben, dann da, wo die Menschen sind, die ich liebe. Und in Würde.

Kommen Sie in den Himmel oder in die Hölle?
Das Leben hat so viele Überraschungen parat – ich weiß noch nicht, welche Eintrittskarte ich in diesem Leben erwerben werde. Vielleicht für ein Stockwerk dazwischen.

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