16  

Pforzheim/Karlsruhe Justiz-Opfer Harry Wörz: Anwältin prüft Angebot des Landes

Im Entschädigungsstreit um Justizopfer Harry Wörz sind beide Seiten um eine Einigung bemüht. Wie die Anwältin von Wörz mitteilte, prüft sie derzeit ein Angebot des Landes Baden-Württemberg von Anfang Januar. Die nicht näher genannte sechsstellige Einmalzahlung ist zumindest aus Sicht der Generalstaatsanwaltschaft Karlsruhe geeignet, "eine endgültige und umfassende Einigung zu erzielen".

Harry Wörz
Justizopfer Harry Wörz. Foto: Uli Deck/Archiv |
Die Wörz-Anwältin lässt nun durchrechnen, was von der Summe am Ende für ihren Mandanten zum Leben bleibt - nach Abzug von Steuern und Versicherungsbeiträgen.

Harry Wörz (49) aus Birkenfeld bei Pforzheim steht für einen der spektakulärsten Justizirrtümer. Er wurde 1998 vom Landgericht Karlsruhe wegen versuchten Totschlags an seiner damaligen Frau zu elf Jahren Haft verurteilt und saß viereinhalb Jahre hinter Gitter. 13 Jahre stritt er vor verschiedenen Gerichten, bis er im Dezember 2010 durch den Bundesgerichtshof endgültig rehabilitiert wurde.

Bislang hat der Staat Wörz an die 180.000 Euro brutto zugebilligt. Für seinen Verdienstausfall und als Ausgleich der Kosten für Anwälte und Möbel aus seiner wegen der Haft aufgelösten Wohnung fordert Wörz mindestens weitere 110.000 Euro - und eine Berufsunfähigkeitsrente über das Jahr 2016 hinaus.

Mehr zum Thema

Harry Wörz kämpft vor Landgericht um höhere Entschädigung

Justizopfer Harry Wörz wird entschädigt: 25 Euro für jeden Tag hinter Gittern

Karlsruher Generalstaatsanwalt: 226.00 Fälle 2013 - und kein Ferrari

Nach BGH-Urteil: Im Fall Harry Wörz wird kein Täter mehr gesucht

Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Unsere Sonderthemen
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (16)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Der Kommentarbereich wird 7 Tage nach Publikationsdatum geschlossen.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  •   urraco
    (563 Beiträge)

    26.02.2016 10:34 Uhr
    Allerdings
    wars Turbo Rolf auch und seitens der Ermittler und des Gerichts wurde alles getan um ihm die Schuld nachzuweisen, was schliesslich auch zu einer Haftstrafe führte.

    Bei Harry Wörz wars andersrum. Hier wurde alles getan um den Fall nicht aufzuklären und durch eine aberwitzige Geschichte mit vollkommen abstrusen 'Beweisen' zu ersetzen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   silberahorn
    (9938 Beiträge)

    26.02.2016 11:46 Uhr
    Vor einiger Zeit
    habe ich im swr ein Interview mit ihm gesehen, wo er auch, wie vor ein paar Tagen hier jemand, meinte, dass Herr Stickelberger damit in Verbindung gebracht werden kann. Gesetz über die Entschädigung für Strafverfolgungsmaßnahmen ist aber Bundesgesetz und dort steht: §7 (4)Für einen Schaden, der auch ohne die Strafverfolgungsmaßnahme eingetreten wäre, wird keine Entschädigung geleistet.

    Das ist doch sein derzeitiges Dilemma, dass man prüft, ob er ohne Haft eine entsprechende Arbeit gefunden hätte. Wie lässt sich das beweisen, dass es so wäre. Die Beweislast hat er. Dazu kommt wohl noch, dass die aus der Haft entstandenen Krankheit wahrscheinlich erst spät erkannt wurde. Meiner Meinung nach fehlte die Beratung rundum und zwar schon sofort nach der Haftentlassung.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   urraco
    (563 Beiträge)

    26.02.2016 13:11 Uhr
    Das mim
    Stickelberger war ich und ich hab dem auch geschrieben. Es mag ja sein, dass er letztinstanzlich nicht zuständig ist, einsetzen kann er sich aber trotzdem. Ich finde das gehört zu seinen Aufgaben.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   silberahorn
    (9938 Beiträge)

    26.02.2016 14:21 Uhr
    Einsatz oder gar Entschuldigungen
    wirst du von einem Politiker schlecht erwarten können. Mir hat einer so geantwortet, dass er ein Wort umgewandelt hat und schon wirkte es, als sei bei ihm im Bereich alles richtig gewesen. Mich stört dabei vor allem, dass dies dann Leute tippen und verschicken, die das zwangsläufig textlich mitkriegen. Die meinen dann, dass ich etwas falsch gemacht hätte. Und das mit Kenntnis meiner Adresse und des Namens.
    Tja, wenn dessen Partei das wüsste. Deren Ausagen klingen nämlich so:
    Sicherheit ist ein ursozialdemokratisches Versprechen: Sicherheit vor dem Fall ins Nichts und vor Verarmung.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   silberahorn
    (9938 Beiträge)

    26.02.2016 13:35 Uhr
    Ich lese gerade
    Facebook von Wörz und kam auf das Schreiben, was man 2012 von der Generalstaatsanwaltschaft unter anderem von ihm wollte: Vorlage der Einkommensnachweise Mai 1996 - Dezember 1996 (nach Möglichkeit in besser lesbarer Form) ...
    Das war Jahre bevor er inhaftiert wurde. In welcher Form es wohl lesbar sein muss?

    Das sind wirklich Art und Weisen, die mir bekannt vorkommen.

    Mit ist heute ein Schreiben aus 2003 in die Hände gekommen, nachdem ich Antrag auf OEG gestellt hatte. Das hat mich damals auch regelrecht umgehauen.
    Beratungen und Hilfen gab es bei mir auch keine. Mir wollten sie auch Leistungsschwächen schon zuvor anhängen. Ich weiß, wie man sich dann fühlt. Erstens, weil ich es nicht war und zweitens, weil jemand, der weniger leistungsstark ist, auch unter einem Verbrechen leidet. Warum einer mehr und der andere weniger, abhängig von Schulabschluss und Beruf?
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   silberahorn
    (9938 Beiträge)

    26.02.2016 13:45 Uhr
    Stickelberger
    wäre in meinen Augen dafür zustädig, dass die Informationswege in Bezug auf juristische Zusammenhänge innerhalb Baden-Württembergs für Geschädigte aus Straftaten erkennbarer werden. Das betrifft sowohl Opferentschädigungsgesetz, als auch das Gesetz über die Entschädigung für Strafverfolgungsmaßnahmen. Aber da in beiden Fällen das zwar auf Bundesgesetzen basiert und das Land es tragen muss (bei OEG nur zum Teil) hat man daran kein Interesse.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten

Seite : 1 2 (2 Seiten)

Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.